Experimente mit selbstgebauten Influenzmaschinen


Elektrostatische Kräfte - Koronaeffekte - Durchschlag von isolierenden Materialien - Elektrischer Wind


Für was man sich auch immer interessiert, entweder lustige Unterhaltung oder ernsthafte physikalische Untersuchungen: Ich wünsche viel Spaß und frohes Weiterentwickeln bei noch vertretbarem zeitlichem und finanziellem Aufwand und mäßigem handwerklichem Geschick gemacht werden kann. Am Ende erreichte ich maximal 50 cm Funkenschlagweite! Gelegentlich fragte mich beim Basteln meine Frau oder mein Schwiegervater nach dem Sinn der Sache. Ich musste eingestehen, dass mein Gerät - bereits vor mehr als 150 Jahren schon erfunden - eigentlich keinen Sinn oder praktische Bedeutung hat. Verständnisloses Kopfschütteln.
Ich glaube aber, dass die Beschäftigung mit dieser Materie ein tiefes Ver­ständnis schafft für das Wesen der Elektrizität, insbesondere der Elektro­statik, die ja in der modernen Elektrotechnik kaum mehr einen Platz hat. Man bekommt ein Gefühl für die gewaltigen elektrostatischen Vorgänge in der Natur, die bei jedem Gewitter, aber auch bei Vulkanausbrüchen beobachtet werden können.
Dieses Buch enthält neben einer kurzen Erklärung der wichtigsten physi­kalischen Grundlagen der Elektrostatik eine genaue Beschreibung für den Aufbau und Betrieb von großen Influenzmaschinen. Es soll Leute anspre­chen, die nicht nur passiv unterhalten werden wollen, sondern die selbst aktiv basteln und experimentieren wollen und auch eigene kreative Gedanken einbringen wollen. Viele Dinge auf dem Gebiet der Elektrosta­tik sind bis heute noch nicht zu Ende entwickelt oder voll durchdacht wor­den. Niemand weiß z. B., wie Kugelblitze entstehen. Ein Phänomen, das Forscher erst seit wenigen Jahren kennen, sind die „Blue Jets": Blitze, die an der Oberseite gewaltiger Wolken entstehen und in die Hochatmo­sphäre hinaufschießen.
Ich möchte speziell Schüler, Studenten und ihre Lehrer auffordern, sich einmal wissenschaftlich mit etwas wirklich Außergewöhnlichem zu beschäftigen. Die handwerklichen Voraussetzungen für den Aufbau der hier beschriebenen Geräte sind nicht sehr groß. Ein gut aufgebauter elek­trostatischer Generator kann mehr Spannung liefern als industriell gefer­tigte Hochspannungsgeneratoren, bestehend aus Transformatoren, Gleichrichtern und Filtersystemen, die vielleicht Tausende von Euro kos­ten.

Inhalt
1 Hochspannungserzeugung durch Influenz
und Ladungstrennung; Grundlagen.................  11
1.1  Elektrische Ladung................................  11
1.2  Das elektrische Feld...............................  13
1.3  Dielektrische Eigenschaften der Materie ...............  17
1.3.1 Dielektrikum.....................................  17
1.3.2 Dielektrizitätskonstante ............................  17
1.3.3 Verschiebungspolarisation ..........................  18
1.3.4 Orientierungspolarisation; Elektrete...................  19
1.4  Kapazität........................................ 20
1.4.1 Plattenkondensator................................ 20
1.4.2 Kugelkondensator................................. 22
1.5  Influenz......................................... 22
1.6  Energieerzeugung durch Ladungstrennung ............. 24
1.7  Sprühverluste in Luft, Spitzenentladung, Korona ........ 25
2 Der Elektrophor .................................27
2.1 Prinzipielle Wirkungsweise .........................27
2.2  Praktischer Aufbau eines einfachen Elektrophors ........29
3 Influenzmaschinen ...............................32
3.1  Erklärung der prinzipiellen Wirkungsweise
der Influenzmaschinen nach Töpler/Holtz..............32
3.2  Prinzipielle Wirkungsweise der sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst.................... 34
4 Anleitung zum Selbstbau einer
Influenzmaschine nach Töpler/Holtz ................36
4.1  Herstellung der Scheiben ...........................36
4.2  Mechanischer Aufbau, Befestigung
der Getriebemotoren...............................39
4.2.1 Grundplatte und Motorstützen .......................39
4.2.2 Befestigung der Antriebsmotoren.....................41
4.3  Ausgleichs- bzw. Querkonduktoren...................42
4.4  Entladekonduktoren ...............................45
4.4.1 Entladekonduktor-Glassäulen........................45
4.4.2 Entladekonduktor-Stäbe............................46
4.4.3 Die Entladekugeln ................................47
4.5  Herstellung der Leidener Flaschen....................48
4.5.1 Auswahl geeigneter Gläser und Bekleben mit Metallfolie .. 48
4.5.2 Anschluss des Innenbelags..........................50
4.5.3 Befestigung des Absaugkonduktors...................52
4.5.4 Messung der Kapazität.............................53
4.5.5 Positionierung der Leidener Flaschen .................53
4.6  Verkabelung, Erdung. Motorregelung, Batterieversorgung . . 54
5 Inbetriebnahme der selbst gebauten Influenzmaschine (Töpler/Holtz) ...................57
5.1  Normaler Betrieb .................................57
5.2  Polwechsel ......................................60
6 Anleitung zum Selbstbau einer sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst..................62
6.1 Vergleich: Sektor-Maschine - sektorlose Maschine.......68
7 Spannung und Leistung der Influenzmaschinen.......69
7.1  Spannungsmessung mittels Funkenlänge...............69
7.2  Abgegebener Strom ...............................72
7.3  Leistungsbetrachtung ..............................73
8 Pflege, Reinigung, Wartung der Maschinen...........75
8.1  Scheiben........................................75
8.2  Leidener Flaschen.................................75
8.3  Glassäulen.......................................76
8.4  Entladekugeln, Verbindungsstäbe.....................76
8.5  Batterie.........................................76
8.6  Motoren ........................................76
9 Berührungssicherheit, Personengefährdung,
Ozon, Entladestab, Röntgenstrahlung ...............77
10 Experimente mit Influenzmaschinen ............... 81
10.1  Abstoßungs- und Anziehungskräfte.................. 81
10.1.1  Elektrostatische Motoren .......................... 81
10.1.2 Kugeltanz ...................................... 86
10.1.3 Das elektrostatische Pendel ........................ 87
10.1.4 Das „haarsträubende" Experiment................... 89
10.1.5 Teelicht-Experiment.............................. 91
10.1.6 Das Elektroskop ................................. 91
10.1.7 Die schwebende Rakete ........................... 96
10.2  Durchschlag von Glas............................. 98
10.3  Funkenüberschläge, Korona-Effekte, Blitztafel......... 99
10.4  Elektrischer Wind, Kerzenflammen-Experiment, Flügelrad  103
10.5  Darstellung des elektrischen Felds...................  106
10.6  Seifenblasen-Experiment ..........................  110
10.7  Rauchgaskondensations-Experiment .................  110
11 Weitere elektrostatische (Influenz-)Generatoren......  113
11.1  Der Bandgenerator...............................  113
11.1.1 Vorgeschichte ...................................  113
11.1.2 Vereinfachte Erklärung der Funktionsweise............  114
11.2  Der Kelvinsche Wassertropfengenerator ..............  116
11.3  Der „Schuttel-Generator"..........................  120
12 Historisches....................................  121
Anhang........................................  131
Bezugsquellen...................................  131
Literaturhinweise ................................  134
Sachverzeichnis.................................  137

1 Hochspannungserzeugung durch Influenz und Ladungs­trennung; Grundlagen
1.1 Elektrische Ladung
Eine elektrische Ladung stellt man durch die Kraftwirkung fest, die von ihr auf eine andere ausgeübt wird.
Elektrisch geladene Körper ziehen sich an oder stoßen sich ab. Gleichar­tige Ladungen stoßen sich ab, ungleichartige ziehen sich an. Es gibt zwei verschieden Arten elektrischer Ladungen, man nennt sie positive und negative Elektrizität.
Wie man die Masse eines Körpers durch sein Gewicht, d. h. die Kraft misst, die die Erde auf ihn ausübt, so misst man die Menge der Elektrizität durch die Kraft, mit der sie von einer anderen angezogen oder abgestoßen wird. Ein Experiment ergibt, dass die Kraft, die zwischen zwei Ladungen Q, und Q2 wirkt, dem Produkt aus den Mengen der einzelnen Ladungen direkt proportional und dem Quadrat des Abstands r der Ladungen umge­kehrt proportional ist.

Die praktische Einheit der elektrischen Ladung heißt l Coulomb (Cb) oder 1 Amperesekunde.

12 7 Hochspannungserzeugung
Q in Coulomb (Amperesekunden)
r in Metern
die Kraft in Großdyn (105 dyn)
Die Konstante, die den Namen Influenzkonstante oder absolute Dielektri­zitätskonstante trägt, hat den Zahlenwert:
eo = 8,86-10-12 — V-m
Auch die Elektrizität besteht aus kleinsten natürlichen Einheiten, den negativ geladenen Elektronen und den positiven Protonen. Ihre Ladung, die Elementarladung, ist dem Betrag nach gleich:
eo= 1,602- 10-19 Coulomb
Die Atome bestehen aus einem Kern, in dem neben Protonen auch Neu­tronen enthalten sind. Dieser Kern, der weniger als den 10~l2ten Teil des Atomraums erfüllt, ist in relativ großen Abständen von negativen Elek­tronen umgeben, deren Zahl gleich der der Protonen im Atomkern ist. Bringt man außerhalb des Atoms in einer Entfernung, die gegenüber den Abständen der Einzelladungen im Atom groß ist, eine Ladung an, so sind die Kräfte, die von den Protonen auf diese „Probeladung" ausgeübt wer­den, gerade entgegengesetzt gleich den von den Elektronen herrührenden. Die resultierende Kraft ist also gleich Null. Man sagt dann, die Gesamtla­dung des Atoms sei Null, es sei „neutral". Daher sind im Allgemeinen die Körper neutral oder ungeladen, das bedeutet, dass sie keinen Überschuss an geladenen Elementarteilchen einer Art besitzen. Die Aufladung eines Körpers bedeutet also Vermehrung der Teilchen einer Art. Dies geschieht in den meisten Fällen durch Platzwechsel von Elektronen. Der Körper, der Elektronen abgibt, behält dann eine positive Überschussladung, er ist „positiv geladen". Fügt man Elektronen hinzu, so wird er „negativ" auf­geladen.
Die elektrischen Ladungen unterliegen einem Erhaltungssatz: In einem abgeschlossenen System bleibt die Summe der positiven und negativen Ladungen konstant.
In den meisten Körpern sitzen die Elektronen in mehr oder minder fester Bindung an den Atomen oder Molekülen. In solchen Körpern sind daher ohne Zufuhr von Energie, welche zur Abspaltung von Elektronen aus dem

7.2 Das elektrische Feld 13
Atomverband aufgewandt werden muss, die Ladungen nicht verschieb-lich. Aber auch von außen herangebrachte Ladungen haften dort, wo sie zugeführt werden; man nennt solche Körper Isolatoren (Kunststoffe, Glas, Bernstein ...).
In den Metallen sind ein oder mehrere Elektronen pro Atom nicht mehr an die Atome fest gebunden, sondern zwischen ihnen frei beweglich und unter der Wirkung elektrischer Kräfte verschiebbar. Die Metalle binden Ladungen nicht an dem Ort, an dem man sie zuführt. Sie verteilen sich vielmehr auf ihrer Oberfläche. Man nennt die Metalle Leiter.
Apparate zur Messung elektrischer Ladungen heißen Elektrometer (siehe Abschnitt 10.1.6).

1.2 Das elektrische Feld
Ein elektrisch geladener Körper übt, ähnlich wie ein Magnet, in seiner näheren Umgebung Kräfte aus, man sagt, er hat ein elektrisches Feld. Man denkt, dass die elektrischen Feldlinien vom positiven Ladungsträger ausgehen und im negativen einmünden. Im Gegensatz zu den magneti­schen Feldlinien sind sie nicht geschlossene Kurven, sondern enden dort, wo Ladungen sitzen. Sie enden nie frei im Raum. Zwei Kraftlinien schneiden sich niemals. In einem homogenen elektrischen Feld, d. h. in einem Feld, an dem an jedem Ort die Feldstärke den gleichen Wert hat, verlaufen die Kraftlinien parallel. Wenn sie divergieren, so nimmt in der Richtung, in der die Kraftlinien auseinander laufen, die Feldstärke ab, in entgegengesetzter Richtung zu. Wo sie enger liegen, ist also die Feld­stärke größer. Das Kraftlinienbild eines elektrischen Felds vermittelt demnach ein anschauliches Bild der Verteilung der Feldstärke.

Als Feldstärke bezeichnet man den Quotienten aus einer elektrischen Kraft (K) und der Ladung (Q), auf die sie in einem elektrischen Feld aus­geübt wird.

Ist s eine kleine Wegstrecke an der zu untersuchenden Stelle des Felds,
längs derer die Kraft K wirksam ist, so gilt: Arbeit = Kraft und Weg A = Ks=U-It=UQ Daraus folgt für die Feldstärke:
Die Feldstärke ist also auch das Verhältnis aus dem Spannungsabfall und der Länge des Kraftlinienstücks, längs dessen der Spannungsabfall statt­findet. Ihre Einheit ist:
Abb. 1.1 zeigt ein homogenes Feld, wie es zwischen zwei parallelen gela­denen Platten in geringem Abstand entsteht (Plattenkondensator).
Die Feldlinien sind gerade und alle senkrecht zu den Elektroden. Ihre Dichte, das Maß für die Feldstärke, ist überall gleich. In einem solchen homogenen Feld ist die Feldstärke gleich der anliegenden Spannung divi­diert durch den Plattenabstand:
E=V-s
Abb. 1.1: Kraftlinien des Plattenkondensators

 

7.2 Das elektrische Feld 1 5
Abb. 1.2 zeigt das elektrische Feld einer einzelnen, isoliert stehenden geladenen Kugel (Kugelkondensator). Auch hier sind alle Feldlinien senkrecht zur Kugeloberfläche und gerade (radial). Ihr gegenseitiger Abstand wird nach außen größer, das Feld wird also nach außen schwä­cher. Bei einer kleineren, gleich stark geladenen Kugel sähe das Bild exakt genauso aus. Die Kugeloberfläche läge jedoch weiter innen, sodass die Feldlinien an der Kugeloberfläche dichter lägen. Das Feld der kleine­ren Kugel ist also an der Oberfläche stärker, weiter außen aber gleich stark.
Abb. 1.3 zeigt das elektrische Feld zwischen zwei entgegengesetzt gela­denen Kugeln. Die Feldlinien enden zwar noch senkrecht auf den Elektro­den, sind aber nicht mehr gerade.
Abb. 1.4 zeigt das elektrische Feld zwischen zwei gleichen (positiven) Ladungen.

Abb. 1.2: Kraftlinien einer kugelförmigen (positiven) Ladung
Abb. 1.3: Kraftlinien eines „Dipols"

16 7 Hochspannungserzeugung
Abb. 1.5 zeigt das Feld zwischen einer geladenen Kugel und einer ebenen, großen geerdeten Metallplatte. Die Oberfläche der Metallplatte wird negativ geladen. Es wird auf ihr eine Ladung entgegengesetzten Vorzei­chens durch Influenz gebunden, deren Menge gerade gleich der der influ-enzierenden positiven Ladung ist. Das elektrische Feld vor der Platte ist identisch mit dem Feld des Dipols (Spiegelung). Die Feldlinien enden senkrecht auf der Platte.
Abb. 1.6 zeigt das Feld eines geladenen Leiters, der eine Spitze hat und sonst rund ist. Die Feldlinien konzentrieren sich sehr stark auf die Spitze, die Feldstärke ist hier sehr hoch. Allgemein gilt der Grundsatz, dass das elektrische Feld an einer Leiteroberfläche umso höher ist, je stärker deren Krümmung ist.
Abb. 1.4: Kraftlinien zwischen zwei glei­chen (positiven) Ladungen

Abb. 1.5: Influenzwirkung einer gelade­nen Kugel


Abb. 1.6: Spitzenwirkung

7 3 DieletfSehe '§geliscli$en~derlStefS"'' 17
1.3 Dielektrische Eigenschaften der Materie
1.3.1  Dielektrikum
Stellt man zwischen ein Elektroskop (Abschnitt 10.1.6) und einem gerie­benen PVC-Stab eine Glasplatte oder eine Platte aus einem anderen Isola­tor, so findet trotzdem ein Ausschlag statt. Während das elektrische Feld durch eine geerdete Metallplatte abgeschirmt wird, greift es durch einen Isolator durch. Man bezeichnet die isolierenden Stoffe als Dielektrika.
1.3.2 Dielektrizitätskonstante
a) Bringt man zwischen die Platten eines geladenen und dann von der Stromquelle getrennten Kondensators einen Isolator, z. B eine Glas-
Tabelle 1.1: Dielektrizitätskonstante einiger Stoffe
 

Material
eP
Glas (allgemein)
5-10
Duranglas (Schott)
4,6
Jenaer Glas
8,1
Quarzglas
3,7
Schwefel
3,6^1,3
Hartgummi
2,5-3,5
Porzellan
6
Papier, trocken
2-2,5
Pertinax, Hartpapier
6
Glimmer
7,5
Nitrobenzol
37
Äthylalkohol
25,8
Wasser
81,1
Petroleum
2,1
Mineralöl
2-2,5
Paraffin
ca. 2
Rizinusöl
4,6
Luft
1,000576
Wasserstoff SO2
1,000264 1,0099
0° C, 760 Torr
N2
1,000606

18 7 Hochspannungserzeugung
oder Kunststoffplatte, so sinkt seine Spannung. Nach Entfernen der Platte steigt die Spannung auf den ursprünglichen Wert. Dem Konden­sator ist also keine Ladung entzogen worden.
b) Entlädt man einen auf die Spannung U geladenen Kondensator, zwi­schen dessen Platten vor der Aufladung ein Isolator geschoben wurde, über ein ballistisches Galvanometer, so ist die nachgewiesene Ladung größer als bei einer Entladung des auf gleiche Spannung geladenen Kondensators ohne Isolator. Durch das Dielektrikum wird also die Kapazität des Leiters vermehrt.
Als relative Dielektrizitätskonstante £,. eines Stoffes bezeichnet man das Verhältnis dieser (durch Einschieben des Stoffes) vermehrten Kapazität eines Kondensators (C) zu seiner Kapazität im Vakuum
(cmcy.

1.3.3 Verschiebungspolarisation
Da beim Versuch in Abschnitt 1.3.2a) die Ladung erhalten bleibt, gilt:
d. h. die Spannung und auch die Feldstärke im Kondensator werden durch das Dielektrikum auf i geschwächt. Da die Kondensatorladung durch das Dielektrikum aber nicht geändert wird, müssen auf den Oberflächen des Mediums, die an der Platte anliegen, polar entgegengesetzte Oberflä­chenladungen frei werden (vgl. Abb. 1.7).
Das Zustandekommen dieser freien Oberflächenladungen des Dielektri­kums im elektrischen Feld kann wie folgt gedeutet werden:
Die elektrischen Ladungen, aus denen die Atome aufgebaut sind (die Kerne und die Elektronen), sind nicht starr miteinander verbunden. Sie können durch ein elektrisches Feld, das an den positiven Kernen und den negativen
Abb. 1.7: Freie Oberflächenladung eines Dielektrikums im elektrischen Feld


 

Abb. 1.8: Die Polarisation der Atome
als Ursache der freien Obertlächenla- —
düng
Elektronen angreift, so verschoben werden, dass die Schwerpunkte der positiven und negativen Ladungen nicht mehr zusammenfallen, das Atom also den Charakter eines Dipols annimmt (vgl. Abb. 1.8).
Man bezeichnet die Ladungsverschiebung mit dem Begriff Polarisation. Denkt man sich die Atome im Innern des Dielektrikums wie in Abb. 1.8 zu Ketten geordnet, so müssen sich die Ladungen in den Ketten bei glei­cher Polarisierung (im homogenen elektrischen Feld) kompensieren. An den Enden der Kette, also an der Oberfläche des Dielektrikums, wird aber eine Oberflächenladung auftreten und zwar auf der Seite, die der Feldstär­kenrichtung abgewendet ist eine negative, auf der anderen eine positive. Die Größe dieser Aufladung muss von der Verschieblichkeit der Ladun­gen in den Atomen und deren Anzahl in der Volumeneinheit abhängig sein.
 
