Experimente mit selbstgebauten
Influenzmaschinen
Elektrostatische Kräfte - Koronaeffekte - Durchschlag von isolierenden
Materialien - Elektrischer Wind
Für was man sich auch immer interessiert, entweder lustige Unterhaltung oder
ernsthafte physikalische Untersuchungen: Ich wünsche viel Spaß und frohes
Weiterentwickeln bei noch vertretbarem zeitlichem und finanziellem Aufwand
und mäßigem handwerklichem Geschick gemacht werden kann. Am Ende erreichte ich
maximal 50 cm Funkenschlagweite! Gelegentlich fragte mich beim Basteln meine
Frau oder mein Schwiegervater nach dem Sinn der Sache. Ich musste eingestehen,
dass mein Gerät - bereits vor mehr als 150 Jahren schon erfunden - eigentlich
keinen Sinn oder praktische Bedeutung hat. Verständnisloses Kopfschütteln.
Ich glaube aber, dass die Beschäftigung mit dieser Materie ein tiefes
Verständnis schafft für das Wesen der Elektrizität, insbesondere der
Elektrostatik, die ja in der modernen Elektrotechnik kaum mehr einen Platz hat.
Man bekommt ein Gefühl für die gewaltigen elektrostatischen Vorgänge in der
Natur, die bei jedem Gewitter, aber auch bei Vulkanausbrüchen beobachtet werden
können.
Dieses Buch enthält neben einer kurzen Erklärung der wichtigsten physikalischen
Grundlagen der Elektrostatik eine genaue Beschreibung für den Aufbau und Betrieb
von großen Influenzmaschinen. Es soll Leute ansprechen, die nicht nur passiv
unterhalten werden wollen, sondern die selbst aktiv basteln und experimentieren
wollen und auch eigene kreative Gedanken einbringen wollen. Viele Dinge auf dem
Gebiet der Elektrostatik sind bis heute noch nicht zu Ende entwickelt oder voll
durchdacht worden. Niemand weiß z. B., wie Kugelblitze entstehen. Ein Phänomen,
das Forscher erst seit wenigen Jahren kennen, sind die „Blue Jets": Blitze, die
an der Oberseite gewaltiger Wolken entstehen und in die Hochatmosphäre
hinaufschießen.
Ich möchte speziell Schüler, Studenten und ihre Lehrer auffordern, sich einmal
wissenschaftlich mit etwas wirklich Außergewöhnlichem zu beschäftigen. Die
handwerklichen Voraussetzungen für den Aufbau der hier beschriebenen Geräte sind
nicht sehr groß. Ein gut aufgebauter elektrostatischer Generator kann mehr
Spannung liefern als industriell gefertigte Hochspannungsgeneratoren, bestehend
aus Transformatoren, Gleichrichtern und Filtersystemen, die vielleicht Tausende
von Euro kosten.
Inhalt
1 Hochspannungserzeugung durch Influenz
und Ladungstrennung; Grundlagen................. 11
1.1 Elektrische Ladung................................ 11
1.2 Das elektrische Feld............................... 13
1.3 Dielektrische Eigenschaften der Materie ............... 17
1.3.1 Dielektrikum..................................... 17
1.3.2 Dielektrizitätskonstante ............................ 17
1.3.3 Verschiebungspolarisation .......................... 18
1.3.4 Orientierungspolarisation; Elektrete................... 19
1.4 Kapazität........................................ 20
1.4.1 Plattenkondensator................................ 20
1.4.2 Kugelkondensator................................. 22
1.5 Influenz......................................... 22
1.6 Energieerzeugung durch Ladungstrennung ............. 24
1.7 Sprühverluste in Luft, Spitzenentladung, Korona ........ 25
2 Der Elektrophor .................................27
2.1 Prinzipielle Wirkungsweise .........................27
2.2 Praktischer Aufbau eines einfachen Elektrophors ........29
3 Influenzmaschinen ...............................32
3.1 Erklärung der prinzipiellen Wirkungsweise
der Influenzmaschinen nach Töpler/Holtz..............32
3.2 Prinzipielle Wirkungsweise der sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst....................
34
4 Anleitung zum Selbstbau einer
Influenzmaschine nach Töpler/Holtz ................36
4.1 Herstellung der Scheiben ...........................36
4.2 Mechanischer Aufbau, Befestigung
der Getriebemotoren...............................39
4.2.1 Grundplatte und Motorstützen .......................39
4.2.2 Befestigung der Antriebsmotoren.....................41
4.3 Ausgleichs- bzw. Querkonduktoren...................42
4.4 Entladekonduktoren ...............................45
4.4.1 Entladekonduktor-Glassäulen........................45
4.4.2 Entladekonduktor-Stäbe............................46
4.4.3 Die Entladekugeln ................................47
4.5 Herstellung der Leidener Flaschen....................48
4.5.1 Auswahl geeigneter Gläser und Bekleben mit Metallfolie .. 48
4.5.2 Anschluss des Innenbelags..........................50
4.5.3 Befestigung des Absaugkonduktors...................52
4.5.4 Messung der Kapazität.............................53
4.5.5 Positionierung der Leidener Flaschen .................53
4.6 Verkabelung, Erdung. Motorregelung, Batterieversorgung . . 54
5 Inbetriebnahme der selbst gebauten Influenzmaschine (Töpler/Holtz)
...................57
5.1 Normaler Betrieb .................................57
5.2 Polwechsel ......................................60
6 Anleitung zum Selbstbau einer sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst..................62
6.1 Vergleich: Sektor-Maschine - sektorlose Maschine.......68
7 Spannung und Leistung der Influenzmaschinen.......69
7.1 Spannungsmessung mittels Funkenlänge...............69
7.2 Abgegebener Strom ...............................72
7.3 Leistungsbetrachtung ..............................73
8 Pflege, Reinigung, Wartung der Maschinen...........75
8.1 Scheiben........................................75
8.2 Leidener Flaschen.................................75
8.3 Glassäulen.......................................76
8.4 Entladekugeln, Verbindungsstäbe.....................76
8.5 Batterie.........................................76
8.6 Motoren ........................................76
9 Berührungssicherheit, Personengefährdung,
Ozon, Entladestab, Röntgenstrahlung ...............77
10 Experimente mit Influenzmaschinen ............... 81
10.1 Abstoßungs- und Anziehungskräfte.................. 81
10.1.1 Elektrostatische Motoren .......................... 81
10.1.2 Kugeltanz ...................................... 86
10.1.3 Das elektrostatische Pendel ........................ 87
10.1.4 Das „haarsträubende" Experiment................... 89
10.1.5 Teelicht-Experiment.............................. 91
10.1.6 Das Elektroskop ................................. 91
10.1.7 Die schwebende Rakete ........................... 96
10.2 Durchschlag von Glas............................. 98
10.3 Funkenüberschläge, Korona-Effekte, Blitztafel......... 99
10.4 Elektrischer Wind, Kerzenflammen-Experiment, Flügelrad 103
10.5 Darstellung des elektrischen Felds................... 106
10.6 Seifenblasen-Experiment .......................... 110
10.7 Rauchgaskondensations-Experiment ................. 110
11 Weitere elektrostatische (Influenz-)Generatoren...... 113
11.1 Der Bandgenerator............................... 113
11.1.1 Vorgeschichte ................................... 113
11.1.2 Vereinfachte Erklärung der Funktionsweise............ 114
11.2 Der Kelvinsche Wassertropfengenerator .............. 116
11.3 Der „Schuttel-Generator".......................... 120
12 Historisches.................................... 121
Anhang........................................ 131
Bezugsquellen................................... 131
Literaturhinweise ................................ 134
Sachverzeichnis................................. 137
1 Hochspannungserzeugung durch Influenz und Ladungstrennung; Grundlagen
1.1 Elektrische Ladung
Eine elektrische Ladung stellt man durch die Kraftwirkung fest, die von ihr auf
eine andere ausgeübt wird.
Elektrisch geladene Körper ziehen sich an oder stoßen sich ab. Gleichartige
Ladungen stoßen sich ab, ungleichartige ziehen sich an. Es gibt zwei verschieden
Arten elektrischer Ladungen, man nennt sie positive und negative Elektrizität.
Wie man die Masse eines Körpers durch sein Gewicht, d. h. die Kraft misst, die
die Erde auf ihn ausübt, so misst man die Menge der Elektrizität durch die
Kraft, mit der sie von einer anderen angezogen oder abgestoßen wird. Ein
Experiment ergibt, dass die Kraft, die zwischen zwei Ladungen Q, und Q2 wirkt,
dem Produkt aus den Mengen der einzelnen Ladungen direkt proportional und dem
Quadrat des Abstands r der Ladungen umgekehrt proportional ist.
Die praktische Einheit der elektrischen Ladung heißt l Coulomb (Cb) oder 1
Amperesekunde.
12 7 Hochspannungserzeugung
Q in Coulomb (Amperesekunden)
r in Metern
die Kraft in Großdyn (105 dyn)
Die Konstante, die den Namen Influenzkonstante oder absolute
Dielektrizitätskonstante trägt, hat den Zahlenwert:
eo = 8,86-10-12 — V-m
Auch die Elektrizität besteht aus kleinsten natürlichen Einheiten, den negativ
geladenen Elektronen und den positiven Protonen. Ihre Ladung, die
Elementarladung, ist dem Betrag nach gleich:
eo= 1,602- 10-19 Coulomb
Die Atome bestehen aus einem Kern, in dem neben Protonen auch Neutronen
enthalten sind. Dieser Kern, der weniger als den 10~l2ten Teil des Atomraums
erfüllt, ist in relativ großen Abständen von negativen Elektronen umgeben,
deren Zahl gleich der der Protonen im Atomkern ist. Bringt man außerhalb des
Atoms in einer Entfernung, die gegenüber den Abständen der Einzelladungen im
Atom groß ist, eine Ladung an, so sind die Kräfte, die von den Protonen auf
diese „Probeladung" ausgeübt werden, gerade entgegengesetzt gleich den von den
Elektronen herrührenden. Die resultierende Kraft ist also gleich Null. Man sagt
dann, die Gesamtladung des Atoms sei Null, es sei „neutral". Daher sind im
Allgemeinen die Körper neutral oder ungeladen, das bedeutet, dass sie keinen
Überschuss an geladenen Elementarteilchen einer Art besitzen. Die Aufladung
eines Körpers bedeutet also Vermehrung der Teilchen einer Art. Dies geschieht in
den meisten Fällen durch Platzwechsel von Elektronen. Der Körper, der Elektronen
abgibt, behält dann eine positive Überschussladung, er ist „positiv geladen".
Fügt man Elektronen hinzu, so wird er „negativ" aufgeladen.
Die elektrischen Ladungen unterliegen einem Erhaltungssatz: In einem
abgeschlossenen System bleibt die Summe der positiven und negativen Ladungen
konstant.
In den meisten Körpern sitzen die Elektronen in mehr oder minder fester Bindung
an den Atomen oder Molekülen. In solchen Körpern sind daher ohne Zufuhr von
Energie, welche zur Abspaltung von Elektronen aus dem
7.2 Das elektrische Feld 13
Atomverband aufgewandt werden muss, die Ladungen nicht verschieb-lich. Aber
auch von außen herangebrachte Ladungen haften dort, wo sie zugeführt werden; man
nennt solche Körper Isolatoren (Kunststoffe, Glas, Bernstein ...).
In den Metallen sind ein oder mehrere Elektronen pro Atom nicht mehr an die
Atome fest gebunden, sondern zwischen ihnen frei beweglich und unter der Wirkung
elektrischer Kräfte verschiebbar. Die Metalle binden Ladungen nicht an dem Ort,
an dem man sie zuführt. Sie verteilen sich vielmehr auf ihrer Oberfläche. Man
nennt die Metalle Leiter.
Apparate zur Messung elektrischer Ladungen heißen Elektrometer (siehe Abschnitt
10.1.6).
1.2 Das elektrische Feld
Ein elektrisch geladener Körper übt, ähnlich wie ein Magnet, in seiner näheren
Umgebung Kräfte aus, man sagt, er hat ein elektrisches Feld. Man denkt, dass die
elektrischen Feldlinien vom positiven Ladungsträger ausgehen und im negativen
einmünden. Im Gegensatz zu den magnetischen Feldlinien sind sie nicht
geschlossene Kurven, sondern enden dort, wo Ladungen sitzen. Sie enden nie frei
im Raum. Zwei Kraftlinien schneiden sich niemals. In einem homogenen
elektrischen Feld, d. h. in einem Feld, an dem an jedem Ort die Feldstärke den
gleichen Wert hat, verlaufen die Kraftlinien parallel. Wenn sie divergieren, so
nimmt in der Richtung, in der die Kraftlinien auseinander laufen, die Feldstärke
ab, in entgegengesetzter Richtung zu. Wo sie enger liegen, ist also die
Feldstärke größer. Das Kraftlinienbild eines elektrischen Felds vermittelt
demnach ein anschauliches Bild der Verteilung der Feldstärke.
Als Feldstärke bezeichnet man den Quotienten aus einer elektrischen Kraft (K) und der Ladung (Q), auf die sie in einem elektrischen Feld ausgeübt wird.
Ist s eine kleine Wegstrecke an der zu untersuchenden Stelle des Felds,
längs derer die Kraft K wirksam ist, so gilt: Arbeit = Kraft und Weg A = Ks=U-It=UQ
Daraus folgt für die Feldstärke:
Die Feldstärke
ist also auch das Verhältnis aus dem Spannungsabfall und der Länge des
Kraftlinienstücks, längs dessen der Spannungsabfall stattfindet. Ihre Einheit
ist:
Abb. 1.1 zeigt ein homogenes Feld, wie es zwischen zwei parallelen geladenen
Platten in geringem Abstand entsteht (Plattenkondensator).
Die Feldlinien sind gerade und alle senkrecht zu den Elektroden. Ihre Dichte,
das Maß für die Feldstärke, ist überall gleich. In einem solchen homogenen Feld
ist die Feldstärke gleich der anliegenden Spannung dividiert durch den
Plattenabstand:
E=V-s
Abb. 1.1: Kraftlinien des
Plattenkondensators
7.2 Das elektrische Feld 1 5
Abb. 1.2 zeigt das elektrische Feld einer einzelnen, isoliert stehenden
geladenen Kugel (Kugelkondensator). Auch hier sind alle Feldlinien senkrecht zur
Kugeloberfläche und gerade (radial). Ihr gegenseitiger Abstand wird nach außen
größer, das Feld wird also nach außen schwächer. Bei einer kleineren, gleich
stark geladenen Kugel sähe das Bild exakt genauso aus. Die Kugeloberfläche läge
jedoch weiter innen, sodass die Feldlinien an der Kugeloberfläche dichter lägen.
Das Feld der kleineren Kugel ist also an der Oberfläche stärker, weiter außen
aber gleich stark.
Abb. 1.3 zeigt das elektrische Feld zwischen zwei entgegengesetzt geladenen
Kugeln. Die Feldlinien enden zwar noch senkrecht auf den Elektroden, sind aber
nicht mehr gerade.
Abb. 1.4 zeigt das elektrische Feld zwischen zwei gleichen (positiven) Ladungen.
Abb. 1.2: Kraftlinien einer kugelförmigen (positiven) Ladung
Abb. 1.3: Kraftlinien eines „Dipols"
16 7 Hochspannungserzeugung
Abb. 1.5 zeigt das Feld zwischen einer geladenen Kugel und einer ebenen, großen
geerdeten Metallplatte. Die Oberfläche der Metallplatte wird negativ geladen. Es
wird auf ihr eine Ladung entgegengesetzten Vorzeichens durch Influenz gebunden,
deren Menge gerade gleich der der influ-enzierenden positiven Ladung ist. Das
elektrische Feld vor der Platte ist identisch mit dem Feld des Dipols
(Spiegelung). Die Feldlinien enden senkrecht auf der Platte.
Abb. 1.6 zeigt das Feld eines geladenen Leiters, der eine Spitze hat und sonst
rund ist. Die Feldlinien konzentrieren sich sehr stark auf die Spitze, die
Feldstärke ist hier sehr hoch. Allgemein gilt der Grundsatz, dass das
elektrische Feld an einer Leiteroberfläche umso höher ist, je stärker deren
Krümmung ist.
Abb. 1.4: Kraftlinien zwischen zwei gleichen (positiven) Ladungen
Abb. 1.5: Influenzwirkung einer geladenen Kugel
Abb. 1.6: Spitzenwirkung
7 3 DieletfSehe '§geliscli$en~derlStefS"'' 17
1.3 Dielektrische Eigenschaften der Materie
1.3.1 Dielektrikum
Stellt man zwischen ein Elektroskop (Abschnitt 10.1.6) und einem geriebenen
PVC-Stab eine Glasplatte oder eine Platte aus einem anderen Isolator, so findet
trotzdem ein Ausschlag statt. Während das elektrische Feld durch eine geerdete
Metallplatte abgeschirmt wird, greift es durch einen Isolator durch. Man
bezeichnet die isolierenden Stoffe als Dielektrika.
1.3.2 Dielektrizitätskonstante
a) Bringt man zwischen die Platten eines geladenen und dann von der Stromquelle
getrennten Kondensators einen Isolator, z. B eine Glas-
Tabelle 1.1: Dielektrizitätskonstante einiger Stoffe
18 7
Hochspannungserzeugung
oder Kunststoffplatte, so sinkt seine Spannung. Nach Entfernen der Platte steigt
die Spannung auf den ursprünglichen Wert. Dem Kondensator ist also keine Ladung
entzogen worden.
b) Entlädt man einen auf die Spannung U geladenen Kondensator, zwischen dessen
Platten vor der Aufladung ein Isolator geschoben wurde, über ein ballistisches
Galvanometer, so ist die nachgewiesene Ladung größer als bei einer Entladung des
auf gleiche Spannung geladenen Kondensators ohne Isolator. Durch das
Dielektrikum wird also die Kapazität des Leiters vermehrt.
Als relative Dielektrizitätskonstante £,. eines Stoffes bezeichnet man das
Verhältnis dieser (durch Einschieben des Stoffes) vermehrten Kapazität eines
Kondensators (C) zu seiner Kapazität im Vakuum
(cmcy.
1.3.3 Verschiebungspolarisation
Da beim Versuch in Abschnitt 1.3.2a) die Ladung erhalten bleibt, gilt:
d. h. die Spannung und auch die Feldstärke im Kondensator werden durch das
Dielektrikum auf i geschwächt. Da die Kondensatorladung durch das Dielektrikum
aber nicht geändert wird, müssen auf den Oberflächen des Mediums, die an der
Platte anliegen, polar entgegengesetzte Oberflächenladungen frei werden (vgl.
Abb. 1.7).
Das Zustandekommen dieser freien Oberflächenladungen des Dielektrikums im
elektrischen Feld kann wie folgt gedeutet werden:
Die elektrischen Ladungen, aus denen die Atome aufgebaut sind (die Kerne und die
Elektronen), sind nicht starr miteinander verbunden. Sie können durch ein
elektrisches Feld, das an den positiven Kernen und den negativen
Abb. 1.7: Freie Oberflächenladung eines Dielektrikums im elektrischen Feld
Abb. 1.8: Die Polarisation
der Atome
als Ursache der freien
Obertlächenla- —
düng
Elektronen angreift, so
verschoben werden, dass die Schwerpunkte der positiven und negativen Ladungen
nicht mehr zusammenfallen, das Atom also den Charakter eines Dipols annimmt
(vgl. Abb. 1.8).
Man bezeichnet die
Ladungsverschiebung mit dem Begriff Polarisation. Denkt man sich die Atome im
Innern des Dielektrikums wie in Abb. 1.8 zu Ketten geordnet, so müssen sich
die Ladungen in den Ketten bei gleicher Polarisierung (im homogenen
elektrischen Feld) kompensieren. An den Enden der Kette, also an der
Oberfläche des Dielektrikums, wird aber eine Oberflächenladung auftreten und
zwar auf der Seite, die der Feldstärkenrichtung abgewendet ist eine negative,
auf der anderen eine positive. Die Größe dieser Aufladung muss von der
Verschieblichkeit der Ladungen in den Atomen und deren Anzahl in der
Volumeneinheit abhängig sein.
1.3.4
Orientierungspolarisation; Elektrete
Einige Substanzen zeigen
neben der Verschiebungspolarisation, die aller Materie in elektrischen Feldern
eigentümlich ist, eine so genannte Orientierungspolarisation. Sie tragen
infolge ihres Aufbaus aus geladenen Atomen (so genannten Ionen) feste Dipole,
haben infolgedessen schon im feldfreien Raum ein elektrisches Moment. Einige
flüssige dielektrische Stoffe mit Orientierungspolarisierbarkeit (z. B. eine
Mischung von Harz und Wachs) behalten nach Erstarren in hohen elektrischen
Feldern ihre Polarisation auch nach Entfernen aus dem elektrischen Feld bei;
sie haben also ein permanentes elektrisches Moment. Sie tragen den Namen
Elektret.
20 Hochspannungserzeugung
Elektrete können als Elektrophorkuchen (siehe Abschnitt 2) verwendet werden. Sie behalten ihre Ladung bis zu einem Jahr.
1.4 Kapazität
Zwischen der Spannung U [V],
auf die man einen Kondensator auflädt, und der Ladung Q = I • t [Coulomb = Cb]
besteht der Zusammenhang Q =
CU.
Hierbei sagt die
Proportionalitätskonstante C = ^ F-^ aus, wie viel Ladung man dem Kondensator
zuführen muss, um ihn auf eine bestimmte Spannung aufzuladen. Sie ist folglich
ein Maß für das Fassungsvermögen des Kondensators für elektrische Ladung und
heißt deshalb Kapazität des Kondensators.
1.4.1 Plattenkondensator
Man nennt jede Anordnung zur
Speicherung einer elektrischen Ladung, bei der zwei Metallplatten einander
isoliert gegenüberstehen, einen Kondensator. Das elektrische Feld eines
Plattenkondensators zeigt Abb. 1.1. Die Kapazität eines Kondensators C
errechnet sich nach der Formel:
Mit größer werdender
Plattenfläche F [m2] nimmt die Kapazität zu, mit größerem Abstand s
[m] der Platten nimmt sie ab.
Die praktische Ausführung
eines Kondensators für sehr hohe Spannungen stellt die Leidener Flasche dar.
Es ist eine zylindrische Glas- oder Kunststoffflasche, die innen und außen
bis zu einer gewissen Höhe mit Metallfolie beklebt ist, siehe Abb. 1.9 (siehe
auch unter Abschnitt 4.5).
Abb. 1.9: Leidener Flasche
Die Kapazität
lässt sich nach der Formel für den Plattenkondensator berechnen. Die Fläche F
des Kondensators ist:
Die Kapazität wird für
folgende Abmessungen der Leidener Flasche berechnet:
H= 17,5 cm
D = 9,65 cm
s = 3,4 mm
£,. = 4,6 (Duranglas von
Schott)
22 - 7
Hochspannungserzeugung
Wurde man die Flasche aus
Acrylglas bauen, das ein er von ca. 3,0 besitzt, dann ergäbe sich
bei sonst gleichen Abmessungen eine Kapazität von 471 pF.
1.4.2 Kugelkondensator
Die Kapazität eines
Kugelkondensators (frei im Raum stehende Kugel) mit dem Radius R [m] beträgt:
Eine Kugel besitzt eine
relativ kleine Kapazität. Eine Kugel mit 1 cm Radius hat z.B. eine Kapazität
von 1,11 pF, eine solche mit 10cm Radius hat 11,1 pF.
Selbst eine Kugel von der
Größe der Erde hätte erst eine Kapazität von 710 uF. Die Kapazität eines
isoliert stehenden Menschen richtet sich natürlich nach seiner Größe, seinem
Körperumfang und auch seinem Abstand zu Fußboden, Wänden und Decke. Ich habe
bei mir im Selbst-Test entsprechend Abschnitt 4.5.4 eine Kapazität von ca. 70
pF ermittelt.
1.5 Influenz
Nach unserer Kenntnis vom Bau
der Atome sind in allen positive Ladungen und negative Elektronen enthalten.
Daher befindet sich in jedem Körper, auch wenn er nach außen unelektrisch
erscheint, in seinem Innern eine große Menge elektrischer Ladungen. Wenn
jedoch die Menge der positiven Ladungen ebenso groß wie die der negativen ist,
heben sie sich in ihrer Wirkung auf und der Körper ist elektrisch „neutral".
Bringt man einen isolierten,
ungeladenen Körper in ein elektrisches Feld (Abb. 1.10), so wird auf der Seite
der eintretenden Kraftlinien negative Ladung gebunden.
Die dem Betrag nach gleiche
positive Ladung befindet sich auf der abgewandten Seite. Von ihr treten dann
wieder Kraftlinien aus. An der Gesamtladung des Körpers ändert sich nichts,
sie ist, wenn sie vorher Null war, auch im Feld Null. Auch bleibt die
Feldstärke im Innern des Metallkörpers Null und sein
Potenzial konstant. Die Beeinflussung der Ladungsverteilung auf der Oberfläche
des Metallkörpers nennt man Influenz. Wenn man statt eines Körpers zwei vorher
entladene (neutrale) Metallplatten in einem elektrischen Feld zur Berührung
bringt (Abbildung 1.11), entstehen also durch Influenz auf der einen Platte
negative, auf der anderen positive Ladungen.
Trennt man nun die Platten im
Feld und führt jede einzelne aus dem Feld heraus, so bleibt die Ladung jeder
Platte erhalten, und zwar ist die Menge der auf der einen Platte vorhandenen
positiven Ladung gleich der negativen der zweiten Platte. Um die durch die
Influenz geladenen Platten im Feld zu trennen und sie aus dem Feld
herauszubewegen, muss eine Arbeit aufgewendet werden. Dieser Arbeit entspricht
die potenzielle Energie der im feldfreien Raum sich befindenden aufgeladenen
Platten.