1.3.4 Orientierungspolarisation; Elektrete
Einige Substanzen zeigen neben der Verschiebungspolarisation, die aller Materie in elektrischen Feldern eigentümlich ist, eine so genannte Orientie­rungspolarisation. Sie tragen infolge ihres Aufbaus aus geladenen Atomen (so genannten Ionen) feste Dipole, haben infolgedessen schon im feldfreien Raum ein elektrisches Moment. Einige flüssige dielektrische Stoffe mit Orientierungspolarisierbarkeit (z. B. eine Mischung von Harz und Wachs) behalten nach Erstarren in hohen elektrischen Feldern ihre Polarisation auch nach Entfernen aus dem elektrischen Feld bei; sie haben also ein per­manentes elektrisches Moment. Sie tragen den Namen Elektret.

20  Hochspannungserzeugung

Elektrete können als Elektrophorkuchen (siehe Abschnitt 2) verwendet werden. Sie behalten ihre Ladung bis zu einem Jahr.

1.4 Kapazität
Zwischen der Spannung U [V], auf die man einen Kondensator auflädt, und der Ladung Q = I • t [Coulomb = Cb] besteht der Zusammenhang Q = CU.
Hierbei sagt die Proportionalitätskonstante C = ^ F-^ aus, wie viel Ladung man dem Kondensator zuführen muss, um ihn auf eine bestimmte Spannung aufzuladen. Sie ist folglich ein Maß für das Fassungsvermögen des Kondensators für elektrische Ladung und heißt deshalb Kapazität des Kondensators.
1.4.1 Plattenkondensator
Man nennt jede Anordnung zur Speicherung einer elektrischen Ladung, bei der zwei Metallplatten einander isoliert gegenüberstehen, einen Kon­densator. Das elektrische Feld eines Plattenkondensators zeigt Abb. 1.1. Die Kapazität eines Kondensators C errechnet sich nach der Formel:

Mit größer werdender Plattenfläche F [m2] nimmt die Kapazität zu, mit größerem Abstand s [m] der Platten nimmt sie ab.

Die praktische Ausführung eines Kondensators für sehr hohe Spannungen stellt die Leidener Flasche dar. Es ist eine zylindrische Glas- oder Kunst­stoffflasche, die innen und außen bis zu einer gewissen Höhe mit Metallfo­lie beklebt ist, siehe Abb. 1.9 (siehe auch unter Abschnitt 4.5).

Abb. 1.9: Leidener Flasche

Die Kapazität lässt sich nach der Formel für den Plattenkondensator berechnen. Die Fläche F des Kondensators ist:
 

Die Kapazität wird für folgende Abmessungen der Leidener Flasche berechnet:
H= 17,5 cm
D = 9,65 cm
s = 3,4 mm
£,. = 4,6 (Duranglas von Schott)

22 - 7 Hochspannungserzeugung

Wurde man die Flasche aus Acrylglas bauen, das ein er von ca. 3,0 besitzt, dann ergäbe sich bei sonst gleichen Abmessungen eine Kapazität von 471 pF.
1.4.2 Kugelkondensator
Die Kapazität eines Kugelkondensators (frei im Raum stehende Kugel) mit dem Radius R [m] beträgt:
 
Eine Kugel besitzt eine relativ kleine Kapazität. Eine Kugel mit 1 cm Radius hat z.B. eine Kapazität von 1,11 pF, eine solche mit 10cm Radius hat 11,1 pF.
Selbst eine Kugel von der Größe der Erde hätte erst eine Kapazität von 710 uF. Die Kapazität eines isoliert stehenden Menschen richtet sich natürlich nach seiner Größe, seinem Körperumfang und auch seinem Abstand zu Fußboden, Wänden und Decke. Ich habe bei mir im Selbst-Test entsprechend Abschnitt 4.5.4 eine Kapazität von ca. 70 pF ermittelt.

1.5 Influenz
Nach unserer Kenntnis vom Bau der Atome sind in allen positive Ladun­gen und negative Elektronen enthalten. Daher befindet sich in jedem Kör­per, auch wenn er nach außen unelektrisch erscheint, in seinem Innern eine große Menge elektrischer Ladungen. Wenn jedoch die Menge der positiven Ladungen ebenso groß wie die der negativen ist, heben sie sich in ihrer Wirkung auf und der Körper ist elektrisch „neutral".
Bringt man einen isolierten, ungeladenen Körper in ein elektrisches Feld (Abb. 1.10), so wird auf der Seite der eintretenden Kraftlinien negative Ladung gebunden.
Die dem Betrag nach gleiche positive Ladung befindet sich auf der abge­wandten Seite. Von ihr treten dann wieder Kraftlinien aus. An der Gesamtladung des Körpers ändert sich nichts, sie ist, wenn sie vorher Null war, auch im Feld Null. Auch bleibt die Feldstärke im Innern des Metallkörpers Null und sein Potenzial konstant. Die Beeinflussung der Ladungsverteilung auf der Oberfläche des Metallkörpers nennt man Influenz. Wenn man statt eines Körpers zwei vorher entladene (neutrale) Metallplatten in einem elektrischen Feld zur Berührung bringt (Abbil­dung 1.11), entstehen also durch Influenz auf der einen Platte negative, auf der anderen positive Ladungen.
Trennt man nun die Platten im Feld und führt jede einzelne aus dem Feld heraus, so bleibt die Ladung jeder Platte erhalten, und zwar ist die Menge der auf der einen Platte vorhandenen positiven Ladung gleich der negati­ven der zweiten Platte. Um die durch die Influenz geladenen Platten im Feld zu trennen und sie aus dem Feld herauszubewegen, muss eine Arbeit aufgewendet werden. Dieser Arbeit entspricht die potenzielle Energie der im feldfreien Raum sich befindenden aufgeladenen Platten.


Abb. 1.10: Influenzierte Ladungen auf einem ungeladenen Metallstück im elektrischen Feld und die durch sie bewirkten Änderungen des Felds


Abb. 1.11: Ladungstrennung durch Influenz

24 7 Hochspannungserzeugung
Zum Nachweis der beiden gleich großen entgegengesetzten Ladungen kann man mit der einen Platte ein Elektrometer aufladen und es durch Berühren mit der anderen Platte wieder entladen.

Abb. 1.12: Feldverteilung während des Herausziehens der beiden durch Influenz geladenen Platten - das ursprüngliche Kondensatorfeld bleibt bei dem ganzen Vor­gang unverändert
 

1.6 Energieerzeugung durch Ladungstrennung
Ein Plattenkondensator mit der Kapazität C enthält die elektrische Ladung Q und die Spannung U. Es gilt die Beziehung Q = C • U. Die Plat­ten des Kondensators stehen sich im Abstand d gegenüber. Werden nun die Platten dieses geladenen Kondensators auf den Abstand 2d auseinan­der gezogen, ist eine mechanische Energie (Arbeit) erforderlich: A = K ■ d, d. h., Energie = Kraft mal Weg. Die Anzahl der fehlenden bzw. über­schüssigen Elektronen auf den Platten, die ein Maß der Ladung sind, wer­den bei diesem Vorgang nicht verändert. Die Ladung Q bleibt also kon­stant. Die Kapazität des Kondensators jedoch ist nach dem Auseinander­ziehen der Platten nur noch halb so groß wie vorher. Es gilt jetzt die Bezie­hung:
Die Spannung hat sich also verdoppelt.
Betrachtet man den Energieinhalt des Kondensators vor und nach dem Auseinanderziehen der Platten, so gilt:
Die Energie ist also jetzt doppelt so groß wie vorher. Die mechanische Energie K • d wurde in elektrische Energie
Bei der Influenzmaschine sind die in Abb. 3.1 dargestellten, sich gegen­überliegenden Metallsegmente der beiden Scheiben als geladene Kon­densatoren zu betrachten, deren Kapazität beim Drehen verringert wird, wodurch sich die Spannung und somit ihr Energieinhalt erhöht. Auch beim Elektrophor (Abschnitt 2) wird durch das Hochheben der Metall­platte (Bratreine) die Kapazität der Anordnung verringert und dadurch die Spannung erhöht.
1.7 Sprühverluste in Luft, Spitzenentladung, Korona
Die Spannung, bis zu der man einen Kondensator aufladen kann, hängt nicht nur von der Durchschlagfestigkeit des Zwischenmittels ab, sondern wird auch durch die Sprühverluste begrenzt. In Luft von 1 atm tritt bei Feldstärken E > Emax = 3 kV/mm Ladungsausgleich auf. Auf der Ober­fläche der geladenen Kugel kann daher die Feldstärke den angegebenen Wert nie überschreiten.
Setzt man beide Ausdrücke einander gleich, so erhält man U = R- Emx.
Eine Kugel vom Radius 1 cm kann also in Luft von 1 atm höchstens auf die Spannung 30 kV aufgeladen werden. Hohe Spannungen setzen große Kondensatoren voraus. So muss z. B. ein Konduktor, den man auf 1 MV

26 4 Hochspannungserzeugung
aufladen will, einen Mindestdurchmesser von 60 cm besitzen (z. B. Kon-duktor eines Bandgenerators). Gibt man diesem Konduktor eine andere als die Kugelform, sodass er Stellen mit kleinerem Krümmungsradius (Kanten, Ecken oder Spitzen) besitzt, so kann man ihn nur auf kleinere Spannungen aufladen. Eine Konservendose z. B. hat an ihren Rändern Krümmungsradien von ca. 1/3 mm. Das hat zur Folge, dass man sie ganz unabhängig von ihrer Größe nur auf etwa 1.000 V aufladen kann. Jede weitere zugeführte Ladung wird an den Stellen stärkster Krümmung als Sprühentladung abgegeben. Würde man die Entladekugeln einer Influ­enzmaschine durch Spitzen ersetzen, so käme es zu keinem Spannungs­aufbau und auch zu keiner Funkenentladung. Die von den Scheiben gelie­ferte Energie würde sofort wieder als Korona-Entladung in den Raum ent­weichen.

Im verdunkelten Zimmer kann man die Spitzenentladung als bläuliches Leuchten wahrnehmen. Die gleiche Erscheinung kann man bei geeigneter Witterung an Hochspannungsleitungen (Korona-Entladung) und auf Berggipfeln oder an der Mastspitze eines Schiffs (St. Elmsfeuer) beob­achten.
Diese Leuchterscheinungen beruhen auf einer chemischen Wirkung beim Durchgang des Stroms durch die Luft. Neben den chemischen Erschei­nungen treten auch mechanische Wirkungen auf (siehe Abschnitt 10.4).

2 Der Elektrophor

2.1 Prinzipielle Wirkungsweise
Der Elektrophor kann als vereinfachte Vorstufe der Influenzmaschinen betrachtet werden. Er kann bei manchen elektrischen Fundamentalversu­chen die Influenzmaschine ersetzen. Johannes Wilcke entwickelte dieses Gerät 1762. Die Anordnung wurde später als „ewiger Elektrophor" bezeichnet, denn wenn das Dielektrikum einmal geladen war, konnte eine scheinbar endlose Menge an elektrischer Ladung nach spezieller Handha­bung erzeugt werden.
1775 gab Alessandro Volta der Anordnung seinen Namen und verbesserte die Handhabung.
Prinzipielle Wirkungsweise des Elektrophors:
Eine Scheibe aus Isoliermaterial (Teflon, PVC, Acrylglas) der Kuchen g (siehe Abb. 2.1) liegt auf einer metallenen Form nn. Der Kuchen wird durch Reiben mit einem Tuch (Kunstfaser) z. B. negativ elektrisch gemacht. Diese negative Elektrizität wirkt verteilend auf die beiden Elek­trizitäten der Unterlage; die negative (-) wird abgestoßen und entweicht in den Boden, die positive (+) wird nach der unteren Kuchenfläche hingezo­gen. Diese positive Elektrizität der Unterlage, die von der negativen der Kuchenoberfläche festgehalten wird, wirkt auf diese bindend zurück und hindert sie daran, auf einen leitenden Körper, den man mit ihr in Berüh­rung bringt, überzugehen. Setzt man den Deckel p, eine mit isolier-

Abb. 2.1:Elektrophor

2.2 Praktischer Aufbau eines einfachen Elektrcphors 29

Der Elektrophor kann als das elektrische Analog zu einem Permanent-Magneten betrachtet werden. Es gibt Kuchenmaterialien, die ihre Ladung bis zu einem Jahr behalten können.



Abb. 2.2: Elektrophor
 

30 2. Der Elektrophor
 

2.2 Praktischer Aufbau eines einfachen Elektrophors

Eine Bratreine wurde so ausgewählt, dass der Boden möglichst eben ist, d. h. ohne Wölbung oder Einbuchtung (mit einem Lineal prüfen!). Ein isolierter Griff zum Hochheben wurde aus Kunststoff winkeln angefertigt. Diese müssen natürlich mit Spiritus und dann mit einem trockenen Tuch gesäubert werden.
Der Außenrand der Reine wurde mehrfach mit Isolierband umwickelt, um Korona-Verluste an den scharfen Rändern zu vermeiden (siehe Abbil­dung 2.2).
Als Elektrophorkuchen diente eine 10 mm starke PVC-Platte. Angeblich soll die Dicke des Dielektrikums (Kuchen) etwa 5 % des Kuchendurch­messers betragen, um beste Ergebnisse zu erzielen. Die Fläche des Kuchens sollte etwas größer als die Grundfläche der Reine sein. Die bei­den aufeinander liegenden Flächen von Reine und PVC müssen absolut eben sein! Unter die PVC-Platte wird eine Aluminiumfolie geklebt, mittels derer die Anordnung geerdet werden kann. Es wurden aber auch ohne diese Erdung sehr gute Ergebnisse erzielt.
Ursprünglich wurden Pelze oder Wolle verwendet, um die Kuchenober­fläche durch Reiben zu erregen. Es genügt aber auch ein Seiden-Tuch, Satin-Tuch. Latex-Tuch oder Flanelltuch. Alle Materialien müssen warm, trocken und sauber sein. Man setzt jetzt die Reine auf den Kuchen auf, erdet sie kurz durch Berühren mit dem Finger und hebt sie dann hoch. Bringt man den Finger (oder eine Kugel) in die Nähe der Reine, erhält man einen nadelstichartigen kurzen elektrischen Schlag und hört ein lau­tes Knistern. Der etwa 4 cm lange Funkenüberschlag ist auch bei hellem Tageslicht sehr gut zu sehen (Abb. 2.3).
Bringt man eine Energiesparlampe in die Nähe des geladenen Elektro-phors, so leuchtet diese kurz auf.
Die Reine hat sich dabei auf über 50.000 Volt aufgeladen. Mann kann die­sen Vorgang so oft wiederholen, bis man müde ist, ohne den Kuchen wie­der aufladen zu müssen. Betrachtet man eine kreisrunde Elektrophoran-ordnung, so gilt grundsätzlich folgende Faustregel: Die erzielte Funken­länge entspricht in etwa 10 % des Kuchendurchmessers. Die besten Ergebnisse erzielt man in einem mäßig warmen, trockenen Raum.
Die kleinsten Kuchen, die gebaut wurden, hatten nur 3 cm Durchmesser

Abb. 2.3: 4-cm-Entladung aus dem Elektrophor (Videoaufnahme)

2.2 Praktischer Aufbau eines einfachen Elektrophors 31

(zum Aufladen eines Elektroskops). Einer der größten Elektrophore wurde 1777 von Prof. Lichtenberg gebaut. Dieses Monster hatte 2,5 m Durchmesser und der Deckel wurde mit einem Seil und einem Flaschen­zug hochgehoben. Der Funke soll 35 cm lang gewesen sein, dick und kräf­tig. Auf dem Harzkuchen des Elektrophors beobachtete er, dass feine Staubteilchen an den Einschlagstellen strahlenförmige Figuren bildeten (Lichtenberg-Figuren). Menschen, die vom Blitz getroffen wurden, zeig­ten oft Verbrennungen, die dieselbe Gestalt wie Lichtenberg-Figuren haben.
Tabelle 6.1 Abschnitt 6 enthält technische Daten von Kunststoffen, mit denen experimentiert werden kann. Allerdings sind die für einen Elektro-phorkuchen wichtigen Eigenschaften der Orientierungspolarisation nicht bekannt. Mit Teflon sollen angeblich hervorragende Ergebnisse erzielt werden.
Mit dem Elektrophor lassen sich bereits viele der Experimente von Abschn. 10 durchführen.
Die Abstoßungskräfte gleichartiger Ladungen kann man eindrucksvoll in Abb. 2.4 sehen.

Abb. 2.4: Das „Elektrophor-Männchen" zeigt sein Potenzial

3 Influenzmaschinen

3.1 Erklärung der prinzipiellen Wirkungsweise der Influenzmaschinen nach Töpler/Holtz
Zwei Scheiben aus Isoliermaterial sind auf derselben Welle so angeordnet, daß sie gegenläufig rotieren können.
Auf der Außenseite jeder Scheibe sind mehrere Segmente aus Metall aufgeklebt, auf denen die Ladungen influenziert werden (siehe Abb. 3.1).
Die Abnahme der Ladung geschieht durch zwei Saugkämme S.
Die Schleifkontakte K, bis K4 sind paarweise metallisch verbunden. Die Mittelpunkte der Verbindungsstäbe sind mit Massepotenzial verbunden.
Bei Inbetriebnahme der Maschine muß auf den Segmenten eine geringe Ladung vorhanden sein, die meist als Restladung von früher her übrig ist oder anderenfalls durch Reibung schnell entsteht.
In Abb. 3.1 sind solche im Beispiel positiven Restladungen. Nimmt man die Maschine in Betrieb, so werden auf jedem Metallstück, das ins Feld der Konduktorladungen kommt, die in gleicher Menge vorhan­denen positiven und negativen Ladungen durch Influenz getrennt, also auch auf den Segmenten b, die sich an a vorbeibewegen. Dadurch werden alle Segmente, die an dem Schleifkontakt K, vorbeistreichen, negativ und alle Segmente, die an K2 vorbeistreichen, positiv aufgeladen.
In Abb. 3.1 (unten) sind jetzt die drei mit c bezeichneten Segmente negativ geladen.
Sie influenzieren daher beim Vorbeigang der Segmente d auf diesen eine rund dreimal größere Ladung, als wenn nur ein Segment geladen wäre, weil in d das elektrische Feld der drei Konduktorladungen c zusammenwirkt.
Dadurch werden sämtliche an K3 vorbeistreichenden Segmente positiv und die an K4 vorbeigehenden Segmente negativ geladen. Kommen jetzt die Segmente d an die Stelle a, so wiederholt sich der ganze Vorgang mit verstärkter Anfangsladung. Im Endzustand sind, in
Drehrichtung gerechnet, alle Innensegmente zwischen K3 und K4 positiv und zwischen K4 und K3 negativ und alle Außensegmente zwischen K, und K2 negativ und zwischen K2 und K, positiv geladen, sodass man an
zwei gegenüberliegenden Stellen die Ladung von beiden Ringen mit Saugkämmen S abnehmen kann.
Diese Ladungsabnahme kann nicht durch Schleifbürsten wie bei K, bis K4 geschehen, weil sich dabei die Segmente vollständig entladen würden, sodass sich die Influenzmaschine nicht selbst erregen könnte. Die Wir­kungsweise der Saugkämme 5 wird durch folgenden Versuch erläutert:



Abb. 3.1 Prinzipielle Wirkungsweise der
Segmentkränze der Übersichtlichkeit hal­ber konzentrisch liegend gezeichnet.

Abb. 3.2: Wirkung der Saugkämme

Bringt man in ein elektrisches Feld einen mit einer Spitze versehenen ungeladenen Konduktor (Abb. 3.2), so werden die im Konduktor enthalte­nen Ladungen durch Influenz getrennt. Die an der Spitze influenzierten Ladungen treten infolge der hier großen Ladungsdichte in Luft über, sodass der Konduktor nach Herausnahme aus dem elektrischen Feld gela­den ist. Es hat den Anschein, als ob die Spitze einen Teil der ihr gegen­überstehenden Ladung aus dem elektrischen Feld aufgesogen hätte.
Auch dann, wenn die auf der Influenzmaschine getrennten Ladungen nicht durch die Saugkämme abgenommen werden, können sich die Seg­mente nur bis zu einer bestimmten Spannung aufladen, die durch die Durchschlagfeldstärke der Luft und durch die unvollkommene Isolation des Scheibenwerkstoffs bedingt ist.
3.2 Prinzipielle Wirkungsweise der sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst
Es gibt jede Menge Theorien, die versuchen, das genaue Funktionsprinzip dieser Maschine zu beschreiben. Viele sind nicht leicht zu verstehen oder sind in sich nicht schlüssig. Es ist anzunehmen, dass die sektorlose

3.1 Wirkungsweise sektorlose Influenzmaschine 35

Maschine genau so arbeitet, wie in Abschnitt 3.1 beschrieben.
Die Ladungen sitzen direkt auf der Scheibe und man stellt sich einfach eine unendliche Anzahl von sehr schmalen Sektoren vor.
Vergleichbar ist die Wimshurst-Maschine auch mit dem Van de Graaff-Bandgenerator. Hier sitzt die Ladung auf einem Endlosband aus Isolier­material.
Die negative Ladung wird z. B. nach oben, die positive nach unten transportiert, was der gegenläufigen Rotation der Scheiben ent­spricht (siehe Abb. 11.1).

4 Anleitung zum Selbstbau einer Influenzmaschine nach Töpler/ Holtz

4.1. Herstellung der Scheiben

Mit 90 cm Scheibendurchmesser ist das Maximum erreicht, bei dem sich gerade noch ein einigermaßen gleichmäßiger Parallellauf mit den kleinen Getriebemotoren erreichen lässt. Wenn man sich schon einmal zum Bau einer solchen Maschine entschließt und den zeitlichen Aufwand nicht scheut, muss das Ergebnis beeindruckend sein. Der zeitliche und finanzielle Aufwand für den Bau einer kleineren Maschine wäre ja fast genauso groß.
Im Kunststoffgroßhandel lässt man sich zwei PVC-Platten 900 x 900 x 3 mm zuschneiden. Man muss darauf achten, dass die Oberflächen möglichst glatt und ohne Kratzer sind. Weißes PVC-Material war im Betrieb genauso gut wie z. B. graues.
Als erstes wird der Mittelpunkt der Scheiben ausgemessen und angekörnt. Mit einem 50 cm langen Lineal wird jetzt der 45-cm-Radius Punkt für Punkt vom Mittelpunkt aus in eine Scheibe geritzt. Dieses erscheint etwas mühsam, aber einen Zirkel mit dieser Größe wird man kaum finden. Die Scheibe wird auf einen Tisch gelegt. Als Unterlage verwendet man ein Tuch, um die Scheibe nicht zu zerkratzen. Mit der Stichsäge, die von unten gegen die Platte gehalten wird, kann jetzt der Kreis ausgeschnitten werden. Die Metallführung der Stichsäge wurde mit glattem Tesa-Band überklebt, um beim Sägen die Scheibe nicht zu zerkratzen. Die so ausge­schnittene Scheibe kann jetzt auf die zweite Platte gelegt werden, um den Umfang einzuritzen. Diese kann in derselben Weise ausgeschnitten wer­den. Als nächstes wird die Einteilung für die 30 Metallsegmente gemacht. Aus einem Kartonpapier wird eine Schablone mit ca. 80 cm Durchmesser ausgeschnitten, der Mittelpunkt festgelegt und durchstoßen. Am Außenrand der Kartonscheibe werden 30 Bleistiftmarkierungen in gleichmäßi­gem Abstand d angebracht.
Bei genau 80 cm Durchmesser wäre d = ?5_5 = 8,37 cm. d ist die Länge des Kreisbogenstücks, kann aber in etwa auch für die Gerade genommen werden.
Die Einteilung wird für die halbe Scheibe gemacht, beginnend von oben für ein Viertel der Scheibe und von unten für das zweite Viertel. Die Kar­tonscheibe wird jetzt auf die PVC-Scheibe so gelegt, dass die Mittel­punkte genau zusammenpassen. An mehreren Stellen wird nun die Kar­tonscheibe mit Klebestreifen auf der PVC-Scheibe befestigt. Die 30 Mar­kierungen werden jetzt in die PVC-Scheibe geritzt. Die Kartonscheibe wird entfernt. Mit einem 50 cm langen Lineal wird jede der Markierungen von ca. 2,5 cm Entfernung vom Scheibenrand bis 18 cm Entfernung vom Scheibenrand gut sichtbar eingeritzt.
Der Mittelpunkt der PVC-Scheibe wird jetzt mit einem 6-mm-Durchmes-ser-Bohrer aufgebohrt. Zwei PVC-Vierecke 6 x 6 cm werden aus den PVC-Resten herausgeschnitten und in der Mitte mit 6 mm Durchmesser durchbohrt.
Ein Zahnrad mit 40 mm Durchmesser (Conrad Electronic) wird unter Zwischenlegen des 6-x-6-cm-PVC-Stücks mit einer 6-mm-Schraube und Mutter fest auf die PVC-Scheibe (Seite mit den 30 Markierungen!) geschraubt {Abb. 4.2).
Am Umfang des Zahnrads werden, wie in Abbildung 4.2 gezeigt, drei Löcher mit 3 mm Durchmesser gleichzeitig durch das Zahnrad, das 6x6-PVC-Stuck und die PVC-Scheibe gebohrt und 3-mm-Schrauben mit Gegenmutter eingeschraubt. Die Madenschrauben des Zahnrads werden durch normale Zylinderkopf- oder Senkkopfschrauben (M4 x 20) ersetzt. Nach dem Herausnehmen der 6-mm-Schraube in der Mitte werden die

Abb. 4.1: Einteilung in 30 Abschnitte
 

4.2 Mechanischer Aufbau, Befestigung der Getriebemotoren 39

Die Ecken werden in der gezeigten Weise abgerundet. Es empfiehlt sich, das dickere Alu-Band (2,5-m-Rolle) zu verwenden, da das Aufkleben der dünneren Folie (10-m-Rolle) etwas schwieriger ist.
Beim Aufkleben wird mit dem breiteren Teil des Segments begonnen. Die Schutzfolie wird nur etwas abgezogen, das Segment mittig auf die Mar­kierung gesetzt - 2,5 cm vom Scheibenrand entfernt - und dann unter Wegnehmen der Schutzfolie aufgeklebt und glattgestrichen.
Nach dem Aufkleben der Segmente sind die Scheiben jetzt einsatzfähig.
PVC ist ein billiges Material, das bei halbwegs trockener Luft gute Ergeb­nisse liefert. Vielleicht werden mit dem etwas teureren Acrylglas (PMMA) bei höherer Feuchtigkeit bessere Ergebnisse erzielt. Es besitzt auch eine etwas größere mechanische Festigkeit als PVC. Wegen des geringeren spezifischen Gewichts können 4 mm starke Platten verwendet werden.
Ein besonders gutes Material soll auch Epoxy-Glas sein, eine Art gewalz­tes Phenolharz mit hoher Dielektrizitätskonstante und geringer Feuchtig­keitsaufnahme.
4.2 Mechanischer Aufbau, Befestigung der Getriebemotoren
4.2.1 Grundplatte und Motorstützen
Der Aufbau der Maschine erfolgt auf einem plastifizierten Holzbrett mit den Abmessungen 980 x 560 x 20 mm (Abb. 4.4). An die vier Ecken wer­den Stahlfüße angeschraubt. Je länger diese sind, desto wackeliger wird natürlich die gesamte Anordnung. Empfehlenswert sind sehr kurze Beine von ca. 10 cm Länge, sodass die ganze Anordnung auf einen nicht zu hohen Experimentiertisch gestellt werden kann. Die Antriebsmotoren werden auf zwei PVC-Stützen mit den Abmessungen 440 x 70 x 20 mm montiert (Abb. 4.7 und 4.8). Es muss natürlich kein PVC sein, stabiles Holz ist genauso gut geeignet, da keine besonderen Anforderungen an die Isolationseigenschaften des Materials gestellt werden. Die Motoren und Querkonduktoren befinden sich auf OV = Masse - Potenzial.

40 4 Selbstbauanleitung einer Influenzmaschine

Abb. 4.4 Grundplatte mit PVC-Stützen

Abb. 4.5: Befestigung der PVC-(Holz-)Stützen

1-4.2 Mechanischer Aufbau, Befestigung der Getriebemotoren 41

Die beiden PVC-Stützen werden mit Metallwinkeln auf die Grundplatte geschraubt (Abb. 4.5). Entsprechende Winkel und passende Schrauben und Gegenmuttern dürfte jeder einigermaßen erfahrene Bastler leicht finden.
4.2.2 Befestigung der Antriebsmotoren
Es werden zwei 6 V-Getriebemotoren (Conrad Electronic) verwendet. Abb. 4.6 zeigt einen Getriebemotor.
Die Motoren werden mithilfe der zugehörigen Montagewinkel so auf den PVC-Stützen befestigt, dass sich die Achsen im Abstand von 23 mm gegenüberstehen (Abb. 4.6).

Abb. 4.6: 6 V-Getriebemotor



Abb. 4.7: Getriebemotoren, Seitenansicht

 

Abb. 4.8: Getriebemotor, Frontansicht

4.3 Ausgleichs- bzw. Querkonduktoren
Wegen der leichteren Herstellbarkeit und Handhabung wurden vier gleichartige Konduktorarme gebaut, die dann paarweise diagonal eingestellt wer­den müssen. Abb. 4.9 zeigt einen solchen Querkonduktorarm.
Es wurde ein 6-mm-Messingrohr verwendet. In das Ende des umgebogenen Teils wird ein 20 mm langes Messingröhrchen mit 4 mm Durchmes­ser gesteckt und, wie in Abb. 4.9 dargestellt, mit einer M3-Schraube und Gegenmutter befestigt. An dieses Röhrchen wird die Entlöt-Litze angelötet. Der Sinn des eingeschraubten Teils ist folgender:
1.   Nach längerem Gebrauch kann ein oxidierter oder beschädigter Pinsel leicht erneuert werden.
2.   Zum Experimentieren mit einer sektorlosen Maschine können auch breitere Einsätze mit mehreren Pinseln ausprobiert werden.
3.   Es können auch Einsätze mit anderen Materialien ausprobiert werden, wie z. B. Aluminiumfolienstreifen, Antistatic-Pinsel aus Laserdru­ckern oder Kopierern, Kohlefaserpinsel eines Sportpfeils usw.
Die vier Querkonduktorarme werden jetzt mit M3-Schrauben und Mut­tern an die Aluminiumwinkel geschraubt (Abb. 4.10 und 4.11).

4.3 Ausgleichs- bzw. Querkonduktoren 43



Abb. 4.9: Querkonduktorarm

 

Abb. 4.10: Querkonduktorbefestigung

44  4 Selbstbauanleitung einer Influenzmaschine

 

Abb. 4.11: Obere Querkonduktorarme

Um sie in die richtige Position zu bringen, müssen die Scheiben auf die Getriebemotorachsen montiert werden. Die PVC-Scheiben sollen einen gegenseitigen Abstand von ca. 10 mm haben. Ein kleinerer Abstand wäre zwar besser, setzt aber einen parallelen Lauf der Scheiben voraus. Die Querkonduktoren werden so zurechtgebogen, dass die Pinsel die Metall­segmente der Scheiben nur ganz leicht berühren, ohne sie zu zerkratzen.

4.4 Entladekonduktoren 45

4.4 Entladekonduktoren
4.4.1 Entladekonduktor-Glassäulen
Die Entladekonduktor-Stäbe werden an zwei Glassäulen mit den Abmes­sungen 490 x 30 x 10 mm befestigt. Die Säulen werden mit einer 5-mm-Bohrung, 20 mm vom oberen Ende entfernt, versehen. Unten müssen die Bohrungen für die Befestigungswinkel angebracht sein. Die Glaserei bohrt und entgratet die Löcher entsprechend den jeweiligen Maßangaben. Nach gründlicher Reinigung der Glassäulen mit Spiritus werden sie lackiert. Ich habe gute Ergebnisse mit einem farblosen Holzlack erzielt. Die mit stabilen Metallwinkeln versehenen, fertig gebohrten und lackier­ten Glassäulen werden dann im gegenseitigen Abstand von 690 mm an den vorderen Rand der Montagegrundplatte geschraubt (Abb. 4.12).
Dieser Abstand bezieht sich auf die größten Entladekugeln (Abschnitt 4.4.3). Bei kleineren Kugeln muss der Abstand verringert werden. PVC-Stäbe isolieren zwar ausgezeichnet, sind aber mechanisch nicht fest genug. Mit Acrylglasstäben kann man wahrscheinlich auch sehr gute Ergebnisse erzielen.

4.4.2 Entladekonduktor-Stäbe
Es wurden Aluminium-Rundstäbe (Vollmaterial) mit 8 mm Durchmesser verwendet. In die beiden Enden der 345 mm langen Stäbe wird ein M8-Gewinde etwa 20 mm lang eingeschnitten. 30 mm von einem Stabende wird eine 5-mm-Bohrung angebracht und entgratet. Auf dieses Stabende wir ein 20-mm-Durchmesser-Polyamid-Stab von 300 mm Länge geschraubt. Dieser muss zuvor mit einer M8-Gewindebohrung und am anderen Ende mit einer M4-Gewindebohrung für die Gegengewichtmon­tage versehen werden. Die Abb. 4.13 und 4.14 zeigen die Befestigung des Entladekonduktor-Stabs an der Glassäule.
Der Polyamid-Griff wurde möglichst nahe an die beiden Befestigungsku­geln herangeführt, um Korona-Verluste zu vermeiden. Er muss aus die­sem Grunde an beiden Seiten, zur Kugel hin und an der Glassäule, etwas abgefeilt werden. Ans Ende der Polyamid-Griffe wurde als Gegenge­wicht je eine Messingkugel montiert. Mit den 50-mm-Aluminium-Hohl­kugeln werden nun die Konduktorarme an den Glassäulen angeschraubt. Man darf nicht zu fest andrehen, um die Gewinde der Kugeln nicht zu beschädigen. Bei der abgebildeten Maschine (Abb. 5.3 und 6.2) sind die Polyamid-Griffe zu kurz.


Abb. 4.13: Entladekonduktor-Stab - Befestigung



 

Polyamid Griff 20 mm® > 300 mm

Abb. 4.14: Entladekonduktorstabefestigung                                                                       
4.4.3 Die Entladekugeln
Von der Größe und Qualität der Entladekugeln hängt in entscheidendem Maße die Schlagweite der Maschine ab. Insbesondere der positive Pol = Doppelkugel muss absolut hochglanzpoliert und sauber sein. Meine Suche nach geeigneten billigen Kugeln in Haushaltswarengeschäften ver­lief erfolglos. Es wurden daher industriell gefertigte und hochglanzpo­lierte Kugeln verwendet (siehe „Bezugsquellen", Seite 131).
Positiver Pol:
Untere Kugel = 100 mm Durchmesser mit einem Sacklochgewinde M8. Am gegenüberliegenden Ende wird ein M5-Gewinde eingebohrt.
Obere Kugel = 60 mm Durchmesser mit einem Sacklochgewinde M5. Die beiden Kugeln werden mit einem Gewindestab M5x20 zusammenge­schraubt und dann an den Konduktorstab geschraubt.
Beim negativen Pol können kleinere Abstriche in der Qualität gemacht werden. Je größer diese Kugel ist, desto größer wird die Schlagweite. In einem Baumarkt fand ich eine 180-mm-Durchmesser-Plastikhohlkugel. Eine über einer Flamme erhitzte M8-Mutter wurde in die Befestigungs­öffnung der Kugel gedrückt und dann festgeklebt. Die Kugel wurde mit
Aluminium-Klebefolie beklebt und alle Erhebungen und Falten so gut wie möglich glattgestrichen.
Wie in Abb. 5.3 gezeigt, wird der rechte (= P
Plus-)Pol im 45-Grad-Winkel eingestellt, um große Schlagweiten zu erzielen. Eine 300-mm-Durchmes-ser-Styroporkugel, mit Alufolie beklebt, als Minuspol ergab 50 cm Schlagweite (mit der sektorlosen Maschine)! Eine 120-mm-Kugel ergab dagegen nur max. 44 cm.

4.5 Herstellung der Leidener Flaschen
4.5.1 Auswahl geeigneter Gläser und Bekleben mit Metallfolie

Die Leidener Flasche wurde bereits 1745 von Ewald von Kleist erfunden. Man bezeichnete sie als „Apparat zur Ansammelung von Elektrizität". Sie besteht im Prinzip aus einem Glasgefäß, das innen und außen bis auf mehrere Zentimeter vom Rand mit Metallfolie beklebt ist (siehe auch Abschnitt 1.4). Zunächst begann ich mit Senfgläsem und Einmachgläsern herumzuexperimentieren. Mit größer werdenden Scheiben waren diese Gläser dann nicht mehr ausreichend. Die meisten wurden durchschlagen, oder die Isolationseigenschaften waren zu schlecht. Glasvasen aus Kauf­häusern waren oft sehr unregelmäßig geblasen oder enthielten Luftbla­sen. Einige Glassorten haben schlechte Isolationseigenschaften oder neh­men zu viel Feuchtigkeit aus der Luft auf.
Rein zufällig kam ich an einer Universitätsglasbläserei vorbei und fragte nach den Preisen. Ich war natürlich der Meinung, dass die Gläser hier sehr teuer sein müssten. Tatsächlich aber waren hier maßgeschneiderte Glas­zylinder nicht teurer als Kaufhausvasen. Sie waren überdies äußerst exakt nach Maßangaben gefertigt, hatten keine Lufteinschlüsse oder Unregel­mäßigkeiten in der Wandstärke. Hervorragende Isolationseigenschaften, hohe Durchbruchspannung und geringe Wasseraufnahme waren weitere Merkmale dieser Gläser.
Man könnte natürlich auch mit Acrylglasröhren experimentieren. Auf einer Seite muss dann ein Abschlussdeckel aufgeklebt werden. Wegen des geringeren er wäre bei sonst gleichen Abmessungen die erzielte Kapa­zität um ca. 35 % geringer als mit Duran-Glas. Die hier verwendeten Glä­ser haben folgende Abmessungen:
Zylinderhöhe: 400 mm Außendurchmesser: 100 mm Wandstärke: 3,4 mm
Die Gläser werden zunächst mit Spiritus innen und außen gesäubert und dann im Heißluftofen bei ca. 80 °C zwei Stunden lang getrocknet.

Zum Bekleben wurde dann Aluminium-Klebefolie verwendet (10-m-Rolle, Tesa). Will man kräftige, lautstarke Entladungen haben, die aber in etwas größeren Abständen kommen, so sollte man die Flaschen etwa maximal 175 mm hoch bekleben. Bei einer Höhe der Klebefolie von 110 mm ergibt sich eine kleinere Kapazität (ca. 470 pF), dünnere Funkenent­ladungen, die nicht ganz so lautstark sind, dafür aber häufiger kommen. Mit den 470-pF-Leidener-Flaschen werden auch etwas größere Schlag­weiten erzielt als mit den 720-pF-Flaschen.
Nachfolgend wird die Herstellung der großen 720-pF-Flaschen beschrie­ben.
Beim Bekleben geht man folgendermaßen vor: Man schneidet von der 5 cm breiten Klebefolie ein Stück mit einer Länge von ca. 220 mm herunter. Die Schutzfolie wird nur wenige Zentimeter abgezogen und die klebende Aluseite innen am Glaszylinder, 170 mm vom Boden entfernt, angeklebt. Unter langsamem Abziehen der Schutzfolie kann die Alufolie jetzt an die Glaszylinderinnenwand von oben nach unten angedrückt und glattgestri­chen werden. Die Folie endet etwa in der Mitte des Glaszylinderbodens. Die nächste Bahn wird wieder senkrecht von oben nach unten, ein paar Millimeter mit der vorhergehenden Bahn überlappend, eingeklebt usw. Die Außenseite des Glaszylinders wird ebenfalls von oben nach unten beklebt. Eine Alufolienbahn ist dann etwa 235 mm lang.
Da die einzelnen Alufolienbahnen aufgrund der Isolationseigenschaften des Klebstoffs nicht unbedingt leitend miteinander verbunden sind, emp­fiehlt es sich, mit einer Stecknadel die Überlappungsstellen mehrfach zu durchstoßen. Die dann niederohmig leitend verbundenen Bahnen lassen sich mit einem Ohmmeter nachmessen (R < 0,3 Ohm). Bei verschmutzten Flaschen oder solchen, bei denen die Alufolie zu weit hinaufgeklebt wurde, erfolgt eine vorzeitige Entladung außen entlang der Glasoberfläche,
 
4.5.2 Anschluss des Innenbelags
Als Mittenanschluss der Leidener Flaschen wird ein Messingstab mit 6 mm Durchmesser und 480 mm Länge verwendet (Vollmaterial). Am obe­ren Ende des Stabs wird ein Gewinde M6 geschnitten, 18 mm lang. Am unteren Ende werden zwei Aluminiumwinkel befestigt. Sie werden von einem Flachstab 20 mm x 2 mm abgeschnitten und im rechten Winkel gebogen. Die Winkel werden mit M3-Schrauben und Muttern an den Messingstab angeschraubt (Abb. 4.15). Die Ecken der Winkel werden mit der Feile abgerundet. Zwei PVC-Stützringe, 92 mm Durchmesser mit

Abb. 4.15: Leidener Flaschenanschluss

einer Mittenbohrung von 6 mm Durchmesser, halten den Abstand zur Glasinnenwand. Sie werden durch Umwickeln des Mittenstabs mit ein paar Windungen Isolierband in der vorgeschriebenen Höhe gehalten.
460 mm vom unteren Stabende entfernt wird ein Gewinde M4 gebohrt. Hier wird dann der Stab mit dem Saugkamm eingeschraubt.
Auf das obere Ende des Messingstabs wird eine Aluminium-Hohlkugel mit 80 mm Durchmesser geschraubt. Entsprechend Abschnitt 1.7 kann diese Kugel ohne Sprühverluste bis etwa 120 kV aufgeladen werden. Hier könnte auch eine mit Aluminiumfolie beklebte billige Holz- oder Plastik­kugel verwendet werden. Im Dunkeln sollte man an einer so geladenen Kugel beobachten, ob irgendwo an der Oberfläche Korona-Entladung auftritt.
Die Anordnung entsprechend Abb. 4.76 kann jetzt einfach in die Leidener Flasche hineingestellt werden.