Abb. 1.10: Influenzierte Ladungen auf einem ungeladenen Metallstück im
elektrischen Feld und die durch sie bewirkten Änderungen des Felds

Abb. 1.11: Ladungstrennung durch Influenz
24 7 Hochspannungserzeugung
Zum Nachweis der
beiden gleich großen entgegengesetzten Ladungen kann man mit der einen Platte
ein Elektrometer aufladen und es durch Berühren mit der anderen Platte wieder
entladen.

Abb. 1.12:
Feldverteilung während des Herausziehens der beiden durch Influenz geladenen
Platten - das ursprüngliche Kondensatorfeld bleibt bei dem ganzen Vorgang
unverändert
1.6 Energieerzeugung durch
Ladungstrennung
Ein Plattenkondensator mit
der Kapazität C enthält die elektrische Ladung Q und die Spannung U. Es gilt
die Beziehung Q = C • U. Die Platten des Kondensators stehen sich im Abstand
d gegenüber. Werden nun die Platten dieses geladenen Kondensators auf den
Abstand 2d auseinander gezogen, ist eine mechanische Energie (Arbeit)
erforderlich: A = K ■ d, d. h., Energie = Kraft mal Weg. Die Anzahl der
fehlenden bzw. überschüssigen Elektronen auf den Platten, die ein Maß der
Ladung sind, werden bei diesem Vorgang nicht verändert. Die Ladung Q bleibt
also konstant. Die Kapazität des Kondensators jedoch ist nach dem
Auseinanderziehen der Platten nur noch halb so groß wie vorher. Es gilt jetzt
die Beziehung:
Die Spannung hat sich also
verdoppelt.
Betrachtet man den
Energieinhalt des Kondensators vor und nach dem Auseinanderziehen der Platten,
so gilt:
Die Energie ist also jetzt
doppelt so groß wie vorher. Die mechanische Energie K • d wurde in elektrische
Energie
Bei der Influenzmaschine sind
die in Abb. 3.1 dargestellten, sich gegenüberliegenden Metallsegmente der
beiden Scheiben als geladene Kondensatoren zu betrachten, deren Kapazität
beim Drehen verringert wird, wodurch sich die Spannung und somit ihr
Energieinhalt erhöht. Auch beim Elektrophor (Abschnitt 2) wird durch das
Hochheben der Metallplatte (Bratreine) die Kapazität der Anordnung verringert
und dadurch die Spannung erhöht.
1.7 Sprühverluste in Luft,
Spitzenentladung, Korona
Die Spannung, bis zu der man
einen Kondensator aufladen kann, hängt nicht nur von der Durchschlagfestigkeit
des Zwischenmittels ab, sondern wird auch durch die Sprühverluste begrenzt. In
Luft von 1 atm tritt bei Feldstärken E > Emax = 3 kV/mm
Ladungsausgleich auf. Auf der Oberfläche der geladenen Kugel kann daher die
Feldstärke den angegebenen Wert nie überschreiten.
Setzt man beide Ausdrücke
einander gleich, so erhält man U = R- Emx.
Eine Kugel vom Radius 1 cm
kann also in Luft von 1 atm höchstens auf die Spannung 30 kV aufgeladen
werden. Hohe Spannungen setzen große Kondensatoren voraus. So muss z. B. ein
Konduktor, den man auf 1 MV
26
4 Hochspannungserzeugung
aufladen will, einen Mindestdurchmesser von 60 cm besitzen (z. B. Kon-duktor
eines Bandgenerators). Gibt man diesem Konduktor eine andere als die Kugelform,
sodass er Stellen mit kleinerem Krümmungsradius (Kanten, Ecken oder Spitzen)
besitzt, so kann man ihn nur auf kleinere Spannungen aufladen. Eine
Konservendose z. B. hat an ihren Rändern Krümmungsradien von ca. 1/3 mm. Das hat
zur Folge, dass man sie ganz unabhängig von ihrer Größe nur auf etwa 1.000 V
aufladen kann. Jede weitere zugeführte Ladung wird an den Stellen stärkster
Krümmung als Sprühentladung abgegeben. Würde man die Entladekugeln einer
Influenzmaschine durch Spitzen ersetzen, so käme es zu keinem Spannungsaufbau
und auch zu keiner Funkenentladung. Die von den Scheiben gelieferte Energie
würde sofort wieder als Korona-Entladung in den Raum entweichen.
Im verdunkelten Zimmer kann
man die Spitzenentladung als bläuliches Leuchten wahrnehmen. Die gleiche
Erscheinung kann man bei geeigneter Witterung an Hochspannungsleitungen
(Korona-Entladung) und auf Berggipfeln oder an der Mastspitze eines Schiffs
(St. Elmsfeuer) beobachten.
Diese Leuchterscheinungen
beruhen auf einer chemischen Wirkung beim Durchgang des Stroms durch die Luft.
Neben den chemischen Erscheinungen treten auch mechanische Wirkungen auf
(siehe Abschnitt 10.4).
2 Der Elektrophor
2.1 Prinzipielle
Wirkungsweise
Der Elektrophor kann als
vereinfachte Vorstufe der Influenzmaschinen betrachtet werden. Er kann bei
manchen elektrischen Fundamentalversuchen die Influenzmaschine ersetzen.
Johannes Wilcke entwickelte dieses Gerät 1762. Die Anordnung wurde später als
„ewiger Elektrophor" bezeichnet, denn wenn das Dielektrikum einmal geladen
war, konnte eine scheinbar endlose Menge an elektrischer Ladung nach
spezieller Handhabung erzeugt werden.
1775 gab Alessandro Volta der
Anordnung seinen Namen und verbesserte die Handhabung.
Prinzipielle Wirkungsweise
des Elektrophors:
Eine Scheibe aus
Isoliermaterial (Teflon, PVC, Acrylglas) der Kuchen g (siehe Abb. 2.1) liegt
auf einer metallenen Form nn. Der Kuchen wird durch Reiben mit einem Tuch
(Kunstfaser) z. B. negativ elektrisch gemacht. Diese negative Elektrizität
wirkt verteilend auf die beiden Elektrizitäten der Unterlage; die negative
(-) wird abgestoßen und entweicht in den Boden, die positive (+) wird nach der
unteren Kuchenfläche hingezogen. Diese positive Elektrizität der Unterlage,
die von der negativen der Kuchenoberfläche festgehalten wird, wirkt auf diese
bindend zurück und hindert sie daran, auf einen leitenden Körper, den man mit
ihr in Berührung bringt, überzugehen. Setzt man den Deckel p, eine mit
isolier-
Abb. 2.1:Elektrophor
2.2 Praktischer Aufbau eines einfachen Elektrcphors 29
Der Elektrophor kann als das
elektrische Analog zu einem Permanent-Magneten betrachtet werden. Es gibt
Kuchenmaterialien, die ihre Ladung bis zu einem Jahr behalten können.

Abb. 2.2: Elektrophor
30 2. Der Elektrophor
2.2 Praktischer Aufbau eines
einfachen Elektrophors
Eine Bratreine wurde so ausgewählt, dass der Boden
möglichst eben ist, d. h. ohne Wölbung oder Einbuchtung (mit einem Lineal
prüfen!). Ein isolierter Griff zum Hochheben wurde aus Kunststoff winkeln
angefertigt. Diese müssen natürlich mit Spiritus und dann mit einem trockenen
Tuch gesäubert werden.
Der Außenrand der Reine wurde mehrfach mit Isolierband umwickelt, um
Korona-Verluste an den scharfen Rändern zu vermeiden (siehe Abbildung 2.2).
Als Elektrophorkuchen diente eine 10 mm starke PVC-Platte. Angeblich soll die
Dicke des Dielektrikums (Kuchen) etwa 5 % des Kuchendurchmessers betragen, um
beste Ergebnisse zu erzielen. Die Fläche des Kuchens sollte etwas größer als die
Grundfläche der Reine sein. Die beiden aufeinander liegenden Flächen von Reine
und PVC müssen absolut eben sein! Unter die PVC-Platte wird eine Aluminiumfolie
geklebt, mittels derer die Anordnung geerdet werden kann. Es wurden aber auch
ohne diese Erdung sehr gute Ergebnisse erzielt.
Ursprünglich wurden Pelze oder Wolle verwendet, um die Kuchenoberfläche durch
Reiben zu erregen. Es genügt aber auch ein Seiden-Tuch, Satin-Tuch. Latex-Tuch
oder Flanelltuch. Alle Materialien müssen warm, trocken und sauber sein. Man
setzt jetzt die Reine auf den Kuchen auf, erdet sie kurz durch Berühren mit dem
Finger und hebt sie dann hoch. Bringt man den Finger (oder eine Kugel) in die
Nähe der Reine, erhält man einen nadelstichartigen kurzen elektrischen Schlag
und hört ein lautes Knistern. Der etwa 4 cm lange Funkenüberschlag ist auch bei
hellem Tageslicht sehr gut zu sehen (Abb. 2.3).
Bringt man eine Energiesparlampe in die Nähe des geladenen Elektro-phors, so
leuchtet diese kurz auf.
Die Reine hat sich dabei auf über 50.000 Volt aufgeladen. Mann kann diesen
Vorgang so oft wiederholen, bis man müde ist, ohne den Kuchen wieder aufladen
zu müssen. Betrachtet man eine kreisrunde Elektrophoran-ordnung, so gilt
grundsätzlich folgende Faustregel: Die erzielte Funkenlänge entspricht in etwa
10 % des Kuchendurchmessers. Die besten Ergebnisse erzielt man in einem mäßig
warmen, trockenen Raum.
Die kleinsten Kuchen, die gebaut wurden, hatten nur 3 cm Durchmesser

Abb. 2.3: 4-cm-Entladung aus dem Elektrophor (Videoaufnahme)
2.2 Praktischer Aufbau eines
einfachen Elektrophors 31
(zum Aufladen eines
Elektroskops). Einer der größten Elektrophore wurde 1777 von Prof. Lichtenberg
gebaut. Dieses Monster hatte 2,5 m Durchmesser und der Deckel wurde mit einem
Seil und einem Flaschenzug hochgehoben. Der Funke soll 35 cm lang gewesen
sein, dick und kräftig. Auf dem Harzkuchen des Elektrophors beobachtete er,
dass feine Staubteilchen an den Einschlagstellen strahlenförmige Figuren
bildeten (Lichtenberg-Figuren). Menschen, die vom Blitz getroffen wurden,
zeigten oft Verbrennungen, die dieselbe Gestalt wie Lichtenberg-Figuren
haben.
Tabelle 6.1 Abschnitt 6
enthält technische Daten von Kunststoffen, mit denen experimentiert werden
kann. Allerdings sind die für einen Elektro-phorkuchen wichtigen Eigenschaften
der Orientierungspolarisation nicht bekannt. Mit Teflon sollen angeblich
hervorragende Ergebnisse erzielt werden.
Mit dem Elektrophor lassen
sich bereits viele der Experimente von Abschn. 10 durchführen.
Die Abstoßungskräfte
gleichartiger Ladungen kann man eindrucksvoll in Abb. 2.4 sehen.

Abb. 2.4: Das „Elektrophor-Männchen"
zeigt sein Potenzial
3 Influenzmaschinen
3.1 Erklärung der
prinzipiellen Wirkungsweise der Influenzmaschinen nach Töpler/Holtz
Zwei Scheiben aus Isoliermaterial sind auf derselben Welle so angeordnet, daß
sie gegenläufig rotieren können.
Auf der Außenseite jeder Scheibe sind mehrere Segmente aus Metall aufgeklebt,
auf denen die Ladungen influenziert werden (siehe Abb. 3.1).
Die Abnahme der Ladung geschieht durch zwei Saugkämme S.
Die Schleifkontakte K, bis K4 sind paarweise metallisch verbunden. Die
Mittelpunkte der Verbindungsstäbe sind mit Massepotenzial verbunden.
Bei Inbetriebnahme der Maschine muß auf den Segmenten eine geringe Ladung
vorhanden sein, die meist als Restladung von früher her übrig ist oder
anderenfalls durch Reibung schnell entsteht.
In Abb. 3.1 sind solche im Beispiel positiven Restladungen. Nimmt man die
Maschine in Betrieb, so werden auf jedem Metallstück, das ins Feld der
Konduktorladungen kommt, die in gleicher Menge vorhandenen positiven und
negativen Ladungen durch Influenz getrennt, also auch auf den Segmenten b, die
sich an a vorbeibewegen. Dadurch werden alle Segmente, die an dem Schleifkontakt
K, vorbeistreichen, negativ und alle Segmente, die an K2 vorbeistreichen,
positiv aufgeladen.
In Abb. 3.1 (unten) sind jetzt die drei mit c bezeichneten Segmente negativ
geladen.
Sie influenzieren daher beim Vorbeigang der Segmente d auf diesen eine rund
dreimal größere Ladung, als wenn nur ein Segment geladen wäre, weil in d das
elektrische Feld der drei Konduktorladungen c zusammenwirkt.
Dadurch werden sämtliche an K3 vorbeistreichenden Segmente positiv und die an K4
vorbeigehenden Segmente negativ geladen. Kommen jetzt die Segmente d an die
Stelle a, so wiederholt sich der ganze Vorgang mit verstärkter Anfangsladung. Im
Endzustand sind, in
Drehrichtung gerechnet, alle Innensegmente zwischen K3 und K4 positiv und
zwischen K4 und K3 negativ und alle Außensegmente zwischen K, und K2 negativ und
zwischen K2 und K, positiv geladen, sodass man an
zwei gegenüberliegenden Stellen die Ladung von beiden Ringen mit Saugkämmen S
abnehmen kann.
Diese Ladungsabnahme kann nicht durch Schleifbürsten wie bei K, bis K4
geschehen, weil sich dabei die Segmente vollständig entladen würden, sodass sich
die Influenzmaschine nicht selbst erregen könnte. Die Wirkungsweise der
Saugkämme 5 wird durch folgenden Versuch erläutert:

Abb. 3.1 Prinzipielle Wirkungsweise der Segmentkränze der
Übersichtlichkeit halber konzentrisch liegend gezeichnet.
Abb. 3.2: Wirkung der Saugkämme
Bringt man in ein
elektrisches Feld einen mit einer Spitze versehenen ungeladenen Konduktor
(Abb. 3.2), so werden die im Konduktor enthaltenen Ladungen durch Influenz
getrennt. Die an der Spitze influenzierten Ladungen treten infolge der hier
großen Ladungsdichte in Luft über, sodass der Konduktor nach Herausnahme aus
dem elektrischen Feld geladen ist. Es hat den Anschein, als ob die Spitze
einen Teil der ihr gegenüberstehenden Ladung aus dem elektrischen Feld
aufgesogen hätte.
Auch dann, wenn die auf der
Influenzmaschine getrennten Ladungen nicht durch die Saugkämme abgenommen
werden, können sich die Segmente nur bis zu einer bestimmten Spannung
aufladen, die durch die Durchschlagfeldstärke der Luft und durch die
unvollkommene Isolation des Scheibenwerkstoffs bedingt ist.
3.2 Prinzipielle
Wirkungsweise der sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst
Es gibt jede Menge Theorien,
die versuchen, das genaue Funktionsprinzip dieser Maschine zu beschreiben.
Viele sind nicht leicht zu verstehen oder sind in sich nicht schlüssig. Es ist
anzunehmen, dass die sektorlose
3.1 Wirkungsweise sektorlose
Influenzmaschine 35
Maschine genau so arbeitet,
wie in Abschnitt 3.1 beschrieben.
Die Ladungen sitzen direkt auf der Scheibe
und man stellt sich einfach eine unendliche Anzahl von sehr schmalen Sektoren
vor.
Vergleichbar ist die
Wimshurst-Maschine auch mit dem Van de Graaff-Bandgenerator. Hier sitzt die
Ladung auf einem Endlosband aus Isoliermaterial.
Die negative Ladung wird z.
B. nach oben, die positive nach unten transportiert, was der gegenläufigen
Rotation der Scheiben entspricht (siehe Abb. 11.1).
4 Anleitung zum Selbstbau einer Influenzmaschine nach Töpler/ Holtz
4.1. Herstellung der Scheiben
Mit 90 cm
Scheibendurchmesser ist das Maximum erreicht, bei dem sich gerade noch ein
einigermaßen gleichmäßiger Parallellauf mit den kleinen Getriebemotoren
erreichen lässt. Wenn man sich schon einmal zum Bau einer solchen Maschine
entschließt und den zeitlichen Aufwand nicht scheut, muss das Ergebnis
beeindruckend sein. Der zeitliche und finanzielle Aufwand für den Bau einer
kleineren Maschine wäre ja fast genauso groß.
Im Kunststoffgroßhandel lässt man sich zwei PVC-Platten 900 x 900 x 3 mm
zuschneiden. Man muss darauf achten, dass die Oberflächen möglichst glatt und
ohne Kratzer sind. Weißes PVC-Material war im Betrieb genauso gut wie z. B.
graues.
Als erstes wird der Mittelpunkt der Scheiben ausgemessen und angekörnt. Mit
einem 50 cm langen Lineal wird jetzt der 45-cm-Radius Punkt für Punkt vom
Mittelpunkt aus in eine Scheibe geritzt. Dieses erscheint etwas mühsam, aber
einen Zirkel mit dieser Größe wird man kaum finden. Die Scheibe wird auf einen
Tisch gelegt. Als Unterlage verwendet man ein Tuch, um die Scheibe nicht zu
zerkratzen. Mit der Stichsäge, die von unten gegen die Platte gehalten wird,
kann jetzt der Kreis ausgeschnitten werden. Die Metallführung der Stichsäge
wurde mit glattem Tesa-Band überklebt, um beim Sägen die Scheibe nicht zu
zerkratzen. Die so ausgeschnittene Scheibe kann jetzt auf die zweite Platte
gelegt werden, um den Umfang einzuritzen. Diese kann in derselben Weise
ausgeschnitten werden. Als nächstes wird die Einteilung für die 30
Metallsegmente gemacht. Aus einem Kartonpapier wird eine Schablone mit ca. 80 cm
Durchmesser ausgeschnitten, der Mittelpunkt festgelegt und durchstoßen. Am
Außenrand der Kartonscheibe werden 30 Bleistiftmarkierungen in gleichmäßigem
Abstand d angebracht.
Bei genau 80 cm Durchmesser wäre d = ?5_5 = 8,37 cm. d ist die Länge des
Kreisbogenstücks, kann aber in etwa auch für die Gerade genommen werden.
Die Einteilung wird für die halbe Scheibe gemacht, beginnend von oben für ein
Viertel der Scheibe und von unten für das zweite Viertel. Die Kartonscheibe
wird jetzt auf die PVC-Scheibe so gelegt, dass die Mittelpunkte genau
zusammenpassen. An mehreren Stellen wird nun die Kartonscheibe mit
Klebestreifen auf der PVC-Scheibe befestigt. Die 30 Markierungen werden jetzt
in die PVC-Scheibe geritzt. Die Kartonscheibe wird entfernt. Mit einem 50 cm
langen Lineal wird jede der Markierungen von ca. 2,5 cm Entfernung vom
Scheibenrand bis 18 cm Entfernung vom Scheibenrand gut sichtbar eingeritzt.
Der Mittelpunkt der PVC-Scheibe wird jetzt mit einem 6-mm-Durchmes-ser-Bohrer
aufgebohrt. Zwei PVC-Vierecke 6 x 6 cm werden aus den PVC-Resten
herausgeschnitten und in der Mitte mit 6 mm Durchmesser durchbohrt.
Ein Zahnrad mit 40 mm Durchmesser (Conrad Electronic) wird unter Zwischenlegen
des 6-x-6-cm-PVC-Stücks mit einer 6-mm-Schraube und Mutter fest auf die
PVC-Scheibe (Seite mit den 30 Markierungen!) geschraubt {Abb. 4.2).
Am Umfang des Zahnrads werden, wie in Abbildung 4.2 gezeigt, drei Löcher mit 3
mm Durchmesser gleichzeitig durch das Zahnrad, das 6x6-PVC-Stuck und die
PVC-Scheibe gebohrt und 3-mm-Schrauben mit Gegenmutter eingeschraubt. Die
Madenschrauben des Zahnrads werden durch normale Zylinderkopf- oder
Senkkopfschrauben (M4 x 20) ersetzt. Nach dem Herausnehmen der 6-mm-Schraube in
der Mitte werden die
Abb. 4.1: Einteilung in 30 Abschnitte
4.2 Mechanischer Aufbau, Befestigung der Getriebemotoren 39
Die Ecken werden in der
gezeigten Weise abgerundet. Es empfiehlt sich, das dickere Alu-Band
(2,5-m-Rolle) zu verwenden, da das Aufkleben der dünneren Folie (10-m-Rolle)
etwas schwieriger ist.
Beim Aufkleben wird mit dem
breiteren Teil des Segments begonnen. Die Schutzfolie wird nur etwas
abgezogen, das Segment mittig auf die Markierung gesetzt - 2,5 cm vom
Scheibenrand entfernt - und dann unter Wegnehmen der Schutzfolie aufgeklebt
und glattgestrichen.
Nach dem Aufkleben der
Segmente sind die Scheiben jetzt einsatzfähig.
PVC ist ein billiges
Material, das bei halbwegs trockener Luft gute Ergebnisse liefert. Vielleicht
werden mit dem etwas teureren Acrylglas (PMMA) bei höherer Feuchtigkeit
bessere Ergebnisse erzielt. Es besitzt auch eine etwas größere mechanische
Festigkeit als PVC. Wegen des geringeren spezifischen Gewichts können 4 mm
starke Platten verwendet werden.
Ein besonders gutes Material
soll auch Epoxy-Glas sein, eine Art gewalztes Phenolharz mit hoher
Dielektrizitätskonstante und geringer Feuchtigkeitsaufnahme.
4.2 Mechanischer Aufbau,
Befestigung der Getriebemotoren
4.2.1 Grundplatte und
Motorstützen
Der Aufbau der Maschine
erfolgt auf einem plastifizierten Holzbrett mit den Abmessungen 980 x 560 x 20
mm (Abb. 4.4). An die vier Ecken werden Stahlfüße angeschraubt. Je länger
diese sind, desto wackeliger wird natürlich die gesamte Anordnung.
Empfehlenswert sind sehr kurze Beine von ca. 10 cm Länge, sodass die ganze
Anordnung auf einen nicht zu hohen Experimentiertisch gestellt werden kann.
Die Antriebsmotoren werden auf zwei PVC-Stützen mit den Abmessungen 440 x 70 x
20 mm montiert (Abb. 4.7 und 4.8). Es muss natürlich kein PVC sein, stabiles
Holz ist genauso gut geeignet, da keine besonderen Anforderungen an die
Isolationseigenschaften des Materials gestellt werden. Die Motoren und
Querkonduktoren befinden sich auf OV = Masse - Potenzial.
40 4 Selbstbauanleitung
einer Influenzmaschine