 

Abb. 4.16: Leidener Flasche (720 pF) mitAbsaugkonduktor

4.5.3 Befestigung des Absaugkonduktors
Ein Messingstab mit 4 mm Durchmesser, 245 mm lang, wird an beiden Enden mit einem Gewinde M4, 8 mm lang, versehen. Eine in einem Haushaltswarengeschäft erhältliche Kugel (siehe Abb. 4.17) mit 25 mm Durchmesser wird in der Kugelmitte mit einer 2-mm-Bohrung verse­hen. In diese Bohrung steckt man ein Stück zusammengerollte Alumini­umfolie, etwa 20 mm lang. Die Kugel wird auf den Messingstab und dieser auf den Mittelstab der Leidener Flasche geschraubt (siehe Abb. 4.17).
Zur Verringerung von Korona-Verlusten werden alle Messingstäbe mit PVC-Schläuchen überzogen. Der optimale Abstand der Absaugkonduk-torspitze zur Scheibe muss experimentell ermittelt werden (Richtwert: 10-15 mm).
Noch einfachere Absaugkonduktoren wurden aus Teelichtbechern herge­stellt, siehe Abb. 4.18. Diese Anordnung lieferte bei der sektorlosen Maschine (Abschnitt 6) die besten Ergebnisse. Der Rand der Becher hatte einen Abstand von ca. 20-25 mm zu den Acrylglasscheiben.


Abb. 4.17: Absaugkonduktor

 

4.5.4 Messung der Kapazität

Man schließt die Leidener Flasche, wie in Abb. 4.19 dargestellt, an eine 220-V/50-Hz-Steckdose an und misst den Wechselstrom mit einem pas­senden Messgerät.

Abb. 4.19: Kapazitätsmessung

4.5.5 Positionierung der Leidener Flaschen
Die Leidener Flaschen werden nur hingestellt, nicht befestigt. So können sie jederzeit schnell vertauscht, ausgewechselt oder optimal positioniert
werden. In Abb. 4.20 sieht man im Vordergrund die rechte Leidener Flasche (Pluspol), deren Abschlusskugel einen Abstand von 1—2 mm zur Kugel der Acryl-Glassäule haben soll. (In Abb. 4.20 wurde eine PVC-Säule verwendet.)

4.6 Verkabelung, Erdung, Motorregelung, Batterieversorgung
Die beiden Getriebemotoren werden parallel geschaltet. Der Minuspol jedes Motors wird leitend mit dem jeweiligen Aluminiumwinkel verbun­den, an dem die Querkonduktoren angeschraubt sind. Die Spannungsver­sorgung erfolgt über Koaxialkabel: Innenleiter = Pluspol/Außenleiter = Minuspol. Die Koaxialkabel verlaufen an den PVC-Holmen entlang nach unten. Die weitere Verkabelung erfolgt unter der Montageplatte (Abb. 4.21).


Abb. 4.20: Rechte (= positiv geladene) Leidener Flasche


 

Abb. 4.21: Motorverkabelung

Zur Drehzahlregelung dient ein Draht-Drehwiderstand auf Keramikkör­per 40 W linear, 4,8 Ohm. Das Ein- und Ausschalten erfolgt mithilfe eines Kippschalters, der für eine Schaltleistung von ca. 4 A bei 12 V ausgelegt sein soll. Schalter und Drehwiderstand werden auf einer Epoxydplatte 160 x 70 mm befestigt. Diese wird seitlich an der Grundplatte ange­schraubt. An zwei Steckbuchsen kann dann eine 12-V-Autobatterie ange­schlossen werden.
Abb. 4.22 zeigt die Schaltung des gesamten Antriebssystems.
Besonders wichtig ist eine eindeutige Erdung des gesamten Systems, um ungewollte elektrostatische Aufladungen zu vermeiden. Die beiden Leide­ner Flaschen stehen auf einer etwa 5 cm breiten Aluminiumfolie, sodass ihre Außenbeläge leitend verbunden sind. Diese Verbindungsfolie ist mit einem Aluminiumstreifen verbunden, der, wie in Abb. 4.23 dargestellt, auch die beiden Außenleiter-Koaxialkabel verbindet und an welchem dann über ein Verbindungskabel (Krokodilklemmen) die gesamte Anord­nung an der Dampfheizung oder Wasserleitung geerdet wird.

Abb. 4.22: Schaltung des Antriebssystems

Abb. 4.23: Gesamtsystem-Erdung (von oben)

Eine Erhöhung der Funktionszuverlässigkeit wurde bei der sektorlosen Maschine (Abschn. 6) durch eine noch besser geerdete Montageplatte erzielt! Man klebt weitere miteinander leitend verbundene Aluminiumfo-lien-Streifen auf die Montageplatte, an den Leidener Flaschen beginnend, sowohl außen herum, als auch von links nach rechts unter den Kunststoff­scheiben hindurch.

5 Inbetriebnahme der selbst gebauten Influenzmaschine (Töpler/Holtz)

5.1 Normaler Betrieb
Bevor die Maschine sich selbst erregt, sollte man einen der vier Querkon-duktorarme entfernen und dann einschalten. Die vordere Scheibe auf der Seite der Entladekugeln und der Leidener Flaschen muss sich im Uhrzeigersinn, also nach rechts, drehen. Der Abstand der Scheiben wird jetzt durch kleinere Korrekturmaßnahmen an der Motorbefestigung oder an den Motorstützen auf etwa 10 mm eingestellt. Es sollte sich ein halbwegs paralleler Lauf der gegenläufig rotierenden Scheiben ergeben, ohne dass sich diese berühren. Die Ausgleichskonduktorpinsel berühren die Scheiben nur ganz wenig und können ein leichtes Eiern der Scheiben ausglei­chen. Nachdem der zuvor entfernte Querkonduktorarm wieder montiert ist und die Maschine in Betrieb genommen wird, geht die Drehzahl sofort durch die Erregung und die dadurch entstehenden elektrostatischen Kräfte zwischen den Scheiben zurück. Ein im Raum befindlicher kleiner transportabler Kurzwellenempfänger würde ein deutliches lautes Prasseln hören lassen. Man wird die Schlagweite am Anfang vielleicht kleiner einstellen, z. B. auf 30 cm, und dann allmählich vergrößern. Man berührt dabei den Isoliergriff einer der beiden Konduktoren unmittelbar nach einer Entladung. Wenig empfehlenswert ist es, beide Griffe gleichzeitig und kurz vor einer bevorstehenden Entladung anzufassen.
Der Abstand der Scheiben wird sich nach Erregung aufgrund elektrostatischer Anziehungskräfte an bestimmten Stellen unterschiedlich verringern.
Zur Erzielung möglichst hoher Spannungen und großer Funkenlängen werden die Querkonduktorarme steil, wie in Abb. 5.1 gezeigt, eingestellt.
Stellt man sie allerdings zu steil ein, dann reicht der erzeugte Strom nicht mehr aus, um die Isolations- und Korona-Verluste zu decken.
Es hat sich beim Experimentieren ergeben, dass die auf der positiv geladenen Flasche (= rechte Seite) sitzende Kugel einen Abstand von 1-2 mm zur Kugel auf der Glassäule haben soll, um möglichst große Schlagweiten zu erzielen. Der optimale Abstand der Absaugkonduktoren von den Scheiben muss durch Experimentieren ermittelt werden.
Um möglichst große Ströme und kleinere Spannungen zu erzeugen, werden die Querkonduktorarme flach, wie in Abb. 5.2 gezeigt, eingestellt.
Diese Einstellung wählt man zweckmäßigerweise zur Durchführung von

 

Abb. 5.1: Querkonduktor-Einstellung: hohe Spannung    Abb. 5.2: Querkonduktor-Einstellung: hoher Strom
 

Experimenten (Abschnitt 10). Bei „normalem" Betrieb wird sich auf der rechten Seite (Doppelkugel) der Pluspol und links der Minuspol einstellen.
Um sicherzustellen, dass nicht irgendwelche scharfen Kanten, Spitzen oder Verunreinigungen die Leistung beeinträchtigen, sollte man mit einer Taschenlampe in der Hand die laufende Maschine im Dunkeln beobachten. Zunächst aber muss sich vor Inbetriebnahme das Auge ein paar Minuten an die Dunkelheit gewöhnen.
Hat man dann im Betrieb Lichtpunkte oder Büschel-Entladungen entdeckt, z. B. an den Kugeln oder Stäben, kann man diese durch Einschalten der Taschenlampe sofort lokalisieren. Oft sind es Stoffreste, Haare, Staubteilchen usw., es können aber auch Metallriefen oder Kratzer sein, die dann beseitigt werden müssen.
Die Korona-Entladungen an den Metallsegmenten der Scheiben lassen sich natürlich nicht verhindern.
Die Maschine erregt sich bei Inbetriebnahme unter Umständen nicht, wenn die Ausgleichskonduktorpinsel keinen guten Kontakt zu den Aluminiumsegmenten oder auch untereinander haben. Die Niederohmigkeit lässt sich aber mit einem Messgerät überprüfen.

  
Abb. 5.3: 40-cm-Entladung - Influenzmaschine nach Töpler/Holtz mit Metallsegmenten
 

Es wurden hier noch etwas kleinere Kugeln verwendet: Pluspol 50/80 mm Durchmesser Minuspol 120 mm Durchmesser Abstand der Glassäulen 620 mm Scheibendurchmesser 90 cm
Umgebungsbedingungen: Meine Experimente führte ich in einem Keller­raum durch, der in den Sommermonaten relativ feucht wurde. Wenn die relative Feuchtigkeit größer als 70 % ist, beginnt die Leistung der Maschine nachzulassen. Bei 80 % r. F. ist eine Funktion kaum mehr mög­lich, u. U. erregt sich die Maschine nicht mehr selbst. Der optimale Tem­peraturbereich ist 15-20 °C. Wenn man an einem warmen und feuchten Sommertag trotzdem einmal die Maschine betreiben möchte, sollte man vorher die Leidener Flaschen in einem Heißluftofen (ca. 80 °C) trocknen und die Scheiben mit einem trockenen Tuch putzen. Vielleicht muss auch dann eine externe Erregung mit einer Hochspannungsquelle erfolgen. Die externe Erregung kann durchgeführt werden wie in Abschnitt 6 bei der sektorlosen Maschine beschrieben. Zusätzlich kann man auch die Leide­ner Flaschen vorher aufladen.
 
5.2 Polwechsel
Nach einer gewissen Betriebszeit passiert es immer häufiger, dass sich die Maschine beim allerersten Einschalten falsch herum auflädt. Der Pluspol ist jetzt links (große Kugel), der Minuspol rechts (Doppelkugel). Es findet keine Entladung statt. Berührt man die Doppelkugel mit dem Entladestab (Abschn. 9), so hört man das kräftige Rauschen und Zischen einer Korona-Entladung. Was genau passiert und warum, lässt sich nicht einfach erklären. Eine gewisse Rolle bei diesem Vorgang spielen sicherlich die Verschmutzung der Scheiben und die Feuchtigkeit im Raum. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, um mit dieser Situation fertig zu werden:
1. Die voll aufgeladenen Leidener Flaschen werden bei ausgeschalteter Maschine gegenseitig vertauscht. Eine gewisse Vorsicht ist geboten, um nicht mit dem Innenleiter in Berührung zu kommen! Dies ist zwar nicht übermäßig gefährlich, jedoch ziemlich unangenehm und es könnte passieren, dass man die Flasche auslässt. Schaltet man jetzt die Maschine wieder ein, dann polt sie sich wieder um, falls die Scheiben noch nicht allzu sehr verschmutzt sind.
Funktioniert diese Methode nicht, so gibt es noch weitere Möglichkeiten:
2.   Die Flaschen werden mit dem Entladestab (Abschn. 9) entladen. Die Entladekugeln werden abgeschraubt und gegenseitig vertauscht.
Die
Entladekonduktorstäbe werden nach rechts gedreht, wie in Abb. 5.4 gezeigt.
Der Pluspol ist jetzt wieder die Doppelkugel, der Minuspol
die größere Kugel.
3.   Wer eine externe Hochspannungsquelle, ca. 20-30 kV Gleichspannung, besitzt, kann folgendermaßen vorgehen:

Die Leidener Flaschen werden entladen und weggestellt. Die Scheiben müssen vollständig entladen werden. Dazu wird eine ca. 1 in2 große Metallplatte oder eine mit Alufolie beklebte Kunststoffplatte kurz zwischen die Scheiben gehalten und die Maschinen ca. 10-20 Sekunden lang eingeschaltet. Jetzt werden die Leidener Flaschen mit der externen Hochspannungsquelle aufgeladen und wieder auf die Maschine gestellt (positiv geladene Flasche rechts).
Jetzt sollte die Maschine nach dem Einschalten wieder in der gewünschten Weise funktionieren.

Abb. 5.4: Einstellung der Entladekondukto-ren nach Polwechsel
 

6 Anleitung zum Selbstbau einer sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst

Den Aufbau einer sektorlosen Maschine hatte ich ursprünglich nicht geplant. Anstelle von PVC-Scheiben wollte ich Acrylglas ausprobieren und eigentlich auch wieder mit Aluminium-Segmenten bekleben.
Die Scheiben mit 90 cm Durchmesser können aus 4 mm starkem Material gemacht werden und sind dann fast genauso schwer wie 3-mm-Scheiben aus PVC. Das Material ist außerdem etwas steifer und härter. Beim Kauf sind die Platten mit einer Schutzfolie überklebt, die man erst entfernt, wenn die Scheiben aus den 900-x-900-mm-Platten mit der Stichsäge, wie in Abschnitt 4.1 beschrieben, ausgeschnitten und die Zahnräder angeschraubt sind. Da das Material relativ spröde ist, muss beim Ausschneiden mit der Stichsäge darauf geachtet werden, dass die fast abgeschnittenen frei hängenden Acrylteile nicht abbrechen und die Scheibe beschädigen. Nach dem Abziehen der Schutzfolie verbleiben auf den Scheiben Klebstoffreste, die am besten mit Petroleum heruntergerieben werden. Das Petroleum muss mit einem trockenen und sauberen weichen Tuch entfernt werden. Beim Reiben merkt man, wie die Elektrizität knistert, insbesondere wenn man die Scheiben kurz von ihrer Unterlage hochhebt. Wenn man jetzt die Scheiben auf den Motorachsen montiert und in geringem Abstand (wenige Millimeter) gegeneinander rotieren lässt, passiert im Allgemeinen gar nichts. Die Maschine erregt sich nicht von selbst. Ich war außerdem der Ansicht, dass die Querkonduktorpinsel und die Absaugkonduktoren (Abschnitt 4.5.3) viel zu schmal sind für eine gute Funktion. Sie müssen ja eigentlich so breit sein wie die Metallsegmente der Töpler/Holtz-Maschine, also hier etwa 150 mm. In Abb. 12.7 sieht man sehr gut die erforderlichen Abmessungen im Verhältnis zum Scheibendurchmesser.
Um nun die Maschine zu erregen, hielt ich einen mit einem trockenen Tuch geriebenen PVC-Stab 300 x 40 x 2 mm hinter die beiden Scheiben in Höhe des vorderen linken Querkonduktorpinsels.

Abb. 6.1 zeigt die genaue Position.

Der Abstand des geriebenen PVC-Stabs zur Acrylscheibe beträgt ca. 10 mm. Sofort geht die Drehzahl der Motoren deutlich zurück, die Maschine erregt sich.
Vielleicht muss man sogar am Potenziometer die Drehzahl etwas erhöhen. Die Maschine liefert 44-48 cm lange Funken (Abb. 6.2).
Mit sektorlosen Maschinen werden Schlagweiten von 75 % des Scheiben­durchmessers erzielt (R. A. Ford). Da die hier beschriebene Maschine nicht als fertig ausgereifte Konstruktion zu betrachten ist, kann der experimentierfreudige Bastler und Entwickler sicherlich noch eine Menge herausholen. Besonders die Querkonduktorpinsel und die Absaugkon-duktoren können noch verbessert werden.
Eine externe Erregung der Maschine war übrigens auch mit dem geladenen Elektrophor (Abschnitt 2) oder auch mit einer externen Hochspannungsquelle von ca. 25-30 kV (Gleichspannung) möglich. Der Elektrophor bzw. der Pluspol der Hochspannungsquelle wird dabei hinter die beiden Scheiben in Höhe des rechten unteren Querkonduktorpinsels gehalten. Nur wenn die externe Erregung an den beschriebenen Stellen erfolgt, die Entladekugeln und Querkonduktoren in der dargestellten Weise eingestellt werden und die vordere Scheibe sich nach rechts dreht, wird die volle Leis­tung der Maschine erreicht. Die Absaugkonduktoren aus Tee lichtbechern hatten einen Abstand von ca. 20-25 mm von der Scheibe (ausprobieren!).
Natürlich wollte ich auch PVC-Scheiben ausprobieren. Von früheren Experimenten hatte ich noch zwei Scheiben (90 cm Durchmesser, 3 mm stark) aus grauem PVC, die am Ende nach längerem Gebrauch nicht mehr so gut funktionieren wollten. Ich entfernte die Metallsegmente und mon­tierte die Zahnräder auf die jeweiligen Rückseiten der Scheiben. Diese waren ja durch den Betrieb nicht oxidiert bzw. verschmutzt worden. Trotzdem reinigte ich sie mit Petroleum. Auch mit dieser Anordnung erzielte ich wieder 46 cm lange Entladungen.
Man kann sagen, dass Scheiben, die nach längerem Gebrauch oxidiert sind und in ihrer Leistung nachlassen, einfach umgedreht werden können. Die Rückseiten funktionieren dann wieder ausgezeichnet.
Für die experimentierfreudigen Bastler sind in Tabelle 6.1 die technischen Daten verschiedener Kunststoffe angegeben, mit denen vielleicht gleich gute oder bessere Ergebnisse erzielt werden können.
Früher wurden Hartgummischeiben verwendet, die ausgezeichnete Ergebnisse liefern, aber heute praktisch nicht mehr erhältlich sind.
Gewöhnliches Glas ist stark hygroskopisch, kann aber nach gründlicher Reinigung und Trocknung mit einem geeigneten Lack überzogen werden.

Abb. 6.3: Seitenansicht der sektorlosen Wimshurst-Maschine (Scheibendurch­messer 90 cm)      Abb. 6.2:47 cm Entladung

   

Vor ca. 100 Jahren wurden Wimshurst-Maschinen aus lackierten Glas­scheiben gefertigt. Die besten Ergebnisse werden heute mit Acrylglas und Teflon erzielt.
Bei trockener Luft kann sehr gut mit PVC gearbeitet werden.

Abb. 6.4: PVC-Scheiben 46 cm-Entladung

Polwechsel:
Bei der sektorlosen Wimshurst-Maschine tritt ein Polwechsel nur selten auf, insbesondere dann, wenn die Scheiben zu nah aneinander laufen und sich berühren. Durch das Umstellen der geladenen Leidener Flaschen, wie in Abschnitt 5.2 beschrieben, lässt sich die sektorlose Maschine nicht umpolen. Man muss die Leidener Flaschen und die Scheiben vollständig entladen. Man nimmt zu diesem Zweck eine etwa 1 m2 große Metallplatte oder eine mit Aluminiumfolie beklebte dünne Plastikplatte und hält sie zwischen die Scheiben. Nach ein paar Umdrehungen verlieren die Schei­ben ihre Ladung. Jetzt kann man sie in der vorher beschriebbnen Weise mit dem PVC-Stab wieder aufladen.
Feuchtigkeit:
Sektorlose Maschinen sind feuchtigkeitsempfindlicher als solche mit Sekto­ren. Es kann sein, dass schon bei ca. 75 % relativer Luftfeuchtigkeit keine Funktion mehr möglich ist. Bei 70 % r. F. wurde nach anfänglichem Pol­wechsel schließlich doch noch eine Schlagweite von 37 cm erzielt. Beson­ders geeignet wäre dann natürlich ein Raum mit Air Conditioning. Man kann aber auch vor Inbetriebnahme die Maschine einige Zeit dem Sonnenlicht aussetzen oder mit einem Heißluftföhn anblasen. Man darf aber nicht zu stark erhitzen, um keine Plastikteile zu verformen. Am besten bläst man mit dem Föhn von oben auf die Scheiben, während sich diese langsam drehen.
 