Abb. 4.4 Grundplatte mit PVC-Stützen
Abb. 4.5: Befestigung der PVC-(Holz-)Stützen
1-4.2 Mechanischer Aufbau,
Befestigung der Getriebemotoren 41
Die beiden PVC-Stützen werden
mit Metallwinkeln auf die Grundplatte geschraubt (Abb. 4.5). Entsprechende
Winkel und passende Schrauben und Gegenmuttern dürfte jeder einigermaßen
erfahrene Bastler leicht finden.
4.2.2 Befestigung der
Antriebsmotoren
Es werden zwei 6
V-Getriebemotoren (Conrad Electronic) verwendet. Abb. 4.6 zeigt einen
Getriebemotor.
Die Motoren werden mithilfe
der zugehörigen Montagewinkel so auf den PVC-Stützen befestigt, dass sich die
Achsen im Abstand von 23 mm gegenüberstehen (Abb. 4.6).
Abb. 4.6: 6 V-Getriebemotor


Abb. 4.7: Getriebemotoren, Seitenansicht

Abb. 4.8: Getriebemotor, Frontansicht
4.3 Ausgleichs- bzw.
Querkonduktoren
Wegen der leichteren
Herstellbarkeit und Handhabung wurden vier gleichartige Konduktorarme gebaut,
die dann paarweise diagonal eingestellt werden müssen. Abb. 4.9 zeigt einen
solchen Querkonduktorarm.
Es wurde ein 6-mm-Messingrohr
verwendet. In das Ende des umgebogenen Teils wird ein 20 mm langes
Messingröhrchen mit 4 mm Durchmesser gesteckt und, wie in Abb. 4.9
dargestellt, mit einer M3-Schraube und Gegenmutter befestigt. An dieses
Röhrchen wird die Entlöt-Litze angelötet. Der Sinn des eingeschraubten Teils
ist folgender:
1.
Nach längerem Gebrauch kann ein
oxidierter oder beschädigter Pinsel
leicht
erneuert werden.
2.
Zum Experimentieren mit einer sektorlosen Maschine können auch
breitere
Einsätze mit mehreren Pinseln ausprobiert werden.
3.
Es können auch Einsätze mit
anderen Materialien ausprobiert werden,
wie z. B. Aluminiumfolienstreifen,
Antistatic-Pinsel aus Laserdruckern
oder Kopierern, Kohlefaserpinsel eines Sportpfeils usw.
Die vier Querkonduktorarme
werden jetzt mit M3-Schrauben und Muttern an die Aluminiumwinkel geschraubt
(Abb. 4.10 und 4.11).
4.3 Ausgleichs- bzw. Querkonduktoren 43

Abb. 4.9: Querkonduktorarm

Abb. 4.10: Querkonduktorbefestigung
44 4 Selbstbauanleitung einer Influenzmaschine

Abb. 4.11: Obere Querkonduktorarme
Um sie in die richtige
Position zu bringen, müssen die Scheiben auf die Getriebemotorachsen montiert
werden. Die PVC-Scheiben sollen einen gegenseitigen Abstand von ca. 10 mm haben.
Ein kleinerer Abstand wäre zwar besser, setzt aber einen parallelen Lauf der
Scheiben voraus. Die Querkonduktoren werden so zurechtgebogen, dass die Pinsel
die Metallsegmente der Scheiben nur ganz leicht berühren, ohne sie zu
zerkratzen.
4.4 Entladekonduktoren 45
4.4 Entladekonduktoren
4.4.1
Entladekonduktor-Glassäulen
Die Entladekonduktor-Stäbe
werden an zwei Glassäulen mit den Abmessungen 490 x 30 x 10 mm befestigt. Die
Säulen werden mit einer 5-mm-Bohrung, 20 mm vom oberen Ende entfernt,
versehen. Unten müssen die Bohrungen für die Befestigungswinkel angebracht
sein. Die Glaserei bohrt und entgratet die Löcher entsprechend den jeweiligen
Maßangaben. Nach gründlicher Reinigung der Glassäulen mit Spiritus werden sie
lackiert. Ich habe gute Ergebnisse mit einem farblosen Holzlack erzielt. Die
mit stabilen Metallwinkeln versehenen, fertig gebohrten und lackierten
Glassäulen werden dann im gegenseitigen Abstand von 690 mm an den vorderen
Rand der Montagegrundplatte geschraubt (Abb. 4.12).
Dieser Abstand bezieht sich
auf die größten Entladekugeln (Abschnitt 4.4.3). Bei kleineren Kugeln muss der
Abstand verringert werden. PVC-Stäbe isolieren zwar ausgezeichnet, sind aber
mechanisch nicht fest genug. Mit Acrylglasstäben kann man wahrscheinlich auch
sehr gute Ergebnisse erzielen.

4.4.2 Entladekonduktor-Stäbe
Es wurden Aluminium-Rundstäbe
(Vollmaterial) mit 8 mm Durchmesser verwendet. In die beiden Enden der 345 mm
langen Stäbe wird ein M8-Gewinde etwa 20 mm lang eingeschnitten. 30 mm von
einem Stabende wird eine 5-mm-Bohrung angebracht und entgratet. Auf dieses
Stabende wir ein 20-mm-Durchmesser-Polyamid-Stab von 300 mm Länge geschraubt.
Dieser muss zuvor mit einer M8-Gewindebohrung und am anderen Ende mit einer
M4-Gewindebohrung für die Gegengewichtmontage versehen werden. Die Abb. 4.13
und 4.14 zeigen die Befestigung des Entladekonduktor-Stabs an der Glassäule.
Der Polyamid-Griff wurde
möglichst nahe an die beiden Befestigungskugeln herangeführt, um
Korona-Verluste zu vermeiden. Er muss aus diesem Grunde an beiden Seiten, zur
Kugel hin und an der Glassäule, etwas abgefeilt werden. Ans Ende der
Polyamid-Griffe wurde als Gegengewicht je eine Messingkugel montiert. Mit den
50-mm-Aluminium-Hohlkugeln werden nun die Konduktorarme an den Glassäulen
angeschraubt. Man darf nicht zu fest andrehen, um die Gewinde der Kugeln nicht
zu beschädigen. Bei der abgebildeten Maschine (Abb. 5.3 und 6.2) sind die
Polyamid-Griffe zu kurz.

Abb. 4.13: Entladekonduktor-Stab - Befestigung

Polyamid Griff 20 mm® > 300 mm
Abb. 4.14:
Entladekonduktorstabefestigung
4.4.3 Die Entladekugeln
Von der Größe und Qualität der Entladekugeln hängt in
entscheidendem Maße die Schlagweite der Maschine ab. Insbesondere der positive
Pol = Doppelkugel muss absolut hochglanzpoliert und sauber sein. Meine Suche
nach geeigneten billigen Kugeln in Haushaltswarengeschäften verlief
erfolglos. Es wurden daher industriell gefertigte und hochglanzpolierte
Kugeln verwendet (siehe „Bezugsquellen", Seite 131).
Positiver Pol:
Untere Kugel = 100 mm Durchmesser mit einem Sacklochgewinde M8. Am
gegenüberliegenden Ende wird ein M5-Gewinde eingebohrt.
Obere Kugel = 60 mm Durchmesser mit einem Sacklochgewinde M5. Die beiden
Kugeln werden mit einem Gewindestab M5x20 zusammengeschraubt und dann an den
Konduktorstab geschraubt.
Beim negativen Pol können kleinere Abstriche in der Qualität gemacht werden.
Je größer diese Kugel ist, desto größer wird die Schlagweite. In einem
Baumarkt fand ich eine 180-mm-Durchmesser-Plastikhohlkugel. Eine über einer
Flamme erhitzte M8-Mutter wurde in die Befestigungsöffnung der Kugel gedrückt
und dann festgeklebt. Die Kugel wurde mit
Aluminium-Klebefolie beklebt und alle Erhebungen und Falten so gut wie möglich
glattgestrichen.
Wie in Abb. 5.3 gezeigt, wird der rechte (= P
Plus-)Pol im 45-Grad-Winkel eingestellt, um große Schlagweiten zu erzielen.
Eine 300-mm-Durchmes-ser-Styroporkugel, mit Alufolie beklebt, als Minuspol
ergab 50 cm Schlagweite (mit der sektorlosen Maschine)! Eine 120-mm-Kugel
ergab dagegen nur max. 44 cm.
4.5 Herstellung der Leidener Flaschen
4.5.1 Auswahl geeigneter Gläser und Bekleben mit Metallfolie
Die Leidener Flasche wurde bereits 1745 von Ewald von Kleist erfunden. Man
bezeichnete sie als „Apparat zur Ansammelung von Elektrizität". Sie besteht im
Prinzip aus einem Glasgefäß, das innen und außen bis auf mehrere Zentimeter
vom Rand mit Metallfolie beklebt ist (siehe auch Abschnitt 1.4). Zunächst
begann ich mit Senfgläsem und Einmachgläsern herumzuexperimentieren. Mit
größer werdenden Scheiben waren diese Gläser dann nicht mehr ausreichend. Die
meisten wurden durchschlagen, oder die Isolationseigenschaften waren zu
schlecht. Glasvasen aus Kaufhäusern waren oft sehr unregelmäßig geblasen oder
enthielten Luftblasen. Einige Glassorten haben schlechte
Isolationseigenschaften oder nehmen zu viel Feuchtigkeit aus der Luft auf.
Rein zufällig kam ich an einer Universitätsglasbläserei vorbei und fragte nach
den Preisen. Ich war natürlich der Meinung, dass die Gläser hier sehr teuer
sein müssten. Tatsächlich aber waren hier maßgeschneiderte Glaszylinder nicht
teurer als Kaufhausvasen. Sie waren überdies äußerst exakt nach Maßangaben
gefertigt, hatten keine Lufteinschlüsse oder Unregelmäßigkeiten in der
Wandstärke. Hervorragende Isolationseigenschaften, hohe Durchbruchspannung und
geringe Wasseraufnahme waren weitere Merkmale dieser Gläser.
Man könnte natürlich auch mit Acrylglasröhren experimentieren. Auf einer Seite
muss dann ein Abschlussdeckel aufgeklebt werden. Wegen des geringeren er wäre
bei sonst gleichen Abmessungen die erzielte Kapazität um ca. 35 % geringer
als mit Duran-Glas. Die hier verwendeten Gläser haben folgende Abmessungen:
Zylinderhöhe: 400 mm Außendurchmesser: 100 mm Wandstärke: 3,4 mm
Die Gläser werden zunächst mit Spiritus innen und außen gesäubert und dann im
Heißluftofen bei ca. 80 °C zwei Stunden lang getrocknet.