Maschine mit Metallsektoren
Maschine ohne Metallsektoren
(Töpler/Holtz)
(Wimshurst)
• erregt sich von selbst
• muss mit geriebenem PVC-Stab geladen werden
• arbeitet noch bei höherer Feuchtigkeit (< 70-80 % r. F.)
• feuchtigkeitsempfindlich (< 60-70 % r. F.)
• Scheibenherstellung aufwendiger
• Scheibenherstellung einfacher
• Scheiben lassen sich schwerer reinigen
• Scheiben können leicht gereinigt werden
• etwas geringere Schlagweite
• größere Schlagweite (50-75 % des Scheibendurchmessers)
< 50 % des Scheibendurchmessers
• keine Berührung der Scheiben
• Metallsektoren müssen immer guten Kontakt haben zu den Querkonduktorpinseln
durch die Querkonduktorpinsel erforderlich
(Scheiben werden nicht zerkratzt)

7 Spannung und Leistung der Influenzmaschinen

7.1 Spannungsmessung mittels Funkenlänge
Eine einfache Möglichkeit, wenigstens ungefähr die Spannung zu mes­sen, ist die Bestimmung der so genannten Schlagweite, d. h. der maxima­len Funkenlänge. Dazu bewegt man zwei Elektroden, zwischen denen die zu messende Spannung anliegt, aufeinander zu, bis gerade ein Funke überschlägt. Der Abstand zwischen den Elektroden ist dann die Schlag­weite. Natürlich hängt die Schlagweite außer von der Spannung auch von der Elektrodenform, dem umgebenden Gas (Druck, Temperatur, Zusam­mensetzung) und in geringerem Maße auch von der Oberflächenbeschaf­fenheit ab.
Tabelle 7.1 gibt den Zusammenhang Schlagweite - Spannung für kugel­förmige Elektroden in Luft bei Normaldruck und 25 °C an. Die Angaben gelten für Gleichspannung.
Spannung V und Schlagweite d sind demnach ungefähr proportional, solange der Abstand der Kugeln deutlich kleiner als ihr Durchmesser ist:
U [kV] = 30 ■ d [cm]
Für homogene Felder, d. h. zwischen ausgedehnten Elektroden mit gerin­gem Abstand, gilt dieser Zusammenhang exakt. Der Wert 30 kV/cm ist die so genannte Durchbruchfeldstärke von Luft.
Zwischen den Elektroden der Influenzmaschine bilden sich nun aufgrund von Influenzeffekten sehr hohe Spannungen aus. Es erfolgt eine Konzen­tration der Ladung und der Feldlinien besonders an der oberen Kugel des positiven Pols. Nur zwischen den Punkten, wo auch dann der Überschlag erfolgt, herrscht also kurz eine Spannung von mehr als 500.000 Volt. Legt man eine Durchbruchspannung der Luft von 30 kV/cm zugrunde, so müsste sich kurz vor einer 46 cm langen Entladung eine Spannung von 1,38 Millionen Volt aufgebaut haben. Diese Spannung kann man natür­lich nicht messen oder für Versuche abgreifen. An den Leidener Flaschen selbst ergeben sich maximal jeweils „nur" 160.000 V, obwohl diese absolut niederohmig leitend mit den Kugeln verbunden sind. Das ohmsche Gesetz hat aufgrund von Influenzeffekten scheinbar keine Bedeutung mehr. Mithilfe der Tabelle 7.1 kann sich der interessierte Bastler in eige­nen Versuchen durch Anschließen unterschiedlich großer Kugeln selbst ein Bild von der Größenordnung der erzeugten Spannung machen.

Tabelle 7.1: Schlagweite zwischen Kugelelektroden (Angaben in cm)

 
UinkV
1,0
Kugel 2,5
durchmesser 5
in cm 10
25
 
5
0,1
0,13
0,15
0,15
0,16
 
10
0,26
0,27
0.29
0,30
0,32
 
15
0,44
0,42
0,44
0,46
0,48
 
20
0,60
0,58
0,60
0,62
0,64
 
25
0,83
0,76
0,77
0,78
0,81
 
30
1,00
0,95
0,94
0,95
0,98
 
35
1,40
1,17
1,12
1.12
1,15
 
40
1,80
1,41
1.30
1,29
1,32
 
45
2,26
1,68
1,50
1,47
1,49
 
50
2,84
2,00
1,71
1,65
1,66
 
60
3,8
2,82
2.17
2,02
2,01
 
70
6,0
4,05
2,68
2,42
2,37
 
80
 
 
3,26
2,84
2,74
 
90
 
 
3,94
3,28
3,11
 
100
 
 
4,77
3,75
3,49
 
110
 
 
5,79
4,25
3,88
 
120
 
 
7,07
4,78
4,28
 
130
 
 
 
5,35
4,69
 
140
 
 
 
5,97
5,10
 
ISO
 
 
 
6,64
5,52
 
160
 
 
 
7,37
5,95
 
170
 
 
 
8,16
6.39
 
180
 
 
 
9,03
6,84
 
190
 
 
 
10,0
7,30
 
200
 
 
 
11,1
7,76
 
210
 
 
 
12,3
8,24
 
220
 
 
 
13,7
8.73
 
230
 
 
 
15,3
9,24
 
240
 
 
 
 
9,76
 
250
 
 
 
 
10,3
 
300
 
 
 
 
13.3

 

UinkV
 
Durchmesser in cm
 
140
51,5
 
 
160
59,5
 
 
200
76,0
75.0
75,0
240
92,0
91.0
 
250
 
 
95,5
260
100
99,5
 
300
118
116
115
340
137
132
 
350
 
 
135
360
147
141
 
400
168
159
155
440
192
179
 
450
 
 
177
460
206
189
 
500
236
209
199
540
268
231
 
550
 
 
222
560
285
242
 
600
330
267
247
640
 
293
 
650
 
 
273
660
 
305
 
700
 
334
300
740
 
368
 
750
 
 
328
760
 
385
 
800
 
422
360
840
 
465
 
850
 
 
393
860
 
490
 
900
 
537
430

7.2 Abgegebener Strom
Wie bereits in Abschnitt 1.7 beschrieben, werden die Moleküle der Gase, aus denen die Luft besteht, bei 1 atm Druck und Normaltemperatur ioni­siert, wenn ein elektrisches Feld von ca. 30 kV/cm vorhanden ist. Dieses stellt die grundsätzliche Begrenzung für alle elektrostatischen Phäno­mene dar und beeinflusst insbesondere das Verhalten elektrostatischer Generatoren, die unter normalen Bedingungen betrieben werden.
Für elektrostatische Generatoren gibt es eine Obergrenze für die Ladungsdichte, die beim Ladungstransport auf einer Oberfläche auftreten kann. Die elektrischen Feldlinien stehen immer senkrecht auf der Ober­fläche und es gibt die Beziehung D = e0 ■ E (siehe Abschnitt 1.7).
Die maximale Ladungsdichte an der Scheibenoberfläche beträgt:
 
Der maximale Ausgangsstrom jeder Maschine kann berechnen werden zu:
imca = Dmax ■ F, wobei F die geladene Oberfläche darstellt, die an den Absaugkollektoren während einer Sekunde vorbeizieht. Für eine ideale rotierende sektorlose Scheibe, welche die Ladung auf einer Seite trans­portiert und wo das elektrische Feld senkrecht von der Oberfläche weg­zeigt, gilt für den maximalen Strom:

Es wird hier vorausgesetzt, dass der Kollektor die gesamte Ladung von der Oberfläche abzieht. Die aktive Fläche der Scheiben befindet sich in einem Ring zwischen dem maximalen Radius rlmx [m] und dem minima­len Radius rm„, [m]; n ist die Rotationsgeschwindigkeit der Maschine in Umdrehungen pro Sekunde. Bei gegenläufig rotierenden Scheiben und einseitiger Stromabnahme muss so gerechnet werden, als ob eine Scheibe steht und die andere sich doppelt so schnell dreht. Im vorliegenden Fall wurde r^^ zu 0,43 m und rmin zu 0,35 m angenommen. Daraus errechnet sich bei einer Umdrehung/Sekunde (jeder Scheibe) ein maximal abgegebener Strom:

Dieser Strom wurde bei der sektorlosen Maschine tatsächlich zwischen Absaugkonduktor und Masse gemessen. Bei Drehzahlverdoppelung erhöht sich auch der abgegebene Strom auf den doppelten Wert. Ein Dreh­spul- uA-Meter eignet sich besser als ein digitales Messgerät, da Letzteres durch die hohen Spannungen sehr schnell zerstört werden könnte. Die Maschine arbeitet kurz nach Inbetriebnahme praktisch als Konstant-Stromquelle. Der Ausgangsstrom nimmt erst dann signifikant ab, wenn die Ausgangsspannung so hoch ist, dass hauptsächlich interne Korona-Verluste und Funkenbildung an der Maschine stattfinden. Diese sichtba­ren Funken und Korona-Entladungen auf der Ladungstransportoberflä­che verhindern einen weiteren Ladungsaufbau. Das Problem kann gelöst werden, indem ein Isolationsmaterial um die Ladungstransportoberfläche herum eine höhere Feldstärke ohne Ionisation ermöglicht. Dieses geschieht am besten, indem man die gesamte Maschine in einem Druck­gasbehälter betreibt oder in ein spezielles flüssiges Dielektrikum gibt. Die letzte französische Entwicklung erschien etwa um 1950. Der Erfinder, Noel Felici. konzentrierte sich ganz auf zylinderförmige Rotoren, die er in komprimiertem reinem Wasserstoff von 15-20 atü betrieb. Er erreichte einen bemerkenswerten Wirkungsgrad von 90 % bei einer Ausgangsleis­tung von 20-3.000 Watt.
7.3 Leistungsbetrachtung
Bei der sektorlosen Maschine (Abschnitt 6) wurde im Leerlauf - ohne Erregung - eine Leistungsaufnahme der beiden Motoren von zusammen 7,3 Watt gemessen: 4,4 V Motorspannung bei 1,65 A Betriebsstrom.
Unter Belastung ergaben sich im Mittel 12,6 Watt, d. h. 3,5 V bei 3,6 A Betriebsstrom. Die beiden Leidener Flaschen (ä 720 pF) werden mit ca. 10 uA etwa 12 Sekunden lang aufgeladen (Zeit zwischen zwei Entladun­gen). Eine überschlägige Rechnung mit 720 pF als Flaschenkapazität ergibt dann:
Bei dieser Spannung wäre die Durchschlagsfestigkeit des 3,5 mm starken
kV
Aus Tabelle 6.1 geht hervor, dass mit einigen wenigen Kunststoffen sogar noch höhere Durchschlagsfestigkeiten erreicht werden. Für Glas ist die­ser Wert beachtlich hoch. In der Literatur findet man für Glas Werte von 16 ... 40 ^ . Der Energieinhalt einer voll geladenen Leidener Flasche
(160kV/720pF)ist:
A = -C- lß = 9,2[W-sec]
Beide Flaschen zusammen haben also 18,4 Ws. Würde die Aufladung der Flaschen in ca. 12 Sekunden erfolgen, entspräche das einer mittleren Leistung der Maschine von 1,52 W. Es ergibt sich daraus ein Wirkungs­grad von:
abgegebene Leistung 1,53 Motorleistung          12,6
Tatsächlich aber ist der Wirkungsgrad geringer, da die Flaschen nach ihrer Funkenentladung nicht ganz leer sind. Die Aufladung der völlig leeren Flaschen auf 160 kV dauert länger als 12 Sekunden.
Der größte Teil der hineingesteckten Energie geht durch Reibung (Moto­ren, Luftwiderstand) und durch Korona-Entladungen verloren.
Entladungsstromstärke: Beide auf 160.000 V aufgeladenen Leidener Fla­schen haben zusammen eine Ladung von Q = 2C ■ U= 1,44 ■ 10~9 ■ 160 ■ 103 = 230 ■ 10~6 [Cb]. Unter der Annahme, dass die Entladung in etwa ^ Sekunde erfolgt, ergibt sich: i = f = ^^ =2,3 A. Diese Rechnung ist natürlich nur sehr grob. Wer es genauer wissen möchte, müsste die Entladezeit mit einem Oszillografen messen.

8 Pflege, Reinigung, Wartung der Maschinen

8.1 Scheiben
Nach einer gewissen längeren Betriebszeit kann es sein, dass die maxi­male Funkenlänge nicht mehr erreicht wird. Es tritt dann auch nach Inbe­triebnahme häufig ein Polwechsel auf, d. h. der Pluspol ist auf der Seite der linken größeren Kugel, die Maschine muss umgepolt werden (siehe auch Abschnitt 5.2). Wenn man die Scheiben herausnimmt und die Zwischenräume zwischen den Segmenten mit einem weichen, sauberen, tro­ckenen Lappen putzt, erkennt man, dass sich ein graubrauner Belag auf der Kunststoffoberfläche gebildet hat. Ursprünglich war ich der Ansicht, dass dies abgeriebene Metallteilchen der Segmente oder Querkonduktor-pinsel sind. Aber auch bei der sektorlosen Maschine trat diese Verschmut­zung der Scheiben auf, selbst dann, wenn die Querkonduktorpinsel die Scheiben nicht berühren. Die Verunreinigung entsteht also vermutlich durch die Korona-Funkenentladungen auf den Scheiben. Die Funken in Verbindung mit dem Ozon scheinen das Scheibenmaterial zu oxidieren. Wenn man die Scheiben nun auf der Vorder- sowie Rückseite gesäubert hat, wird im Allgemeinen die Funktion für einige Zeit wieder hergestellt sein. Ist dies nicht der Fall, so muss mit Spiritus oder besser Petroleum gereinigt werden. Das Petroleum muss sehr sorgfältig wieder weggerie­ben werden .Ein allerletztes Mittel nach sehr langen Betriebs- und Experi­mentierzeiten ist das Reinigen mit Acrylpolierpaste (Conrad Electronic).
8.2 Leidener Flaschen
Die äußeren Glasflächen der Leidener Flaschen überziehen sich nach län­gerem Gebrauch mit einem grauen Belag. Dieser sollte mit einem hellen,
trockenen, weichen Lappen abgerieben werden. Es hat sich in der Praxis bewährt, quer zur Zylinderachse zu putzen, also nicht von unten nach oben. Man darf dabei die Glasflächen nicht mit den Händen berühren. Auf den Innenflächen der Flaschen konnte ich keine Schmutzablagerungen beobachten. Trotzdem habe ich auch diese von Zeit zu Zeit gereinigt. Wenn man die Glasoberfläche mit Spiritus gereinigt hat, sollte man die Gläser in einem Heißluftofen trocknen (ca. 80 °C).


8.3 Glassäulen
Die lackierten Glassäulen müssen natürlich auch gelegentlich mit einem trockenen Tuch abgerieben werden. PVC- oder Acrylglassäulen können mit Petroleum gereinigt werden.
8.4 Entladekugeln, Verbindungsstäbe
Von den geladenen Kugeln und Verbindungsstäben werden Staubteilchen und kleine Fasern angezogen. Hier kann dann durch Korona-Entladung die Leistung der Maschine reduziert werden. Man sollte daher die Kugeln vor jeder Inbetriebnahme kurz mit einem fuselfreien Tuch abwischen.
8.5 Batterie
Von Zeit zu Zeit muss der Ladungs- und Säurestand des Akkus überprüft und gegebenenfalls nachgeladen werden.
8.6 Motoren
Die Motoren sind für einen Dauerbetrieb nicht geeignet. Nach Demons­tration von ein paar Funkenentladungen oder nach Durchführung einiger Experimente sollte man die Maschine für kurze Zeit abschalten und mit der Hand die Motortemperatur prüfen. Die Motoren werden warm, sollten aber nicht so heiß werden, dass man sie kaum mehr anfassen kann.

9 Berührungssicherheit, Personengefährdung, Ozon, Entladestab, Röntgenstrahlung

Die Funkenüberschläge sehen zwar bedrohlich lang und kräftig aus, trotz­dem geht von den Influenzmaschinen keine ernsthafte Gefahr aus. Ich bin selbst öfter vom „Blitz getroffen" worden, erfreue mich aber immer noch bester Gesundheit.
Wenn man versehentlich einen Pol berührt oder in seine Nähe kommt, bekommt man im Allgemeinen nur die halbe Spannung gegen Masse ab. Parkett- und Linoleumboden und die Schuhsohlen bilden eine gewisse Isolation im Verhältnis zu einem direkten Massekontakt, den man hätte, wenn man mit einer Hand an die Dampfheizung oder Wasserleitung lan­gen würde. Auf alle Fälle sollte man es vermeiden, mit beiden Händen an die Entladekonduktorgriffe zu langen, während die Maschine läuft oder kurz bevor die Leidener Flaschen ganz aufgeladen sind. Der Schlag, den man dann erhält, ist ziemlich unangenehm. Die Energiemenge, die in einer auf 160 kV aufgeladenen Leidener Flasche von 750 pF steckt, beträgt 8,4 Ws (siehe auch Abschnitt 7.3). Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel das ist, nehme man ein Gewicht von 1 kg und lasse es aus 85 cm Höhe herunterfallen.
Wer einmal eine Leidener Flasche unfreiwillig entladen hat, wird im All­gemeinen sehr darauf achten, dass dieses nicht noch einmal passiert.
Bevor man an der Maschine arbeitet, sollte man die beiden Leidener Fla­schen entladen. Dazu eignet sich der in Abb. 9.1 dargestellte Entladestab.
Selbst wenn man die geladenen Flaschen einige Sekunden kurzschließt, baut sich nach kurzer Zeit wieder eine Spannung
von mehreren Tausend Volt auf. Erst nach mehrmaligem Entladen verschwindet die Ladung
schließlich. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man die Flaschen in der Hand hält und die Innenflächen reinigen will.
Während des Betriebs der Influenzmaschinen entsteht Ozon, ein dreiato­miges Sauerstoffmolekül. Ozon reizt die oberen Atmungswege und Augen, verursacht Kopfschmerzen und kann in hoher Konzentration für Pflanzen und Tiere giftig sein. Es ist hochreaktiv und kann die Maschine selbst angreifen, indem es das Scheibenmaterial oxidiert und zersetzt. Der charakteristische Geruch kann auch oft bei Gewittern wahrgenom­men werden. Nach dem Einschalten der Maschine riecht es ziemlich stark; wenn man länger im Raum ist, merkt man selbst nichts mehr davon. Meine Frau allerdings war immer relativ entsetzt, wenn sie den Hobby-Raum betrat. Man sollte immer auf ausreichende und gute Lüf­tung achten und sich nicht allzu lange direkt neben der laufenden Maschine aufhalten. Wenn man bedenkt, dass man mit Ozon ganze Hal­lenbäder mit Tausenden von Litern Wasser entkeimt, kann man sich gut vorstellen, dass von einem solchen „Spielzeug" keine ernsthafte Gefahr ausgehen kann.
Bei Verwendung von Hochspannungsvakuumröhren können gefährliche Röntgenstrahlen entstehen. Noch bis Mitte des vergangenen Jahrhun­derts war man sich dieser Gefahr nicht bewusst. Die Firma Wehrsen ver­kaufte Influenzmaschinen mit allem Zubehör, wie in den Abb. 9.3 und 9.4 dargestellt.
Man sollte sich also davor hüten, elektronische Vakuumröhren an die große Maschine anzuschließen, es sei denn, man weiß genau, was man tut. Alte Glühlampen und einige moderne Lampen, die ein Vakuum besitzen, können beträchtliche Röntgenstrahlung produzieren. Die meis­ten modernen Glühlampen sind mit einem speziellen Gas gefüllt und produzieren keine Strahlung.
Auch Leuchtstofflampen und Neonlampen sind sicher. Die Erzeugung von Röntgenstrahlung ist verbunden mit der Erzeugung von Kathoden­strahlen in den Vakuumröhren. Wenn diese Kathodenstrahlen (hochener­getische Elektronen) die Wände der Röhre oder Metallteile in der Röhre mit hoher Geschwindigkeit treffen, werden Röntgenstrahlen unter­schiedlicher Intensität bzw. Wellenlänge erzeugt. Ein Anzeichen dafür ist das im Dunkeln sichtbare Fluoreszieren der Glaswände.



 



Abb. 9.2: Entladen einer Leidener Flasche
 

Apparate für Röntgen-Versuche.

 

Abb. 9.3: Influenzmaschine „Wehrsen" mit Röntgenkollektion (1910)

  
 

10.1 Abstoßungs- und Anziehungskräfte
Elektrisch geladene Körper ziehen sich an oder stoßen sich ab. Gleichar­tige Ladungen stoßen sich ab, ungleichartige ziehen sich an. Die nachfol­genden Experimente beruhen auf diesem Prinzip.
10.1.1 Elektrostatische Motoren
Allgemeines
Konventionelle elektrische Motoren benützen elektromagnetische Ener­gie, um Elektrizität in Bewegung umzuwandeln.
Jedoch gibt es eine weniger genau untersuchte Art von Motoren, bei denen elektrostatische Energie in Drehbewegung verwandelt wird - ent­weder durch direkten elektrischen Kontakt, Korona-Entladungen oder Influenz. Nachdem es relativ schwierig ist, größere elektrostatische Ladungen zu speichern, ohne dass Verluste entstehen, konnten sich elek­trostatische Motoren am besten dort bewähren, wo geringe Abmessungen und hohe Drehzahlen benötigt werden. Elektrostatische Motoren können mit Strömen von weniger als 109 A auskommen und wurden sogar schon direkt durch atmosphärische Elektrizität betrieben, wenn eine entspre­chende Antenne benutzt wird.
Im einfachsten Fall kann eine Influenzmaschine als elektrostatischer Motor betrieben werden. Verbindet man nämlich die Elektroden einer tätigen Influenzmaschine mit den Saugkämmen einer zweiten, deren Scheiben sich ohne größeren Widerstand drehen lassen, und erteilt den Scheiben dieser zweiten Maschine einen kleinen Anstoß, so gerät diese in rasche Drehung.

Selbst gebaute einfache elektrostatische Motoren

Vier Kugeln wurden an die Enden eines Plastikkreuzes geklebt. Die Teile wurden in einem größeren Haushaltswarengeschäft gekauft. Das Plastikkreuz wurde in der Mitte zur Hälfte durchbohrt (2 mm Durch­messer) und drehbar auf einer Spitze gelagert (Abb. 10.1). Links und rechts sind in geringem Abstand zu den vier drehbaren Kugeln zwei weitere etwas größere Kugeln auf Flaschen aufgelegt. Die Flaschen werden mit Spiritus außen gereinigt und trockengerie­ben. Verbindet man die beiden größeren Kugeln mit den Polen der täti­gen Influenzmaschine, werden die Metallkugeln des Sterns angezo­gen und, wenn sie gleichnamig elektrisch sind, wieder abgestoßen. Der Stern pendelt zuerst ein paar Mal hin und her; diese Bewegung wird bald größer und geht dann in äußerst schnelle Rotation über. Der Motor konnte sogar durch fortwährendes Aufladen mit dem Elek-trophor (Abschnitt 2) in Rotation gehalten werden. Anstelle der Messingkugeln könnte man auch mit Grafitspray leitend gemachte Tischtennisbälle verwenden.

 

Abb. 10.1: Elektrostatischer Motor
b) Aus einer Kunststoffplatte (z. B. PVC oder Acrylglas), 3 oder 4 mm dick, wird mit der Stichsäge eine Scheibe von ca. 100-120 mm Durch­messer ausgeschnitten. In die Mittenbohrung von z. B. 3 mm Durch­messer wird eine Niete (ca. 10 mm lang) eingedrückt. Die Scheibe wird, wie in Abb. 10.2a gezeigt, mit Aluminiumsegmenten beklebt und auf eine Nadel leicht drehbar aufgesetzt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Kugel, in die eine Spitze eingeschraubt ist. Man
könnte hier auch mit Aluminiumfolie beklebte Holzkugeln verwen­den. Als Spitze dient ein zugeschliffener Gewindestab oder eine abge­schnittene Schraube. Der Anschluss der beiden Elektroden an die Influenzmaschine erfolgt über Metallkugelketten, die man in Installa­tionsgeschäften kaufen kann. Der rechte Pol mit der Spitze wird an den Pluspol, der linke an den Minuspol der Influenzmaschine ange­schlossen.
Man entfernt die Leidener Haschen-Kugel, hängt die Ösen der Kett­chen ein und schraubt dann die Kugel wieder auf. Die Leidener Fla­schen können in einem größeren Abstand von den (Acryl-)Glassäu-lenkugeln aufgestellt werden.
Wenn ein ruhiger Lauf mit hoher Drehzahl erreicht ist, kann man den Abstand der beiden Elektroden zu den Segmenten des Rotors auf ein noch vertretbares Maß verringern (z. B. 2 mm). Der versierte Bastler kann versuchen, die Drehzahl der Scheibe zu messen. Wenn man die
linke Kugel erdet und die rechte mit dem Elektrophor einige Male auflädt, erreicht man ebenfalls schon recht hohe Drehzahlen.
c) Anstelle der Segmente kann man auch eine halbleitende Schicht auf dem äußeren Rand der Scheibe auftragen. Man überzieht diesen etwa 2 cm breit mit einem Hochspannungsisolierlack. Wenn der Lack nach einiger Zeit klebrig wird, rollt man die Scheibe durch Aluminium­oxid-Kömchen (Abrieb von einem Sandstrahlgebläse). Durch die Körnchen wird der Rand halbleitend und erzeugt eine große Oberflä­che für die Ladungsspeicherung.
d) In Abb. 10.3 wurde ein Schleifstein von 75 mm Durchmesser und 10 mm Breite als Rotor verwendet.
Vielleicht ist ein Schleifstein mit etwa 30 % geringerer Abmessung günstiger. Eine Kompassnadel ist mittig aufgeklebt, wodurch sich der Stein sehr leicht auf einer Stahlnadel dreht. Die Elektrodenanordnung ist dieselbe wie in Abschnitt 10.2b. Anfängliche Unwuchterscheinun­gen verschwinden mit höher werdender Drehzahl. Man kann dann durch vorsichtiges Verschieben der äußeren Flaschen den Elektroden­abstand zum Schleifstein verringern.
Die Drehzahl wurde so hoch, dass ich die Influenzmaschine vorsichts­halber ausschalten musste.
Mit einem Schleifstein aus Aluminiumoxid, 50 mm Durchmesser und 6 mm Breite, werden angeblich 10.000 Umdrehungen in weniger als
einer Minute erzielt, wenn man eine große Influenzmaschine anschließt.
Ein halbleitender Rotor kann mit dem selbst gebauten Elektroskop (Abb. 10.10) überprüft werden. Man hält eine Seite des Rotors mit den Fingern (Erdung) und berührt mit der gegenüberliegenden Seite das mit der Influenzmaschine oder dem Elektrophor aufgeladene Elektro­skop. Der Ausschlag soll in 40-Sekunden-Intervallen um jeweils zehn Winkelgrade zurückgehen. Dieser sehr hohe Widerstand soll sicher­stellen, dass die vorhandene Rotorladung sich nur sehr langsam über die Oberfläche verteilt. Dieses Ungleichgewicht der Ladung verur­sacht die Drehung.
Wer sich mit den elektrostatischen Motoren genauer beschäftigen will, sollte folgende Dinge untersuchen: optimale Anordnung, Form, Größe und Anzahl der Elektroden, halbleitende Lacküberzüge, Wachs- und Schwefelbeschichtungen.
Viele interessante Einzelheiten kann man dem Buch von Oleg Jefi-menko (siehe Literaturhinweise) entnehmen.
Wegen ihrer Leistungsfähigkeit und Kompaktheit wurden diese einfa­chen und zuverlässigen Motoren in zunehmendem Maße in Raum­fahrtprogrammen verwendet. Warum lassen sich eigentlich derart gute Ergebnisse mit Schleifsteinen erzielen? Ich nehme an, dass der Ohmsche Widerstand, über den Umfang gemessen, so hoch ist, dass sich eine relativ große Zeit für die Ladungsverteilung auf der Scheibe ergibt. Diese Ladungsverschiebung auf der Scheibe ist verantwortlich für die Drehung, verursacht durch Coulomb'sche Anziehungs- und Abstoßungskräfte zwischen Rotor und Elektroden. Korona-Entladun­gen an der zugespitzten Elektrode oder der so genannte elektrische Wind spielen vermutlich nur eine geringe Rolle beim Antrieb.
Warnhinweis: Wegen der sehr hohen Geschwindigkeiten, die bei richtiger Anordnung und Materialwahl erreicht werden können, sollte man die Rotoren mit einem dickwandigen Plastikzylinder umgeben. Es besteht Explosionsgefahr, besonders wenn die sehr hohen Span­nungen verwendet werden, die mit der großen Wimshurst-Maschine erzielt werden!

Abb. 10.2a: Elektrostatischer Scheibenmotor

 

Abb. 10.2b zeigt die Anordnung in der Draufsicht:


 

Abb. 10.2b: Günstige Elektrodenanordnung für elektrostatische Motoren


 

Abb. 10.3: Elektrostatischer Motor aus einem Schleifstein


 

 
e) Motor für atmosphärische Elektrizität

Die nachfolgende Erfindung ist eine amüsante Spielerei für den inte­ressierten Bastler.
Das Gerät besteht aus einem kleinen Stück Kupferdraht A (3 mm Durchmesser), ausbalanciert auf einem spitzen Drehpunkt B. Zwei Drähte C und D sind so befestigt, dass ihre Enden den Drahtenden vom beweglichen Draht A sehr nahe stehen. Ein Antennenanschluss wird mit dem Drahtende von C verbunden, der andere Draht D wird geerdet. Wenn alles sauber aufgebaut ist und genügend statische Ladung auf der gut isolierten Antenne entsteht, wird der bewegliche Draht A in Rotation geraten. Für beste Ergebnisse sollte Draht A etwa 4 cm lang sein und der Abstand A von den Drähten C und D kleiner als 1 mm.
10.1.2 Kugeltanz
Das Experiment ist in Abb. 10.5 gezeigt.
Eine Styroporkugel von 30 cm Durchmesser, mit Aluminiumfolie beklebt, wir auf eine Leidener Flasche isoliert aufgesetzt. Der Innenan-schluss ist herausgenommen. Auf der Kugel sitzt ein Acrylglasrohr mit 50 mm Durchmesser, 80 mm lang. In das Rohr werden 20-30 Hirsekör­ner geschüttet. Ein Hirsekörnchen hat etwa 1,5-2,0 mm Durchmesser. Auf das Acrylglasrohr wird eine Kugel von z. B. 60 mm Durchmesser aufgelegt. Man lädt die große Kugel durch mehrmaliges Berühren mit dem Elektrophor auf und erdet die kleine Kugel durch Berühren mit
einem Metallstab. Die Hirsekörner tanzen jetzt in heftiger Bewegung auf und ab und transportieren die Ladung hin und her.
Bei weiterer Aufladung mit dem Elektrophor kann es passieren, dass ein sichtbarer, hörbarer und spürbarer 8-cm-Funkenüberschlag an der Innen­wand des Acrylglasröhrchens stattfindet.
Der Kugeltanz funktioniert natürlich auch sehr gut, wenn die große Kugel an die Influenzmaschine angeschlossen wird. Es genügen ein paar Umdrehungen. Die kleine Kugel sollte dann besser mit dem geerdeten Entladestab berührt werden.
Man könnte das Acrylglasröhrchen mit den Hirsekörnern auch direkt auf die negative Elektrodenkugel der Influenzmaschine aufsetzen.
10.1.3 Das elektrostatische Pendel
Eine Aluminiumhohlkugel wird, wie in Abb. 10.6 gezeigt, an einem dün­nen Perlonfaden zwischen die Entladekugeln der Influenzmaschine gehängt. Die Maschine wird langsam gedreht, bis die Kugel hin- und her­pendelt und abwechselnd die positive und dann die negative Kugel
berührt. Ist die Kugel negativ aufgeladen, wird sie vom negativen Pol abgestoßen und vom positiven angezogen. Nach Berühren des positiven Pols wird sie umgeladen, also positiv, und damit wieder abgestoßen und vom negativen Pol wieder angezogen usw. Der beste Abstand der Entla­dekugeln kann durch Experimentieren herausgefunden werden. Nach Abschalten der Maschine pendelt die Kugel so lange weiter, bis durch das Hin- und Hertransportieren der Ladung die Leidener Flaschen entladen sind. Man kann diesen Versuch auch mit einer verspiegelten Christbaum­kugel durchführen. Diese ist so leicht, dass sie der gekrümmten Bahn der elektrischen Feldlinien folgen will.

1-10.1 Abstoßungs-und Anziehungskräfte 87

Abb. 10.5: Kugeltanz mit Hirsekörnern
 

   

Abb. 10.6:Elektrostatisches Pendel

In Ermangelung einer geeigneten Haarpracht habe ich Haare aus Seiden­papier auf einen Hut aufgeklebt. Ein Plastikgartenstuhl, auf dem ich mit angezogenen Beinen sitze, dient als Isolator. Selbstverständlich müssen die Beine des Stuhls vorher mit Spiritus gereinigt werden. Da die Maschine eine Mittenerdung besitzt, kann für diesen Versuch nur die halbe Spannung entweder des Plus- oder des Minuspols verwendet wer­den. Die Spannung dürfte etwa 150.000-200.000 V betragen. Vorsichts­halber wurde die Leidener Flasche entfernt. Der Anschluss erfolgt über eine provisorische Anordnung, wie in Abb. 10.8 dargestellt.
Der Innenanschluss der Flasche wird herausgenommen und eine Metall­kugel auf die Flasche gelegt (u. U. ist es erforderlich, die Kugel mit einem Streifen Isolierband am Glaszylinder zu befestigen). In die Kugel ist ein Aluminiumstab geschraubt, an dessen anderem Ende ein Absaugpinsel aus Entlötlitze angeklebt wird. Die Kugel wird dann mit einem Metallstab berührt und die Maschine eingeschaltet.
Im aufgeladenen Zustand sollte man natürlich nichts berühren, auch nicht den Einschaltknopf der Maschine.
Wenn man seine eigenen Haare hochstehen lässt, fühlt man ein leichtes Kribbeln der Kopfhaut. Angeblich soll ab etwa 500.000 V ein unange­nehm stechender Schmerz entstehen.


 

Abb. 10.8: Versuchsanordnung zum Aufladen einer Person

10.1.5  Teelicht-Experiment

Ein Aluminium-Teelichtbecher (ohne Inhalt) wird auf die negative Elektrode der Influenzmaschine gelegt. Kurz nach Inbetriebnahme der Maschine fliegt er in hohem Bogen davon.
Das Experiment gelingt auch mit dem Elektrophor. Eine große, mit Alu­folie beklebte Styroporkugel (z. B. 30 cm Durchmesser) wird auf die Leidener Flasche (ohne Innenanschluss) aufgelegt. Auf die Kugel legt man das Teelicht. Wenn man den geladenen Elektrophor an die Kugel hält, bleibt das Teelicht zunächst gerade noch auf der Kugel liegen. Beim zwei­ten Aufladen ist die Spannung jetzt hoch genug und der Becher segelt in hohem Bogen davon.
10.1.6 Das Elektroskop
Das Elektroskop ist ein Gerät zur Registrierung elektrischer Ladungen. Es erfasst das Vorhandensein von Ladungen auf benachbarten Gegenstän­den mit entweder positiver oder negativer Polarität. Die Grundform des Elektroskops zeigt nicht absolute numerische Werte an. Man könnte jedoch eine einfache Skala anbringen, die in Winkelgraden geeicht ist. Ein geeichtes Elektroskop nennt man Elektrometer. Ein typisches, relativ empfindliches Gerät besteht aus einem Metallstab, an dem oben eine Kugel montiert ist. Am anderen Ende des Stabs befinden sich ein oder zwei Goldplättchen. Der Stab und die Goldplättchen müssen sehr gut iso­liert gegenüber Erde sein. Um äußere Einflüsse durch elektrische Felder oder Luftströmungen zu verhindern, empfiehlt es sich, ein metallisches, geerdetes Gehäuse um das Gerät zu bauen als eine Art Faraday-Käfig. R. A.
Ford beschreibt den Selbstbau eines derartigen Elektroskops. Ein Elektroskop bis 1,5 kV, wie es für Demonstrationsversuche im Physikunterricht verwendet wird, zeigt Abb. 10.9.
Ich habe eine einfache Version aufgebaut, mit der sich auch relativ nied­rige Spannungen (einige kV) nachweisen lassen (Abb. 10.10).
Ein Messingrohr von 8 mm Durchmesser und 200 mm Länge wird in der dargestellten Weise gebogen und in der Mitte so durchbohrt, dass ein Trinkhalm auf einer Nadel balancieren kann. Der Hahn wird mit Grafit
spray elektrisch leitend gemacht. Das Messingrohr wird unten an einen Plastikwinkel geschraubt und oben mit einer Kugel abgeschlossen. Die Empfindlichkeit des Geräts hängt entscheidend davon ab, wie gut die Achse in der Mitte sitzt. Der untere Teil des Halms soll etwas länger sein als der obere, damit der Halm in Ruhestellung senkrecht steht. Die Isola­tionseigenschaften des Geräts können noch erhöht werden, wenn man zwischen dem unteren Ende des Messingstabs und dem PVC-Winkel ein Acrylglas- oder Teflonstück mit den Abmessungen 30 x 10x4 mm anbringt.
Mit diesem Elektroskop lässt sich das Prinzip der Influenz sehr anschau­lich wie folgt nachweisen:
Im ungeladenen Zustand enthält das Elektroskop gleiche Mengen an posi­tiver und negativer Elektrizität, wie dargestellt in Abb. 10.11A. Wenn ein Körper mit z. B. positiver Ladung (geriebener PVC-Stab) in die Nähe der
Kugel gebracht wird, erfolgt die Trennung der Ladungen, sodass nega­tive Elektrizität in die Kugel strömt, die positive bleibt unten in Messing­stab und Trinkhalm. Da gleichnamig geladen, wird der Halm vom Stab jetzt abgestoßen (Abb. I0.I1B). Wenn der geladene PVC-Stab entfernt wird, fällt der Halm zurück in die Ruhestellung A, da sich die beiden Ladungen wieder vereinen und das System wieder elektrisch neutral wird.

Wenn man aber, wie dargestellt in C, die Kugel mit dem Finger berührt, während der PVC-Stab noch in der Nähe bleibt und die negative Ladung der Kugel bindet, kann die positive Ladung des Halms und des unteren Messingstabs entweichen und der Halm fällt in die Senkrechte bzw. Ruhestellung.
Man entfernt nun zuerst den Finger und dann den PVC-Stab. Die negative Elektrizität wird jetzt frei und verteilt sich gleichmäßig über die Metall­teile des Elektroskops. Es erfolgt wieder ein Ausschlag, d. h., der Halm wird abgestoßen (D). Nähert man der Kugel jetzt wieder den positiv gela­denen PVC-Stab, geht der Ausschlag zurück, da die negative Elektrizität sich in der Kugel konzentriert. Ein Elektroskop, das mit irgendeiner Ladung aufgeladen ist, kann also nicht nur aussagen, ob ein Körper gela­den ist oder nicht, sondern auch, mit welcher Ladung er geladen ist, ob positiv oder negativ.


 

Abb. 10.9: Elektroskop der Firma Phywe                Abb. 10.10: Einfaches Elektroskop



 

 


 

Weitere Versuche mit dem Elektroskop
1. Eine frisch geschmirgelte Zinkplatte wird mit dem Elektroskop ver­bunden (oder anstelle der Kugel aufgelegt) und mit der Influenzma­schine negativ aufgeladen. Wird die Zinkplatte mit einer UV-Lampe belichtet, so wird das Elektrometer entladen. Dagegen behält eine positiv geladene Zinkplatte ihre Ladung auch bei Belichtung bei (Abb. 10.12).
Der Versuch beweist, dass sich bei Belichtung die Leitfähigkeit der Luft nicht ändert, sonst müsste auch die positiv geladene Platte ihre
Ladung verlieren; dagegen gehen negative Ladungen von der Metall platte weg. In der Zinkplatte sind also freie negative Ladungen (Elek­tronen) vorhanden.
2. Wenn man mit einem hochisolierten Elektroskop die Aufladung und den Widerstand von Isolatoren und Halbleitern untersucht, wird man sehr bald merken, dass das Instrument empfindlich auf Wetterände­rungen reagiert. Größte Ausschläge und langsames Entladen erfolgen bei klarem, sonnigem Wetter und geringer Feuchtigkeit. Kleinere Ausschläge und rasche Entladung beobachtet man an feuchten Tagen bei starker Bewölkung, Nebel oder nach starkem Regen.
Viele weitere Fragen ergeben sich in diesem Zusammenhang: Wie ver­hält sich das Gerät vor und nach Gewittern? Ich konnte z. B. eine rasche Entladung des aufgeladenen Elektroskops beobachten, wenn in demsel­ben Raum die Influenzmaschine eingeschaltet wurde. Wie ist der Zusammenhang zwischen Entladungsgeschwindigkeit und relativer Feuchtigkeit? Wie ändert sich die Entladezeit im Verhältnis zu Luft­druck und Temperatur? Wenn man einen sehr gut isolierten blanken Draht horizontal über dem Erdboden spannt (ca. 5-10 m hoch) und mit dem Elektroskop verbindet, stellt man eine Aufladung fest, speziell an klaren, sonnigen Tagen. Wie ändert sich diese Spannung mit der Höhe des Drahts über dem Erdboden? Spielt die Art des verwendeten Metalls eine Rolle? Wird die Ladung durch Teilchen erzeugt, die durch die Son­nenstrahlung entstehen?
Welche Aufladung wird bei einem herannahenden oder abziehenden Gewitter gemessen? Es gibt Berichte, denen zufolge bei besonders hefti­gen Schneestürmen oder Hagelschauern beträchtliche Aufladungen in blanken, isoliert gespannten Drähten gemessen wurden. Es traten sogar Ströme im mA-Bereich bei ca. 10 m langen Drähten auf.