Zum Bekleben wurde
dann Aluminium-Klebefolie verwendet (10-m-Rolle, Tesa). Will man kräftige,
lautstarke Entladungen haben, die aber in etwas größeren Abständen kommen, so
sollte man die Flaschen etwa maximal 175 mm hoch bekleben. Bei einer Höhe der
Klebefolie von 110 mm ergibt sich eine kleinere Kapazität (ca. 470 pF),
dünnere Funkenentladungen, die nicht ganz so lautstark sind, dafür aber
häufiger kommen. Mit den 470-pF-Leidener-Flaschen werden auch etwas größere
Schlagweiten erzielt als mit den 720-pF-Flaschen.
Nachfolgend wird die
Herstellung der großen 720-pF-Flaschen beschrieben.
Beim Bekleben geht man
folgendermaßen vor: Man schneidet von der 5 cm breiten Klebefolie ein Stück
mit einer Länge von ca. 220 mm herunter. Die Schutzfolie wird nur wenige
Zentimeter abgezogen und die klebende Aluseite innen am Glaszylinder, 170 mm
vom Boden entfernt, angeklebt. Unter langsamem Abziehen der Schutzfolie kann
die Alufolie jetzt an die Glaszylinderinnenwand von oben nach unten angedrückt
und glattgestrichen werden. Die Folie endet etwa in der Mitte des
Glaszylinderbodens. Die nächste Bahn wird wieder senkrecht von oben nach
unten, ein paar Millimeter mit der vorhergehenden Bahn überlappend, eingeklebt
usw. Die Außenseite des Glaszylinders wird ebenfalls von oben nach unten
beklebt. Eine Alufolienbahn ist dann etwa 235 mm lang.
Da die einzelnen
Alufolienbahnen aufgrund der Isolationseigenschaften des Klebstoffs nicht
unbedingt leitend miteinander verbunden sind, empfiehlt es sich, mit einer
Stecknadel die Überlappungsstellen mehrfach zu durchstoßen. Die dann
niederohmig leitend verbundenen Bahnen lassen sich mit einem Ohmmeter
nachmessen (R < 0,3 Ohm). Bei verschmutzten Flaschen oder solchen, bei denen
die Alufolie zu weit hinaufgeklebt wurde, erfolgt eine vorzeitige Entladung
außen entlang der Glasoberfläche,
4.5.2 Anschluss des
Innenbelags
Als Mittenanschluss der
Leidener Flaschen wird ein Messingstab mit 6 mm Durchmesser und 480 mm Länge
verwendet (Vollmaterial). Am oberen Ende des Stabs wird ein Gewinde M6
geschnitten, 18 mm lang. Am unteren Ende werden zwei Aluminiumwinkel
befestigt. Sie werden von einem Flachstab 20 mm x 2 mm abgeschnitten und im
rechten Winkel gebogen. Die Winkel werden mit M3-Schrauben und Muttern an den
Messingstab angeschraubt (Abb. 4.15). Die Ecken der Winkel werden mit
der Feile abgerundet. Zwei PVC-Stützringe, 92 mm Durchmesser mit
Abb. 4.15: Leidener Flaschenanschluss
einer Mittenbohrung von 6 mm
Durchmesser, halten den Abstand zur Glasinnenwand. Sie werden durch Umwickeln
des Mittenstabs mit ein paar Windungen Isolierband in der vorgeschriebenen
Höhe gehalten.
460 mm vom unteren Stabende
entfernt wird ein Gewinde M4 gebohrt. Hier wird dann der Stab mit dem Saugkamm
eingeschraubt.
Auf das obere Ende des
Messingstabs wird eine Aluminium-Hohlkugel mit 80 mm Durchmesser geschraubt.
Entsprechend Abschnitt 1.7 kann diese Kugel ohne Sprühverluste bis etwa 120 kV
aufgeladen werden. Hier könnte auch eine mit Aluminiumfolie beklebte billige
Holz- oder Plastikkugel verwendet werden. Im Dunkeln sollte man an einer so
geladenen Kugel beobachten, ob irgendwo an der Oberfläche Korona-Entladung
auftritt.
Die Anordnung entsprechend
Abb. 4.76 kann jetzt einfach in die Leidener Flasche hineingestellt
werden.

Abb. 4.16: Leidener Flasche (720 pF) mitAbsaugkonduktor
4.5.3 Befestigung des
Absaugkonduktors
Ein Messingstab mit 4 mm
Durchmesser, 245 mm lang, wird an beiden Enden mit einem Gewinde M4, 8 mm
lang, versehen. Eine in einem Haushaltswarengeschäft erhältliche Kugel (siehe Abb. 4.17) mit 25 mm Durchmesser wird in der Kugelmitte mit einer
2-mm-Bohrung versehen. In diese Bohrung steckt man ein Stück zusammengerollte
Aluminiumfolie, etwa 20 mm lang. Die Kugel wird auf den Messingstab und
dieser auf den Mittelstab der Leidener Flasche geschraubt (siehe Abb. 4.17).
Zur Verringerung von
Korona-Verlusten werden alle Messingstäbe mit PVC-Schläuchen überzogen. Der
optimale Abstand der Absaugkonduk-torspitze zur Scheibe muss experimentell
ermittelt werden (Richtwert: 10-15 mm).
Noch einfachere
Absaugkonduktoren wurden aus Teelichtbechern hergestellt, siehe Abb. 4.18.
Diese Anordnung lieferte bei der sektorlosen Maschine (Abschnitt 6) die besten
Ergebnisse. Der Rand der Becher hatte einen Abstand von ca. 20-25 mm zu den
Acrylglasscheiben.

Abb. 4.17: Absaugkonduktor
4.5.4 Messung der Kapazität
Man schließt die Leidener
Flasche, wie in Abb. 4.19 dargestellt, an eine 220-V/50-Hz-Steckdose an
und misst den Wechselstrom mit einem passenden Messgerät.
Abb. 4.19: Kapazitätsmessung
4.5.5 Positionierung der
Leidener Flaschen
Die Leidener Flaschen
werden nur hingestellt, nicht befestigt. So können sie jederzeit schnell
vertauscht, ausgewechselt oder optimal positioniert
werden. In Abb. 4.20 sieht man im Vordergrund die rechte Leidener Flasche
(Pluspol), deren Abschlusskugel einen Abstand von 1—2 mm zur Kugel der
Acryl-Glassäule haben soll. (In Abb. 4.20 wurde eine PVC-Säule verwendet.)
4.6 Verkabelung, Erdung,
Motorregelung, Batterieversorgung
Die beiden Getriebemotoren
werden parallel geschaltet. Der Minuspol jedes Motors wird leitend mit dem
jeweiligen Aluminiumwinkel verbunden, an dem die Querkonduktoren angeschraubt
sind. Die Spannungsversorgung erfolgt über Koaxialkabel: Innenleiter =
Pluspol/Außenleiter = Minuspol. Die Koaxialkabel verlaufen an den PVC-Holmen
entlang nach unten. Die weitere Verkabelung erfolgt unter der Montageplatte (Abb. 4.21).

Abb. 4.20: Rechte (= positiv geladene) Leidener Flasche

Abb. 4.21: Motorverkabelung
Zur Drehzahlregelung dient
ein Draht-Drehwiderstand auf Keramikkörper 40 W linear, 4,8 Ohm. Das Ein- und
Ausschalten erfolgt mithilfe eines Kippschalters, der für eine Schaltleistung
von ca. 4 A bei 12 V ausgelegt sein soll. Schalter und Drehwiderstand werden
auf einer Epoxydplatte 160 x 70 mm befestigt. Diese wird seitlich an der
Grundplatte angeschraubt. An zwei Steckbuchsen kann dann eine
12-V-Autobatterie angeschlossen werden.
Abb. 4.22 zeigt die Schaltung des gesamten Antriebssystems.
Besonders wichtig ist eine
eindeutige Erdung des gesamten Systems, um ungewollte elektrostatische
Aufladungen zu vermeiden. Die beiden Leidener Flaschen stehen auf einer etwa
5 cm breiten Aluminiumfolie, sodass ihre Außenbeläge leitend verbunden sind.
Diese Verbindungsfolie ist mit einem Aluminiumstreifen verbunden, der, wie in Abb. 4.23 dargestellt, auch die beiden Außenleiter-Koaxialkabel
verbindet und an welchem dann über ein Verbindungskabel (Krokodilklemmen) die
gesamte Anordnung an der Dampfheizung oder Wasserleitung geerdet wird.
Abb. 4.22: Schaltung des
Antriebssystems
Abb. 4.23: Gesamtsystem-Erdung (von oben)
Eine Erhöhung der
Funktionszuverlässigkeit wurde bei der sektorlosen Maschine (Abschn. 6) durch
eine noch besser geerdete Montageplatte erzielt! Man klebt weitere miteinander
leitend verbundene Aluminiumfo-lien-Streifen auf die Montageplatte, an den
Leidener Flaschen beginnend, sowohl außen herum, als auch von links nach rechts
unter den Kunststoffscheiben hindurch.
5 Inbetriebnahme der selbst
gebauten Influenzmaschine (Töpler/Holtz)
5.1 Normaler Betrieb
Bevor die Maschine sich
selbst erregt, sollte man einen der vier Querkon-duktorarme entfernen und dann
einschalten. Die vordere Scheibe auf der Seite der Entladekugeln und der
Leidener Flaschen muss sich im Uhrzeigersinn, also nach rechts, drehen. Der
Abstand der Scheiben wird jetzt durch kleinere Korrekturmaßnahmen an der
Motorbefestigung oder an den Motorstützen auf etwa 10 mm eingestellt. Es
sollte sich ein halbwegs paralleler Lauf der gegenläufig rotierenden Scheiben
ergeben, ohne dass sich diese berühren. Die Ausgleichskonduktorpinsel berühren
die Scheiben nur ganz wenig und können ein leichtes Eiern der Scheiben
ausgleichen. Nachdem der zuvor entfernte Querkonduktorarm wieder montiert ist
und die Maschine in Betrieb genommen wird, geht die Drehzahl sofort durch die
Erregung und die dadurch entstehenden elektrostatischen Kräfte zwischen den
Scheiben zurück. Ein im Raum befindlicher kleiner transportabler
Kurzwellenempfänger würde ein deutliches lautes Prasseln hören lassen. Man
wird die Schlagweite am Anfang vielleicht kleiner einstellen, z. B. auf 30 cm,
und dann allmählich vergrößern. Man berührt dabei den Isoliergriff einer der
beiden Konduktoren unmittelbar nach einer Entladung. Wenig empfehlenswert ist
es, beide Griffe gleichzeitig und kurz vor einer bevorstehenden Entladung
anzufassen.
Der Abstand der Scheiben wird
sich nach Erregung aufgrund elektrostatischer Anziehungskräfte an bestimmten
Stellen unterschiedlich verringern.
Zur Erzielung möglichst hoher
Spannungen und großer Funkenlängen werden die Querkonduktorarme steil, wie
in Abb. 5.1 gezeigt, eingestellt.
Stellt man sie allerdings zu
steil ein, dann reicht der erzeugte Strom nicht mehr aus, um die Isolations-
und Korona-Verluste zu decken.
Es hat sich beim
Experimentieren ergeben, dass die auf der positiv geladenen Flasche (= rechte
Seite) sitzende Kugel einen Abstand von 1-2 mm zur Kugel auf der Glassäule
haben soll, um möglichst große Schlagweiten zu erzielen. Der optimale Abstand
der Absaugkonduktoren von den Scheiben muss durch Experimentieren ermittelt
werden.
Um möglichst große Ströme und
kleinere Spannungen zu erzeugen, werden die Querkonduktorarme flach, wie in Abb. 5.2 gezeigt, eingestellt.
Diese Einstellung wählt man
zweckmäßigerweise zur Durchführung von