Kondensatorelektroskop:
Man kann ein Elektroskop durch Verbindung mit einem Kondensator so empfindlich machen, dass es auch geringe Spannungen (1-10 Volt) anzeigt. Man ersetzt zu diesem Zweck den Elektroskopknopf durch eine gefirniste Platte und setzt auf diese eine zweite gefirniste Platte mit Iso­liergriff (Abb. 10.13).

Abb. 10.13: Kondensatorelektroskop

Verbindet man die Elektroskopplatte (Kollektorplatte) mit dem zu unter­suchenden Ladungsträger, während die aufgesetzte Kondensatorplatte gleichzeitig geerdet wird, so strömt so lange Elektrizität in das Elektro-skop, bis die Kondensatorplatte die gleiche Spannung besitzt wie der Ladungsträger. Hängt man dann den Ladungsträger ab und hebt man die Kondensatorplatte auf, so wird die gesamte auf der Elektroskopplatte durch Kondensatorwirkung angesammelte und gebundene Elektrizitäts­menge frei. Sie verteilt sich gleichmäßig über das Elektroskop, das nun einen messbaren Ausschlag zeigt (siehe auch Abschnitt 1.6). Dieses Kon­densatorelektroskop kann durch Eichung nach Volt zum Kondensator­elektrometer gemacht werden.

10.1.7 Die schwebende Rakete
Bei einem sehr ungewöhnlichen Experiment werden superleichte Gegen­stände mithilfe von elektrostatischen Kräften in der Schwebe gehalten. Eine ganze Reihe von Patenten bezieht sich auf wissenschaftliches Spiel­zeug, das nach diesem Prinzip funktioniert.
In Abb. 10.14 wird eine Rakete schwebend im Raum zwischen einer posi­tiv geladenen Metallkugel und einer geerdeten Metallspitze gehalten. Um die Rakete zu starten, geht man folgendermaßen vor: Ein PVC-Rohr mit etwa 1 cm Durchmesser wird aufgeladen, indem man kurz die mit einer Influenzmaschine geladene Kugel berührt. Die Rakete in Abb. 10.14 wird aus sehr dünner Aluminiumfolie ausgeschnitten und quer in der Nähe des PVC-Stabendes angebracht. Hält man nun die Rakete in die Mitte zwi­schen Kugel und Metallspitze und dreht den Stab langsam, löst sich die Rakete ab und schwebt im Raum, gehalten von scheinbar unsichtbaren Händen.


Abb. 10.14: Elektrische Rakete, schwebend im Raum


 

Abb. 10.15: Aluminiumfolien-Rakete

Die „modifizierte Rakete"
In einem weiteren Versuch kann man die Rakete in der Mitte um etwa 90° verdrehen. Wenn sie jetzt schwebend aufgehängt wird, gerät sie in Rota­tion. Als Nächstes entfernt man jetzt die Metallspitze ganz langsam. Die Rakete bewegt sich als Satellit der geladenen Kugel. Gewöhnlich können zwei Satelliten derselben Form, aber etwas kleiner, um die Kugel kreisen.
In Abb. 10.16 sind noch zwei andere Formen solcher Raketen dargestellt. Neben Alufolie sollte man auch Goldplättchen, Federn oder Styropor aus­probieren.


 

Abb. 10.16: Modifizierte Raketen
Das spitzige Ende der Raketen sollte immer zum positiven Pol hinzeigen, das breitere oder runde Ende zum negativen Pol. Bei erhöhter Generator­geschwindigkeit entfernt sich der Satellit weiter weg von der Kugel, bei Verringern der Geschwindigkeit nähert er sich der Kugel.
Man kann den Versuch noch einfacher durchfuhren: Der rechte positive Pol der Influenzmaschine wird nach unten gedreht, etwa 15-20 cm über der Aluminiumverbindungsfolie zwischen den Leidener Flaschen. Wird die Rakete mit einem Plastiklineal zwischen Kugel und Alufolie gehalten, so schwebt sie oder dreht sich noch zusätzlich um ihre eigene Achse, auch noch nach Abschalten der Influenzmaschine. Sie bleibt dann noch einige Zeit in der Nähe der positiven Elektrode und fällt dann irgendwann herun­ter.
Eine schlüssige Erklärung für das Phänomen der „schwebenden Rakete" habe ich nirgends gefunden. Wer liefert eine Erklärung?
10.2 Durchschlag von Glas
Bei der Herstellung von Leidener Flaschen verwendete ich anfangs Bier­gläser, Vasen, Einmachgläser usw. Mit größer werdenden Scheibendurch­messern der Influenzmaschinen wurden sie allesamt durchschlagen. Mit einem einfachen Versuch kann dieses nachvollzogen werden.
Ein 0,5-Liter-Bierglas wird mit Spiritus innen und außen gesäubert und getrocknet. Man beklebt es provisorisch mit Aluminiumklebefolie innen und außen, ca. 5 cm hoch. In das Glas stellt man einen Metallstab, ca. 20-25 cm hoch, an dessen Ende eine Kugel befestigt ist. Der Außenbelag die-

10.3 Funkenüberschläge, Korona-Effekte, Blitztafel 99

ser Leidener Flasche wird mit dem Massepol der Influenzmaschine ver­bunden. Wenn man die Maschine jetzt in Betrieb nimmt und mit dem Ent­ladestab eine der aufgeladenen Leidener Flaschen mit der Kugel auf dem Bierglas verbindet, findet eine Entladung zwischen Innenbelag und Außenbelag am Glas entlang statt. Verhindert man dieses, indem man ein breites Isolierband um den äußeren oberen Rand der Aluminiumfolie klebt, so wird das Glas durchschlagen.
Bei der Betrachtung der Korona-Entladungen an den 3,5 mm dicken Duran-Gläsern (Abb. 10.20) kam ich auf die Idee, durch Überlackieren der Aluminiumränder die Korona-Entladungen zu unterdrücken. Sofort nach Inbetriebnahme der so lackierten Leidener Flaschen wurden diese durchschlagen. Die Durchschlagstelle befindet sich genau am Alumini­umfolienrand. Warum die Spannung jetzt an dieser Stelle so hoch wird, ist nicht einfach erklärbar. Sicher ist, dass aufgrund von Influenzeffekten die Spannung zwischen den Belägen der Leidener Flaschen nicht überall gleich groß ist.
10.3 Funkenüberschläge, Korona-Effekte, Blitztafel
Abb. 10.17 zeigt eine 47 cm lange Entladung (Minuspol Durchmesser = 180 mm). Ein kleiner Seitenast des Hauptblitzes zweigt nach unten ab.
Bei den Funkenentladungen kommt es immer wieder zu recht eigenarti­gen Erscheinungen, wie sie in den Abb. 10.18 und 10.19 zu sehen sind.
In Abb. 10.17 zweigt sich ein Blitz in der Mitte auf. Der dünnere Entla­dungsast mündet in die Kugel, der dickere in den Stab der negativen Elek­trode. In Abb. 10.18 verästelt sich der Blitz kurz vor Erreichen der negati­ven Elektrode nochmals.
Fotos lassen sich in einem völlig dunklen Raum mit einer auf einem Stativ montierten Kamera mit Drahtauslöser machen. Man wählt Blende 8 oder 11 und stellt die Optik auf den richtigen Abstand und Bildausschnitt ein. Im Dunkeln öffnet man die Langzeitbelichtung, bis eine Entladung statt­findet, schaltet für ein bis zwei Sekunden die Beleuchtung im Raum ein und schließt dann die Blende wieder.

 

Abb. 10.17:47-cm-Entladung aus 730-pF-Leidener-Flaschen


 

Abb. 10.18: Verzweigter Blitz (im Hintergrund Spiegelung auf der Scheibe)

70.3 Funkenüberschläge, Korona-Effekte, Blitztafel 101


 

Abb. 10.19: Verzweigter Blitz
Korona-Effekte:
Die Büschel-Entladungen sieht man am besten, wenn sich das Auge einige Minuten an die Dunkelheit gewöhnt hat. An den Glaswänden der Leidener Flaschen entlang züngeln bläuliche Entladungen nach oben, besonders im Augenblick der Hauptentladung. Man kann nicht erkennen, ob sie vom Rand des Innen- oder Außenbelags weggehen (Abb. 10.20). Wie ist dieser Effekt zu erklären? An den Scheiben kann man sehr gut beobachten, an wel­chen Stellen die Spannung am höchsten ist. Man darf der Maschine dabei natürlich nicht zu nahe kommen. Mit einer Taschenlampe in der Hand kann man rasch die Stellen ermitteln, wo unter Umständen ungewollte Büschel-Entladungen an irgendwelchen Spitzen oder Kanten auftreten.
Blitztafel:
Abb. 10.21 zeigt eine Blitztafel. Aluminiumstreifen sind mit kleinen Unterbrechungen auf einer Acrylglasplatte aufgeklebt. An den Unterbre­chungsstellen springen kleine Funken über, wenn man die Enden an die Maschine anschließt. Auch mit dem Elektrophor kann die Blitztafel aktiviert werden.


 

Abb. 10.20: Korona-Entladungen an der Leidener Flasche


 

Abb. 10.21: Blitztafel

10.4 Elektrischer Wind, Kerzenflammen-Experiment, Flügelrad 103

Da die Influenzmaschinen sehr hohe Spannungen liefern, können natür­lich auch wesentlich größere Blitztafeln mit mehr Segmenten oder inte­ressanten geometrischen Figuren aufgebaut werden.
Selbst bei unveränderter Stellung der Entladekonduktorstäbe der Influ­enzmaschine kann es passieren, dass ein Blitz in die große Kugel (nega­tive Elektrode), ein nächster in den Entladestab (Abb. 10.22) oder in die Leidener Flaschen-Kugel (Abb. 10.23) schlägt. Daher kann man sich leicht vorstellen, wie unberechenbar bzw. unvorhersehbar die Blitzbahn bei einem Gewitter verläuft.
10.4 Elektrischer Wind, Kerzenflammen-Experiment, Flügelrad
Stellt man eine Kerze, wie in Abb. 10.24 gezeigt, zwischen die Elektro­den der Influenzmaschine, so ist bei laufender Maschine eine Luftströ-

  

Abb. 10.22: Entladung in den negativen Konduktorstab


 

Abb. 10.23: Entladung in die negative Leidener Flaschen-Kugel
mung vom Pluspol (rechts) zum Minuspol festzustellen. Die positive Elektrizität scheint die Flamme wegzublasen, von der negativen wird sie angezogen.
Die Strömung wird schließlich so stark, dass die Kerze ausgeblasen wird. Dies ist eine Erscheinung wie in eine Geißler-Röhre, die den falschen Schluss zulässt, dass der Strom von Plus nach Minus fließt, woraus die so genannte technische Stromrichtung entstanden ist. Es liegt aber einfach daran, dass die positiven Ladungsträger, also ionisierte Luftmoleküle, eine viel größere Masse haben als die Elektronen selbst.
Nach dem Rückstoßprinzip ausströmender Elektrizität aus Spitzen arbei­tet das im Folgenden beschriebene Flügelrad. Ein einfaches, selbst gebau­tes Flügelrad zeigt Abb. 10.25.
Ein Messingröhrchen, 4 mm Durchmesser, ca. 150 mm lang, wird genau in der Mitte mit einem 2-mm-Bohrer halb durchbohrt. Mit einem spitzen Nagel wird durch diese Bohrung eine Vertiefung in die der Bohrung gegenüberliegenden Stelle des Röhrchens geklopft. An den Rohrenden werden 10 mm in die jeweils entgegengesetzte Richtung rechtwinklig abgebogen. An die abgebogenen Enden werden kleine Dreiecke aus Alu­miniumfolie geklebt. Das Röhrchen wird auf einer Nadel leicht drehbar angeordnet. Die Nadel sitzt auf einer Buchse, die in einen Plastikwinkel eingeschraubt ist.

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Abb. 10.24: Kerzenflamme im Hochspannungsfeld

Abb. 10.25: Flügelrad

Beim Anschluss an einen der beiden Pole der Influenzmaschine dreht sich das Flügelrad aufgrund der Rückstoßwirkung der aus den Spitzen austretenden Elektrizität sofort sehr rasch. Auch nach Abschalten der Maschine dreht es sich noch so lange, bis die Leidener Flaschen leer sind. Im Dunkeln sieht man an den Spitzen einen schwach leuchtenden Kreis.
Auch mit dem Elektrophor kann das Rad in Drehung versetzt werden.
10.5 Darstellung des elektrischen Felds
Die entsprechende Elektrodenanordnung, deren Feldlinienverlauf darge­stellt werden soll, wird aus Aluminiumklebefolie ausgeschnitten und auf eine PVC- oder Acrylglasplatte aufgeklebt. Die beiden Pole werden dann mit den Anschlüssen der Influenzmaschine verbunden und diese langsam gedreht. Die Querkonduktoren werden so eingestellt, dass eine kleine Spannung und größere Ströme erzielt werden (Abb. 5.2). Es gibt jetzt ver­schiedene Möglichkeiten der Feldliniendarstellung:
1.   Man streut z. B. absolut trockene Tannennadeln eines vertrockneten Weihnachtsbaums auf die Anordnung.
Man kann es auch mit entfetteten klein geschnittenen Haaren, Glas­wolle oder Gipskristallen versuchen.
2.   In einem flachen Plastikgefäß befindet sich etwas Rizinusöl. In dieses werden Grieskörner gestreut. Das Gefäß mit den Grieskörnern und dem Öl wird auf die Elektrodenanordnung gestellt. Die sich ergeben­den Feldlinienverläufe sind in den Abb. 10.26 bis 10.31 gezeigt. Alle elektrischen Kraftlinien gehen senkrecht von der Oberfläche der Kon­densatorteile weg.
Die in Abb 10.26 dargestellte Anordnung kann als Querschnitt durch einen ebenen Plattenkondensator aufgefasst werden. Die elektrischen Feldlinien verlaufen zwischen den Kondensatorplatten unter sich paral­lel. Im Zwischenraum zwischen den parallelen Platten ist daher das Feld an allen Orten gleich stark und gleichgerichtet (homogenes Feld).

.70.5 Darstellung des elektrischen Felds 107

Abb. 10.27 zeigt das elektrische Feld zwischen einer Platte und einer Kugel. Platte und Kugel sind mit Elektrizität verschiedenen Vorzeichens aufgeladen, stellen also die beiden Teile eines Kondensators dar, zwi­schen denen eine Spannung besteht. Der Feldlinienverlauf zeigt deutlich, dass es sich hier um ein sehr ungleichmäßiges, also inhomogenes Feld handelt.
Dasselbe gilt für das elektrische Feld zwischen zwei entgegengesetzt auf­geladenen Kugeln, das in Abb. 10.28a dargestellt ist. Abb. 10.28a kann aber auch als Darstellung des Kraftlinienverlaufs zwischen zwei entge­gengesetzt geladenen Drähten aufgefasst werden. Man versteht dann, warum spannungsführend frei im Zimmer verlegte Leitungen so leicht Staub ansetzen: Die Staubteilchen bleiben unter dem Einfluss des elektri­schen Felds an den Drähten haften.
a)  bei ungleichnamiger
b)  bei gleichnamiger Aufladung

Abb. 10.26: Elektrisches Feldlinienbild eines Plattenkondensators

Abb. 10.27: Elektrisches Feld zwischen Platte und Kugel


 

Abb. 10.28: Elektrisches Feldlinienbild zweier geladener Kugeln oder Drähte
Abb. 10.28b zeigt das Feldlinienbild zweier gleichnamig aufgeladener Kugeln oder Drähte. Hier verlaufen die Feldlinien nicht zwischen den beiden geladenen Leitern, sondern von diesen weg zum Gehäuse bzw. zur Zimmerwand. Die beiden Kugeln oder Drähte stellen hier also nur den einen Teil eines Kondensators dar, auf dem Ladungen eines Vorzeichens sitzen, während die Ladungen des anderen Vorzeichens auf dem Gehäuse bzw. den Zimmerwänden sitzen. Derselbe Fall liegt bei Abb. 10.29 vor, die das Feldlinienbild einer isoliert aufgestellt geladenen Kugel wieder­gibt (Kugelkondensator).
Im Fall der Abb. 10.28b übt das elektrische Feld eine Kraftwirkung auf die geladenen Kugeln aus, die sich als scheinbare Abstoßung zwischen den Kugeln bemerkbar macht, während es sich in Wirklichkeit nur um eine Anziehung zwischen den Kugeln und der Zimmerwand handelt.
Abb. 10.30 (S. 109) zeigt das elektrische Feld eines geladenen Elektro-skops:

Abb. 10.29: Elektrisches Feldlinienbild - einer geladenen Kugel (Kugelkonduktor)

Abb. 10.30: Verlauf der elektrischen Feldlinien in einem geladenen Elektroskop
Experimente mit selbstgebauten Imfluenzmaschinen-76.jpg
Abb. 10.31: Feldlinienbild eines geladenen Hohl-konduktors; der Innenraum ist feldfrei

Man sieht sehr schön, wie die Feldlinien zwischen dem Gehäuse und dem Elektrometersystem (Blättchen) verlaufen, dass also die Kraftwirkung beim Spreizen der Blättchen nicht auf einer Abstoßung zwischen den Blättchen, sondern auf einer Anziehung zwischen Blättchen und Gehäuse beruht. Zwischen den Blättchen ist kein Feld vorhanden, da ja auf beiden Blättchen nur Ladungen eines Vorzeichens sitzen, zwischen denen (vgl. Abb. 10.28b) keine Feldlinien verlaufen können. Aus dem gleichen Grund bleibt auch der Innenraum eines geladenen Hohlkörpers immer feldfrei. Abb. 10.31 zeigt das Feldlinienbild eines geladenen Hohlkonduktors (Konservenbüchse). Die Faserteilchen bleiben im Innenraum völlig ungeordnet und zeigen dadurch das Fehlen eines elek­trischen Felds an. Die gesamte Ladung sitzt auf der Außenfläche des Konduktors.

10.6 Seifenblasen-Experiment
Der Verlauf der elektrischen Feldlinien in der Umgebung des Hochspan­nungsgenerators wird deutlich, wenn man von einem isolierten Stand­platz aus Seifenblasen macht. Die Blasen fliegen an die Wände oder die Decke entlang spezieller Linien. Längere isolierte Anschlussdrähte, wie in Abb. 10.32 dargestellt, überzieht man am besten mit einem PVC-Schlauch. Es empfiehlt sich, ohne Leidener Flaschen, wie in Abb. 10.8 dargestellt, zu arbeiten.


 

Abb. 10.32: Darstellen des elektrischen Feldverlaufs mit aufgeladenen Seifenblasen

10.7 Rauchgaskondensations-Experiment

Ein Acrylglasrohr wird, wie in Abb. 10.33 dargestellt, am unteren Ende mit Aluminiumfolie innen beklebt.
In diesen unteren Teil des Rohrs wird isoliert von der Aluminiumfolie eine Drahtbürste (z. B. Stahlwolle) montiert. Unter dieser befindet sich
eine verglimmende Räucherkerze, deren Rauch man in dem Acrylglasrohr aufsteigen sieht. Schließt man nun die Drahtbürste an den Pluspol und die Aluminiumfolie an die Masse der Influenzmaschine an, so wer­den die Rauchteilchen, soweit sie nicht schon von vorneherein geladen sind, beim Vorbeistreichen an den geladenen Metallbürstedrähten durch Influenz positiv aufgeladen und am negativ geladenen Zylinder entladen. Im Acrylglaszylinder steigt kein Rauch mehr auf.
Dieses Verfahren wird im großen Maßstab zum Abscheiden von Flug­staub in der Zementindustrie und zum Entstauben von Rauchgasen verwendet (Verfahren von Cottrell 1906). In größeren Werken werden täglich mehrere Tonnen Staub abgeschieden, der teilweise als wertvoller Rohstoff wieder verwendet werden kann (Abb. 10.34).