Abb. 5.1: Querkonduktor-Einstellung: hohe Spannung
Abb. 5.2: Querkonduktor-Einstellung: hoher Strom
Experimenten (Abschnitt 10).
Bei „normalem" Betrieb wird sich auf der rechten Seite (Doppelkugel) der
Pluspol und links der Minuspol einstellen.
Um sicherzustellen, dass
nicht irgendwelche scharfen Kanten, Spitzen oder Verunreinigungen die Leistung
beeinträchtigen, sollte man mit einer Taschenlampe in der Hand die laufende
Maschine im Dunkeln beobachten. Zunächst aber muss sich vor Inbetriebnahme
das Auge ein paar Minuten an die Dunkelheit gewöhnen.
Hat man dann im Betrieb
Lichtpunkte oder Büschel-Entladungen entdeckt, z. B. an den Kugeln oder
Stäben, kann man diese durch Einschalten der Taschenlampe sofort lokalisieren.
Oft sind es Stoffreste, Haare, Staubteilchen usw., es können aber auch
Metallriefen oder Kratzer sein, die dann beseitigt werden müssen.
Die
Korona-Entladungen an den Metallsegmenten der Scheiben lassen sich natürlich
nicht verhindern.
Die Maschine erregt sich bei
Inbetriebnahme unter Umständen nicht, wenn die Ausgleichskonduktorpinsel
keinen guten Kontakt zu den Aluminiumsegmenten oder auch untereinander haben.
Die Niederohmigkeit lässt sich aber mit einem Messgerät überprüfen.
Abb. 5.3: 40-cm-Entladung - Influenzmaschine
nach Töpler/Holtz mit Metallsegmenten
Es wurden hier noch etwas
kleinere Kugeln verwendet: Pluspol 50/80 mm Durchmesser Minuspol 120 mm
Durchmesser Abstand der Glassäulen 620 mm Scheibendurchmesser 90 cm
Umgebungsbedingungen: Meine
Experimente führte ich in einem Kellerraum durch, der in den Sommermonaten
relativ feucht wurde. Wenn die relative Feuchtigkeit größer als 70 % ist,
beginnt die Leistung der Maschine nachzulassen. Bei 80 % r. F. ist eine
Funktion kaum mehr möglich, u. U. erregt sich die Maschine nicht mehr selbst.
Der optimale Temperaturbereich ist 15-20 °C. Wenn man an einem warmen und
feuchten Sommertag trotzdem einmal die Maschine betreiben möchte, sollte man
vorher die Leidener Flaschen in einem Heißluftofen (ca. 80 °C) trocknen und
die Scheiben mit einem trockenen Tuch putzen. Vielleicht muss auch dann eine
externe Erregung mit einer Hochspannungsquelle erfolgen. Die externe Erregung
kann durchgeführt werden wie in Abschnitt 6 bei der sektorlosen Maschine
beschrieben. Zusätzlich kann man auch die Leidener Flaschen vorher aufladen.
5.2 Polwechsel
Nach einer gewissen
Betriebszeit passiert es immer häufiger, dass sich die Maschine beim
allerersten Einschalten falsch herum auflädt. Der Pluspol ist jetzt links
(große Kugel), der Minuspol rechts (Doppelkugel). Es findet keine Entladung
statt. Berührt man die Doppelkugel mit dem Entladestab (Abschn. 9), so hört
man das kräftige Rauschen und Zischen einer Korona-Entladung. Was genau
passiert und warum, lässt sich nicht einfach erklären. Eine gewisse Rolle bei
diesem Vorgang spielen sicherlich die Verschmutzung der Scheiben und die
Feuchtigkeit im Raum. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, um mit dieser
Situation fertig zu werden:
1. Die voll aufgeladenen
Leidener Flaschen werden bei ausgeschalteter Maschine gegenseitig vertauscht.
Eine gewisse Vorsicht ist geboten, um nicht mit dem Innenleiter in Berührung
zu kommen! Dies ist zwar nicht übermäßig gefährlich, jedoch ziemlich
unangenehm und es könnte passieren, dass man die Flasche auslässt. Schaltet
man jetzt die Maschine wieder ein, dann polt sie sich wieder um, falls die
Scheiben noch nicht allzu sehr verschmutzt sind.
Funktioniert diese Methode nicht, so gibt es noch weitere Möglichkeiten:
2.
Die Flaschen werden mit dem
Entladestab (Abschn. 9) entladen. Die Entladekugeln werden abgeschraubt und
gegenseitig vertauscht.
Die
Entladekonduktorstäbe werden nach rechts gedreht, wie in Abb. 5.4
gezeigt.
Der Pluspol ist jetzt
wieder die Doppelkugel, der Minuspol
die größere
Kugel.
3.
Wer eine externe Hochspannungsquelle, ca. 20-30 kV Gleichspannung,
besitzt, kann folgendermaßen vorgehen:
Die Leidener Flaschen werden
entladen und weggestellt. Die Scheiben müssen vollständig entladen werden.
Dazu wird eine ca. 1 in2 große Metallplatte oder eine mit Alufolie
beklebte Kunststoffplatte kurz zwischen die Scheiben gehalten und die
Maschinen ca. 10-20 Sekunden lang eingeschaltet. Jetzt werden die Leidener
Flaschen mit der externen Hochspannungsquelle aufgeladen und wieder auf die
Maschine gestellt (positiv geladene Flasche rechts).
Jetzt sollte die Maschine
nach dem Einschalten wieder in der gewünschten Weise funktionieren.

Abb. 5.4: Einstellung
der Entladekondukto-ren nach Polwechsel
6 Anleitung zum Selbstbau
einer sektorlosen Influenzmaschine nach Wimshurst
Den Aufbau einer sektorlosen
Maschine hatte ich ursprünglich nicht geplant. Anstelle von PVC-Scheiben
wollte ich Acrylglas ausprobieren und eigentlich auch wieder mit
Aluminium-Segmenten bekleben.
Die Scheiben mit 90 cm
Durchmesser können aus 4 mm starkem Material gemacht werden und sind dann fast
genauso schwer wie 3-mm-Scheiben aus PVC. Das Material ist außerdem etwas
steifer und härter. Beim Kauf sind die Platten mit einer Schutzfolie
überklebt, die man erst entfernt, wenn die Scheiben aus den
900-x-900-mm-Platten mit der Stichsäge, wie in Abschnitt 4.1 beschrieben,
ausgeschnitten und die Zahnräder angeschraubt sind. Da das Material relativ
spröde ist, muss beim Ausschneiden mit der Stichsäge darauf geachtet werden, dass die fast abgeschnittenen frei hängenden Acrylteile nicht abbrechen und
die Scheibe beschädigen. Nach dem Abziehen der Schutzfolie verbleiben auf den
Scheiben Klebstoffreste, die am besten mit Petroleum heruntergerieben werden.
Das Petroleum muss mit einem trockenen und sauberen weichen Tuch entfernt
werden. Beim Reiben merkt man, wie die Elektrizität knistert, insbesondere
wenn man die Scheiben kurz von ihrer Unterlage hochhebt. Wenn man jetzt die
Scheiben auf den Motorachsen montiert und in geringem Abstand (wenige
Millimeter) gegeneinander rotieren lässt, passiert im Allgemeinen gar nichts.
Die Maschine erregt sich nicht von selbst. Ich war außerdem der Ansicht, dass
die Querkonduktorpinsel und die Absaugkonduktoren (Abschnitt 4.5.3) viel zu
schmal sind für eine gute Funktion. Sie müssen ja eigentlich so breit sein wie
die Metallsegmente der Töpler/Holtz-Maschine,
also hier etwa 150 mm. In Abb. 12.7 sieht man sehr gut die erforderlichen
Abmessungen im Verhältnis zum Scheibendurchmesser.
Um nun die Maschine zu
erregen, hielt ich einen mit einem trockenen Tuch geriebenen PVC-Stab 300 x 40
x 2 mm hinter die beiden Scheiben in Höhe des vorderen linken
Querkonduktorpinsels.
Abb. 6.1 zeigt die genaue Position.
Der
Abstand des geriebenen PVC-Stabs zur Acrylscheibe beträgt ca. 10 mm. Sofort geht
die Drehzahl der Motoren deutlich zurück, die Maschine erregt sich.
Vielleicht muss man sogar am Potenziometer die Drehzahl etwas erhöhen. Die
Maschine liefert 44-48 cm lange Funken (Abb. 6.2).
Mit sektorlosen Maschinen werden Schlagweiten von 75 % des Scheibendurchmessers
erzielt (R. A. Ford). Da die hier beschriebene Maschine nicht als fertig
ausgereifte Konstruktion zu betrachten ist, kann der experimentierfreudige
Bastler und Entwickler sicherlich noch eine Menge herausholen. Besonders die
Querkonduktorpinsel und die Absaugkon-duktoren können noch verbessert werden.
Eine externe Erregung der Maschine war übrigens auch mit dem geladenen
Elektrophor (Abschnitt 2) oder auch mit einer externen Hochspannungsquelle von
ca. 25-30 kV (Gleichspannung) möglich. Der Elektrophor bzw. der Pluspol der
Hochspannungsquelle wird dabei hinter die beiden Scheiben in Höhe des rechten
unteren Querkonduktorpinsels gehalten. Nur wenn die externe Erregung an den
beschriebenen Stellen erfolgt, die Entladekugeln und Querkonduktoren in der
dargestellten Weise eingestellt werden und die vordere Scheibe sich nach rechts
dreht, wird die volle Leistung der Maschine erreicht. Die Absaugkonduktoren aus
Tee lichtbechern hatten einen Abstand von ca. 20-25 mm von der Scheibe
(ausprobieren!).
Natürlich wollte ich auch PVC-Scheiben ausprobieren. Von früheren Experimenten
hatte ich noch zwei Scheiben (90 cm Durchmesser, 3 mm stark) aus grauem PVC, die
am Ende nach längerem Gebrauch nicht mehr so gut funktionieren wollten. Ich
entfernte die Metallsegmente und montierte die Zahnräder auf die jeweiligen
Rückseiten der Scheiben. Diese waren ja durch den Betrieb nicht oxidiert bzw.
verschmutzt worden. Trotzdem reinigte ich sie mit Petroleum. Auch mit dieser
Anordnung erzielte ich wieder 46 cm lange Entladungen.
Man kann sagen, dass Scheiben, die nach längerem Gebrauch oxidiert sind und in
ihrer Leistung nachlassen, einfach umgedreht werden können. Die Rückseiten
funktionieren dann wieder ausgezeichnet.
Für die experimentierfreudigen Bastler sind in Tabelle 6.1 die technischen Daten
verschiedener Kunststoffe angegeben, mit denen vielleicht gleich gute oder
bessere Ergebnisse erzielt werden können.
Früher wurden Hartgummischeiben verwendet, die ausgezeichnete Ergebnisse
liefern, aber heute praktisch nicht mehr erhältlich sind.
Gewöhnliches Glas ist stark hygroskopisch, kann aber nach gründlicher Reinigung
und Trocknung mit einem geeigneten Lack überzogen werden.
Abb. 6.3: Seitenansicht der
sektorlosen Wimshurst-Maschine (Scheibendurchmesser 90 cm)
Abb. 6.2:47 cm Entladung

Vor ca. 100 Jahren wurden
Wimshurst-Maschinen aus lackierten Glasscheiben gefertigt. Die besten
Ergebnisse werden heute mit Acrylglas und Teflon erzielt.
Bei trockener Luft
kann sehr gut mit PVC gearbeitet werden.