 


Einen ähnlichen Effekt beobachtet man überdies bei Fernsehbildröhren. Durch die Hochspannung werden Staubteilchen angezogen und die Bild­röhrenoberfläche verschmutzt in kürzester Zeit. Die Hochspannung an der Außenseite der Fernsehbildröhre lässt sich übrigens leicht mit dem Elektroskop (Abb. 10.10) nachweisen.
 

11 Weitere elektrostatische (Influenz-)Generatoren

Das Prinzip der Energieerzeugung durch Influenz und Ladungstrennung gilt auch für die im Folgenden beschriebenen Hochspannungsgeneratoren.

11.1 Der Bandgenerator
11.1.1 Vorgeschichte
Der Van de Graaff-Generator ist der wohl eindrucksvollste elektrostati­sche Generator, mit dem man in der Lage ist, viele Millionen Volt zu erzeugen. Mit Scheibeninfluenzmaschinen wurden immerhin Funken­schlagweiten bis zu einem Meter erreicht. Bei Scheibendurchmessern von 1,5-2 m dürften aber die Grenzen für solche Geräte absolut erreicht sein.
Mit kleineren Demonstrationsbandgeneratoren, wie sie im Schulunter­richt verwendet werden, können normalerweise Spannungen von 100.000-500.000 V erzeugt werden. Abb. 12.10 zeigt ein solches Gerät.
Der Van de Graaff-Generator hat seinen Namen nach Dr. Robert J. Van de Graaff, der am 12. Februar 1935 ein Patent mit der U.S.-Nr. 1 991 236 anmeldete. Bis zu 10 Millionen Volt wurden erzeugt nach seiner Entwick­lungsmethode. Benötigt wurde eine derart hohe Spannung in den Teil­chenbeschleunigern der Atomforschungslaboratorien.
Streng genommen war Van de Graaff nicht der eigentliche Erfinder des bandangetriebenen elektrostatischen Generators. Schon 1893 präsen­tierte Von Busch eine Anordnung mit zwei Rollen und einem horizontalen Band, Absaugkollektoren und einer isolierten Kugel. Sogar noch früher,
1785, erfand Rouland einen elektrostatischen Generator mit einem End-los-Seidenband, das zwischen zwei horizontalen Rollen lief und eine Kol­lektorröhre in der Mitte besaß.
 
11.1.2 Vereinfachte Erklärung der Funktionsweise
Ein Neopren-Endlosband läuft unten über eine Walze aus Isoliermaterial, z. B. Teflon, und oben über eine Metallwalze (Abb. 11.1 links). Die Tef­lonwalze wird von einem Motor angetrieben. Durch Ladungstrennung und Influenz entsteht z.B. negative Ladung auf dem nach unten laufenden Band. Diese wird durch den Saugkamm S, zur Erde abgeleitet. Die ver­bleibende positive Ladung wird nach oben transportiert, von dem oberen Absaugkamm S2 abgegriffen und auf der Konduktoraußenseite gesam­melt. Die verbleibende negative Ladung wird wieder nach unten transpor­tiert. Die Energieerzeugung erfolgt, wie in Abschnitt 1.6 beschrieben, durch das Trennen bzw. Auseinanderziehen der linken positiven und der negative Ladung, die sowohl auf dem nach unten laufenden Band als auch auf Masse sitzt. Es ist dies im Prinzip derselbe Vorgang wie bei der sektor­losen Influenzmaschine und ihren gegenläufig rotierenden Scheiben. Oft wird fälschlicherweise von Reibung zwischen dem Band und der Walze gesprochen. Die Maschine funktioniert aber auch völlig ohne Schlupf, nur durch das Berühren der Walzen mit dem Band. Auch beim Elektro-phor (Abschnitt 2) findet ja keine Reibung statt, sondern nur Berührung und Ladungstrennung durch Hochheben. Würde man die Metallwalze unten und die Kunststoffwalze oben anordnen (Abb. 11.1 rechts), so könnte man den Konduktor negativ aufladen. Zwischen den Konduktoren zweier solchermaßen unterschiedlich gefertigter Bandgeneratoren würde die doppelte Spannung (2 U) bzw. doppelte Schlagweite entstehen.

 
Der vom Bandgenerator abgegebene Strom errechnet sich wie bei der Influenzmaschine nach Abschnitt 7.2:
'„«„ = D,ma ■ F
F ist die Fläche des Bands, die in einer Sekunde am Saugkamm S2 vorbei
streicht, Dm„ beträgt 2,5 ■ 1(H
F-B-v [m2]
B = Breite des Bands [m]
v = Geschwindigkeit des Bands [m/sec]
Mit Walzen von 4 cm Durchmesser und 8 cm Breite würde bei einer Generatordrehzahl von 3.600 Umdrehungen/Minute ein theoretischer Strom von 15 uA abgegeben. Man kann den Bandgenerator grundsätzlich als Konstantstromquelle betrachten. Die erzeugte maximale Spannung hängt von der Größe und Beschaffenheit des Konduktors ab. Eine ideale Kugel von 40 cm Durchmesser (ohne Kanten oder sonstige kleine Krüm­mungsradien) könnte (theoretisch) auf 600 kV aufgeladen werden. Die Aufladung würde in ca. 1 Sekunde erfolgen, wobei dann jede Sekunde eine Entladung stattfindet. Diese idealen Werte werden natürlich in der Praxis nicht ganz erreicht.
Die Entladungen werden allerdings nicht so spektakulär wie bei der hier beschriebenen großen Influenzmaschine, da die Kapazität des Kondensa­tors nur ca. 25 pF beträgt. Die in Serie geschalteten Leidener Flaschen entsprechend Abschnitt 4.5.4 bringen es auf 360 pF!
11.2 Der Kelvinsche Wassertropfengenerator
Prinzipielle Wirkungsweise
Man kann einen sehr einfachen Hochspannungsgenerator bauen, ganz ohne bewegliche Teile, der seine Energie nur aus herunterfallenden Was­sertropfen bezieht. In Abb. 11.2 wird gezeigt, wie Wassertropfen durch Influenz aufgeladen werden und dann durch Ladungstrennung elektrische Energie erzeugt wird. Diese wird in einem Auffangbehälter gespeichert.
Aus einem Vorratsbehälter A fließt Wasser durch eine feine Düse B nach unten. Nach kurzer Fallzeit bilden sich aus dem zusammenhängenden Strahl Wassertropfen. Die Stelle, an der sich aus dem Wasserstrahl Trop­fen bilden, befindet sich in einem Metallzylinder, der positiv aufgeladen wird. Durch Influenz (siehe Abschnitt 1.5) wird der Wasserstrahl und somit auch die Tröpfchen negativ aufgeladen. Die positive Ladung zieht sich nach oben in den Behälter A zurück. Die negative Ladung der Trop-


 

Abb. 11.2: Wassertropfen werden durch Influenz negativ aufgeladen

fen sammelt sich im isoliert aufgestellten Auffangbehälter D. Dem Zylin­der C wird keine Energie entzogen. Die Energieerzeugung erfolgt wieder durch Ladungstrennung, wie in Abschnitt 1.6 beschrieben. Durch die Schwerkraft werden die negativ aufgeladenen Tropfen vom positiv gela­denen Zylinder weg nach unten gerissen. Die elektrische Energie, die im Behälter D gespeichert wird, kommt aus der potenziellen Energie des Wassers: Energie = Gewicht mal Höhe. Das Wasser hat also ursprünglich seine Energie dadurch erhalten, dass es auf die Höhe H über dem Erdbo­den entgegen der Schwerkraft gebracht wurde.
Würde das Wasser in einem ununterbrochenen Strahl herunterfließen, wären die Behälter A und D durch das Wasser kurzgeschlossen und es könnte sich keine Spannung zwischen ihnen aufbauen.
Baut man nun eine zweite identische Anordnung entsprechend Abb. 11.2 auf, aber mit negativ geladenem Zylinder C, dann wird der Auffangbehäl­ter D positiv aufgeladen. Verbindet man jetzt beide Anordnungen über Kreuz leitend miteinander, wie in Abb. 11.3 gezeigt, so kann sich die Anordnung selbst erregen und immer weiter aufladen, bis durch Isolation und Korona-Verluste eine Grenze erreicht wird.
Entscheidend ist es, dass sich die Tropfen innerhalb der Metallzylinder bilden, damit die durch Influenz erzeugte gleichnamige Ladung zurück in den Vorratsbehälter fließen kann. Da immer irgendwelche Restladungen vorhanden sind, erregt sich die Anordnung immer wieder von selbst.
Hinweise zum praktischen Aufbau eines Kelvin-Generators
Bei allen Metallteilen, Zylindern, Auffangbechern und Leitungsverbin­dungen müssen scharfe Kanten und kleine Krümmungsradien vermieden werden. Hochspannungszündkerzenkabel eignen sich als Verbindungs­leitungen. Als Isolationsmaterial kommt hauptsächlich Acrylglas infrage, da es eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit besitzt. Die Anordnung ist feuchtigkeitsempfindlich. Herumspritzende Wassertropfen können die Isolationsfähigkeit von Kunststoffteilen beeinträchtigen. Man benötigt einen sehr trockenen Raum, am besten mit Klimaanlage. Mit einem Föhn sollte man alle Isolierteile trocknen.
Die Wasserzuflussregelung kann man auf zweierlei Weise einstellen: Ent­weder man erzeugt große Tropfen durch wenig Wasserzutluss mit einer


 

Abb. 11.3: Kelvin-Generator

größeren Düse. Dadurch ergeben sich wenig Spritzer auf umliegende Teile. Die großen Tropfen werden auch nicht so stark elektrostatisch abgelenkt von den Auffangbehältern. Die Spannung wird höher, aber der Ladungstransport geringer, d. h. es dauert lange, bis die Auffangbehälter aufgeladen sind.
Erzeugt man viele kleine Tropfen durch einen dünnen Wasserstrahl, so entsteht ein größerer Ladungstransport. Es werden höhere Ströme erzeugt; die Tropfen können aber so stark abgelenkt werden, dass sie nicht mehr in die Auffangbehälter treffen. Dadurch entstehen unter Umständen Isolationsverluste durch Spritzwasser.
Man könnte auch viele Tropfen gleichzeitig erzeugen, indem man z. B. einen Brausekopf nimmt, bei dem die mittleren Löcher zugeklebt sind. Der Influenzring würde ja nur die äußeren Tropfen aufladen.
 
Nachweis der erzeugten Spannung
Verwendet man eine Anordnung, bei der die Austrittsdüse etwa 50 cm über den Auffangbehältern liegt, so können mit einer Kugelfunkenstrecke Entladungen von 5-10 mm Länge zwischen den Auffangbehältern beob­achtet werden. Man kann auch durch das Aufblitzen einer Energiespar­lampe die Spannung nachweisen. Bei kleineren Versuchsanordnungen könnte man den Spannungsnachweis mit dem Elektroskop (Abschnitt 10.1.6) führen.
Beschleunigung der Wiederaufladung
Wenn eine Funkenentladung stattgefunden hat, werden auch die Influenz­ringe entladen. Dadurch dauert es ziemlich lange, bis sich wieder die volle Spannung aufgebaut hat (bis zu 15 Sekunden).
Verbindet man die Auffangbehälter über einige in Serie geschaltete Hoch­spannungsdioden (Abb. 11.4), z. B. BY 711, dann werden immer nur die Kollektoren, nicht aber die Influenzringe entladen. Da diese ihre Ladung praktisch behalten haben, lädt sich jetzt der Generator schnell wieder auf.


 

Abb. 11.4: Kelvin-Generator mit Dioden BY 711

Weitere elektrostatische (Influenz-)Generatoren

11.3 Der „Schüttel-Generator"

Der Versuchsaufbau ist in Abb. 11.5 dargestellt.
Abb. 11.5: „Schüttel-Generator"
An den Enden einer Acrylglasröhre werden zwei Metallkugeln befestigt. In der Mitte des Rohrs wird eine Metallbarriere angebracht. Zwei Metall­kugeln können sich zwischen der jeweiligen Abschlusskugel und der Metallbarriere bewegen. Zwei Metallinfluenzringe werden mit der jeweils gegenüberliegenden Kugel leitend verbunden. Das Ganze wird an einen isolierten Griff (PVC oder Acrylglas) gehalten. Wenn sich durch Schütteln die Kugeln hin- und herbewegen, baut sich an den äußeren Kugeln eine hohe Spannung auf. Die äußeren Elektroden könnten z. B. mit Aluminiumfolie beklebte Holz
oder Styroporkugeln sein. Im Rohr könnten mit Aluminium beklebte Squash-Bälle laufen.

12 Historisches

Man kann die elektrostatischen Generatoren grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilen: Die erste Gruppe bilden die Maschinen, bei de­nen Ladung durch Reibung erzeugt wird. Entscheidend ist hier der direkte körperliche Kontakt zwischen zwei verschiedenen Material­oberflächen.
Otto von Guerickes sich drehende Schwefelkugel (1663), welche mit der Hand gerieben wird, war die frühe Form. Zur Zeit der Erfindung der Lei­dener Flasche durch Ewald Jürgen von Kleist, etwa um 1745, wurden auch Glaskugeln gedreht und mit der Hand gerieben (siehe Abb. 12.1),
In Abb. 12.2 wird eine Dame auf einem Isolierstuhl stehend aufgeladen. Der elektrische Kuss mit dem geerdeten Partner ist sicherlich nicht sehr angenehm.
Später, 1768, entwickelten Jesse Ramsden und Jan Ingenhousz Generato­ren mit Glasscheiben, die gegen Lederpolster rieben. Die Lederpolster waren mit Metallstaub überzogen und ersetzten so die Berührung mit der Hand. Abb. 12.3 zeigt die größte Elektrisiermaschine mit Glasscheiben des 18. Jahrhunderts.
Die Reibungsgeneratoren, die Glasscheiben benutzten, erreichten 1856 einen hohen Entwicklungsstand mit Karl Winters Gerät.
Die zweite Gruppe sind die so genannten Influenzmaschinen. Influenz bedeutet vereinfacht ausgedrückt: Man erzeugt einen elektrischen Zustand in einem Gegenstand allein durch die Annäherung an einen ande­ren elektrisch geladenen Gegenstand ohne einen direkten Kontakt zwi­schen beiden. Die ursprüngliche Influenzmaschine hat ihre Wurzeln in John Canton's „Theorie der Elektrifizierung ohne Berührung", 1753. Er stellt sich vor. dass es eine elektrische Atmosphäre gibt, ein Medium, das elektrische Körper umgibt und durch den Raum wirkt.

Abb. 12.1: Die Erfindung der Leidener Flasche

Später, 1787, beschreibt Abraham Bennet einen „Verdopplungs-Generator", der mittels Influenz sehr kleine Ladungen so verstärkt, dass größere Werte erzielt werden. Um 1800 erschienen neue Entwicklungen. Ihre Anzahl nahm um 1860 rasch zu.
Es ist unmöglich, alle diese Entwicklungen zu beschreiben, aber die populärsten waren Varley's Maschine (1860), Töplers Maschine (1865), Holtzens Maschine (1865), Leysers Maschine (1873) und Vossens Maschine (1880). Der Holtz-Generator wurde viele lahre lang für elek-trotherapeutische Zwecke benutzt und übertraf die Wimshurst-Maschine bei gutem Wetter.
Abb. 12.4 und 12.5 zeigen Maschinen alter Bauart nach Holtz und Töpler.
All diese frühen Entwicklungen litten entweder daran, dass sie bei schlechtem Wetter nicht ansprangen oder ihre Polarität wechselten. Der Polwechsel zwischen zwei Anschlüssen erfolgte plötzlich, womit eine zuverlässige Funktion nur eingeschränkt möglich war. 1878 gelang es James Wimshurst, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Er verbes­serte die Holtz-Maschine. 1883 erschien die Wimshurst-Maschine in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Erst 1882 wurden zwei Leidener
Flaschen als Speicherkondensatoren hinzugefügt. Dadurch verbesserte sich der Wirkungsgrad und die Funkenlänge zwischen den Entladekon-duktoren konnte vergrößert werden. Der Wimshurst-Generator erwies sich als sehr zuverlässig und startete auch bei dem feuchten englischen Klima, insbesondere wegen der Metallsektoren auf den beiden Scheiben.
Darüber hinaus erfolgte bei der Wimshurst-Entwicklung kein Polwechsel wie bei den anderen Maschinen. Dadurch erlangte die Wimshurst-Maschine große Beliebtheit in Europa. Viele Entwicklungen erschienen als Variation ihres Grundkonzepts.
Die größte Wimshurst-Maschine wurde 1885 gebaut. Sie hatte 10 mm dicke Glasscheiben mit 2,1 m Durchmesser. Jede Scheibe wog 70 kg. Im Betrieb erzeugte diese Maschine einen Strom kräftiger Funken mit einer Länge von 56 cm.
Um besonders große Mengen von Elektrizität zu erhalten, kann man nach Töpler mehrere Influenzmaschinen parallel schalten, d. h. ihre gleichna-
migen Konduktoren miteinander verbinden, wobei zweckmäßig, wie Abb. 12.6 zeigt, alle rotierenden Scheiben auf derselben Achse ange­bracht werden.
Noch mehr wird die Wirkung gesteigert, wenn man eine solche vielplat-tige Maschine in einem Kessel anbringt, in dem die Luft auf 3^1 Atmo­sphären verdichtet werden kann, da die Kompression der Luft die Spit­zenausströmung der Elektrizität erschwert. Unter den besten Bedingun­gen erreichte Funkenlänge von etwa der Hälfte des Scheibendurchmes­sers. Das jedoch war selten für die meisten selbst gebauten Geräte.
Der Strom oder die Menge der Ladung war genauso wichtig wie die Fun­kenlänge. Die gewöhnliche Methode, um zwei Entwicklungen derselben Größe und Geschwindigkeit zu vergleichen, war die Messung der Zeit, in der eine Leidener Flasche auf eine bestimmte Spannung aufgeladen wer­den kann. Die Messergebnisse waren jedoch nicht sehr genau. Es erscheint logisch, dass die Spannung von Influenzmaschinen grundsätz­lich vom Scheibendurchmesser abhängt. Eine Verdopplung des Durch­messers ergibt ungefähr eine Verdopplung der Spannung. Der Ausgangs­strom nimmt zu mit der Rotationsgeschwindigkeit der Scheiben und mit zusätzlichen Scheiben auf derselben Achse.
1890 und später erschienen modifizierte Wimshurst-Maschinen. Eine der wichtigsten Änderungen war das Entfernen aller Metallsektoren auf den
Scheiben. Bemerkenswert waren die Entwicklungen von Picolet (1892) und Bonetti (1893). Die Sektoren erzeugten große Verluste und ihr einzi­ger Vorteil war, dass die Maschinen sich selbst erregten. Zusätzlich kön­nen die Scheiben ohne Sektoren leichter sauber gehalten werden.
Beim Generator von Picolet (Abb. 12.7) sind die Ausgleichskonduktoren lang und besitzen viele Pinsel, die aber die Scheiben nicht berühren müs­sen.
Maschine von 1894
R. A. Ford beschreibt in seinem Buch den Selbstbau einer solchen sektor losen Influenzmaschine. Eine andere Lösung, um die Korona-Verluste der Metallsektoren zu verhindern, sind beschrieben in zwei Patenten von Wommelsdorf (1908-1913). Beim Typ Mercedes sind die Metallseg­mente in das vulkanisierte Scheibenmaterial eingegossen.
Die Segmente sind besser isoliert voneinander, Korona-Verluste werden dadurch verhindert. Die Maschinen reagieren nicht auf Feuchtigkeit. Es erfolgt praktisch kein Polwechsel mehr. Es wird ein größerer Ausgangs­strom erreicht, die Funkenlänge beträgt etwa zwei Drittel des Scheiben­durchmessers.

11 3 Der „SchMel-GenemtoF 125


 

Abb. 12.6: Vielplattige Influenzma­schine
 


 

Abb. 12.8 zeigt, wie mit der Influenzmaschine Typ Mercedes noch vor ca. 100 Jahren Röntgenröhren betrieben wurden. Zu dieser Zeit wurden die Maschinen aber bereits von rotierenden Umformern, die mit Wechsel­strom betrieben wurden, abgelöst. Die Influenzmaschinen verloren ihre Bedeutung.
Sehr hohe Spannungen bis zu mehreren Millionen Volt wurden später mit dem Bandgenerator von Van de Graaff (1931) erzeugt. Die vom Antriebs­motor gelieferte mechanische Leistung wird hier mit einem Wirkungs­grad von ca. 5 % in elektrische Leistung umgesetzt.
Im Physikunterricht an den Schulen werden gelegentlich noch Influenz­maschinen (Abb. 12.9), meist aber kleine Bandgeneratoren zu Demonst­rationsversuchen verwendet (Abb. 12.10).


 

Abb. 12.9: Influenzmaschine von Fa. Phywe (2002)



Abb. 12.10: Bandgenerator von Fa. Phywe (2002)