Abb. 6.4: PVC-Scheiben 46
cm-Entladung
Polwechsel:
Bei der sektorlosen
Wimshurst-Maschine tritt ein Polwechsel nur selten auf, insbesondere dann,
wenn die Scheiben zu nah aneinander laufen und sich berühren. Durch das
Umstellen der geladenen Leidener Flaschen, wie in Abschnitt 5.2 beschrieben,
lässt sich die sektorlose Maschine nicht umpolen. Man muss die Leidener
Flaschen und die Scheiben vollständig entladen. Man nimmt zu diesem Zweck eine
etwa 1 m2 große Metallplatte oder eine mit Aluminiumfolie beklebte
dünne Plastikplatte und hält sie zwischen die Scheiben. Nach ein paar
Umdrehungen verlieren die Scheiben ihre Ladung. Jetzt kann man sie in der
vorher beschriebbnen Weise mit dem PVC-Stab wieder aufladen.
Feuchtigkeit:
Sektorlose Maschinen sind
feuchtigkeitsempfindlicher als solche mit Sektoren. Es kann sein, dass schon
bei ca. 75 % relativer Luftfeuchtigkeit keine Funktion mehr möglich ist. Bei
70 % r. F. wurde nach anfänglichem Polwechsel schließlich doch noch eine
Schlagweite von 37 cm erzielt. Besonders geeignet wäre dann natürlich ein
Raum mit Air Conditioning. Man kann aber auch vor Inbetriebnahme die Maschine
einige Zeit dem Sonnenlicht aussetzen oder mit einem Heißluftföhn anblasen.
Man darf aber nicht zu stark erhitzen, um keine Plastikteile zu verformen. Am
besten bläst man mit dem Föhn von oben auf die Scheiben, während sich diese
langsam drehen.
Maschine mit
Metallsektoren
|
Maschine ohne
Metallsektoren
|
|
|
|
|
|
• muss mit geriebenem
PVC-Stab geladen werden
|
• arbeitet noch bei
höherer Feuchtigkeit (< 70-80 % r. F.)
|
•
feuchtigkeitsempfindlich (< 60-70 % r. F.)
|
• Scheibenherstellung
aufwendiger
|
• Scheibenherstellung
einfacher
|
• Scheiben lassen sich
schwerer reinigen
|
• Scheiben können
leicht gereinigt werden
|
• etwas geringere
Schlagweite
|
• größere Schlagweite
(50-75 % des Scheibendurchmessers)
|
< 50 % des
Scheibendurchmessers
|
• keine Berührung der
Scheiben
|
• Metallsektoren müssen
immer guten Kontakt haben zu
den Querkonduktorpinseln
|
durch die
Querkonduktorpinsel erforderlich
(Scheiben werden nicht zerkratzt)
|
7 Spannung und Leistung der
Influenzmaschinen
7.1 Spannungsmessung mittels
Funkenlänge
Eine einfache Möglichkeit,
wenigstens ungefähr die Spannung zu messen, ist die Bestimmung der so
genannten Schlagweite, d. h. der maximalen Funkenlänge. Dazu bewegt man zwei
Elektroden, zwischen denen die zu messende Spannung anliegt, aufeinander zu,
bis gerade ein Funke überschlägt. Der Abstand zwischen den Elektroden ist dann
die Schlagweite. Natürlich hängt die Schlagweite außer von der Spannung auch
von der Elektrodenform, dem umgebenden Gas (Druck, Temperatur,
Zusammensetzung) und in geringerem Maße auch von der
Oberflächenbeschaffenheit ab.
Tabelle 7.1 gibt den Zusammenhang Schlagweite - Spannung für
kugelförmige Elektroden in Luft bei Normaldruck und 25 °C an. Die Angaben
gelten für Gleichspannung.
Spannung V und
Schlagweite d sind demnach ungefähr proportional, solange der Abstand der
Kugeln deutlich kleiner als ihr Durchmesser ist:
U [kV] = 30 ■ d [cm]
Für homogene Felder, d. h.
zwischen ausgedehnten Elektroden mit geringem Abstand, gilt dieser
Zusammenhang exakt. Der Wert 30 kV/cm ist die so genannte Durchbruchfeldstärke
von Luft.
Zwischen den Elektroden der
Influenzmaschine bilden sich nun aufgrund von Influenzeffekten sehr hohe
Spannungen aus. Es erfolgt eine Konzentration der Ladung und der Feldlinien
besonders an der oberen Kugel des positiven Pols. Nur zwischen den Punkten, wo
auch dann der Überschlag erfolgt, herrscht also kurz eine Spannung von mehr
als 500.000 Volt. Legt man eine Durchbruchspannung
der Luft von 30 kV/cm zugrunde, so müsste sich kurz vor einer 46 cm langen
Entladung eine Spannung von 1,38 Millionen Volt aufgebaut haben. Diese Spannung
kann man natürlich nicht messen oder für Versuche abgreifen. An den Leidener
Flaschen selbst ergeben sich maximal jeweils „nur" 160.000 V, obwohl diese absolut niederohmig leitend mit
den Kugeln verbunden sind. Das ohmsche Gesetz hat aufgrund von Influenzeffekten
scheinbar keine Bedeutung mehr. Mithilfe der Tabelle 7.1 kann sich der
interessierte Bastler in eigenen Versuchen durch Anschließen unterschiedlich
großer Kugeln selbst ein Bild von der Größenordnung der erzeugten Spannung
machen.
Tabelle 7.1: Schlagweite
zwischen Kugelelektroden (Angaben in cm)
7.2 Abgegebener Strom
Wie bereits in Abschnitt 1.7
beschrieben, werden die Moleküle der Gase, aus denen die Luft besteht, bei 1
atm Druck und Normaltemperatur ionisiert, wenn ein elektrisches Feld von ca.
30 kV/cm vorhanden ist. Dieses stellt die grundsätzliche Begrenzung für alle
elektrostatischen Phänomene dar und beeinflusst insbesondere das Verhalten
elektrostatischer Generatoren, die unter normalen Bedingungen betrieben
werden.
Für elektrostatische
Generatoren gibt es eine Obergrenze für die Ladungsdichte, die beim
Ladungstransport auf einer Oberfläche auftreten kann. Die elektrischen
Feldlinien stehen immer senkrecht auf der Oberfläche und es gibt die
Beziehung D = e0 ■ E (siehe Abschnitt 1.7).
Die maximale Ladungsdichte an
der Scheibenoberfläche beträgt:
Der maximale Ausgangsstrom
jeder Maschine kann berechnen werden zu:
imca = Dmax ■ F, wobei F die
geladene Oberfläche darstellt, die an den Absaugkollektoren während einer
Sekunde vorbeizieht. Für eine ideale rotierende sektorlose Scheibe, welche die
Ladung auf einer Seite transportiert und wo das elektrische Feld senkrecht
von der Oberfläche wegzeigt, gilt für den maximalen Strom:
Es wird hier vorausgesetzt,
dass der Kollektor die gesamte Ladung von der Oberfläche abzieht. Die aktive
Fläche der Scheiben befindet sich in einem Ring zwischen dem maximalen Radius
rlmx [m] und dem minimalen Radius rm„, [m]; n
ist die Rotationsgeschwindigkeit der Maschine in Umdrehungen pro Sekunde. Bei
gegenläufig rotierenden Scheiben und einseitiger Stromabnahme muss so gerechnet
werden, als ob eine Scheibe steht und die andere sich doppelt so schnell dreht.
Im vorliegenden Fall wurde r^^ zu 0,43 m und rmin zu 0,35 m
angenommen. Daraus errechnet sich bei einer Umdrehung/Sekunde (jeder Scheibe)
ein maximal abgegebener Strom:
Dieser Strom wurde bei der
sektorlosen Maschine tatsächlich zwischen Absaugkonduktor und Masse gemessen.
Bei Drehzahlverdoppelung erhöht sich auch der abgegebene Strom auf den
doppelten Wert. Ein Drehspul- uA-Meter eignet sich besser als ein digitales
Messgerät, da Letzteres durch die hohen Spannungen sehr schnell zerstört
werden könnte. Die Maschine arbeitet kurz nach Inbetriebnahme praktisch als
Konstant-Stromquelle. Der Ausgangsstrom nimmt erst dann signifikant ab, wenn
die Ausgangsspannung so hoch ist, dass hauptsächlich interne Korona-Verluste
und Funkenbildung an der Maschine stattfinden. Diese sichtbaren Funken und
Korona-Entladungen auf der Ladungstransportoberfläche verhindern einen
weiteren Ladungsaufbau. Das Problem kann gelöst werden, indem ein
Isolationsmaterial um die Ladungstransportoberfläche herum eine höhere
Feldstärke ohne Ionisation ermöglicht. Dieses geschieht am besten, indem man
die gesamte Maschine in einem Druckgasbehälter betreibt oder in ein
spezielles flüssiges Dielektrikum gibt. Die letzte französische Entwicklung
erschien etwa um 1950. Der Erfinder, Noel Felici. konzentrierte sich ganz auf
zylinderförmige Rotoren, die er in komprimiertem reinem Wasserstoff von 15-20
atü betrieb. Er erreichte einen bemerkenswerten Wirkungsgrad von 90 % bei
einer Ausgangsleistung von 20-3.000 Watt.
7.3 Leistungsbetrachtung
Bei der sektorlosen Maschine
(Abschnitt 6) wurde im Leerlauf - ohne Erregung - eine Leistungsaufnahme der
beiden Motoren von zusammen 7,3 Watt gemessen: 4,4 V Motorspannung bei 1,65 A
Betriebsstrom.
Unter Belastung ergaben sich
im Mittel 12,6 Watt, d. h. 3,5 V bei 3,6 A Betriebsstrom. Die beiden Leidener
Flaschen (ä 720 pF) werden mit ca. 10 uA etwa 12 Sekunden lang aufgeladen
(Zeit zwischen zwei Entladungen). Eine überschlägige Rechnung mit 720 pF als
Flaschenkapazität ergibt dann:
Bei dieser Spannung wäre die
Durchschlagsfestigkeit des 3,5 mm starken
kV
Aus Tabelle 6.1 geht hervor,
dass mit einigen wenigen Kunststoffen sogar noch höhere
Durchschlagsfestigkeiten erreicht werden. Für Glas ist dieser Wert beachtlich
hoch. In der Literatur findet man für Glas Werte von 16 ... 40 ^ . Der
Energieinhalt einer voll geladenen Leidener Flasche
(160kV/720pF)ist:
A = -C- lß = 9,2[W-sec]
Beide Flaschen zusammen haben
also 18,4 Ws. Würde die Aufladung der Flaschen in ca. 12 Sekunden erfolgen,
entspräche das einer mittleren Leistung der Maschine von 1,52 W. Es ergibt
sich daraus ein Wirkungsgrad von:
abgegebene Leistung
1,53
Motorleistung
12,6
Tatsächlich aber ist der
Wirkungsgrad geringer, da die Flaschen nach ihrer Funkenentladung nicht ganz
leer sind. Die Aufladung der völlig leeren Flaschen auf 160 kV dauert länger
als 12 Sekunden.
Der größte Teil der
hineingesteckten Energie geht durch Reibung (Motoren, Luftwiderstand) und
durch Korona-Entladungen verloren.
Entladungsstromstärke: Beide
auf 160.000 V aufgeladenen Leidener Flaschen haben zusammen eine Ladung von Q = 2C ■ U= 1,44 ■ 10~9 ■ 160 ■ 103 = 230
■ 10~6 [Cb]. Unter der Annahme, dass die Entladung in etwa
^ Sekunde erfolgt, ergibt sich: i
= f = ^^ =2,3 A. Diese Rechnung ist natürlich nur sehr grob. Wer
es genauer wissen möchte, müsste die Entladezeit mit einem Oszillografen
messen.
8 Pflege, Reinigung, Wartung
der Maschinen
8.1 Scheiben
Nach einer gewissen
längeren Betriebszeit kann es sein, dass die maximale Funkenlänge nicht mehr
erreicht wird. Es tritt dann auch nach Inbetriebnahme häufig ein Polwechsel
auf, d. h. der Pluspol ist auf der Seite der linken größeren Kugel, die
Maschine muss umgepolt werden (siehe auch Abschnitt 5.2). Wenn man die
Scheiben herausnimmt und die Zwischenräume zwischen den Segmenten mit einem
weichen, sauberen, trockenen Lappen putzt, erkennt man, dass sich ein
graubrauner Belag auf der Kunststoffoberfläche gebildet hat. Ursprünglich war
ich der Ansicht, dass dies abgeriebene Metallteilchen der Segmente oder
Querkonduktor-pinsel sind. Aber auch bei der sektorlosen Maschine trat diese
Verschmutzung der Scheiben auf, selbst dann, wenn die Querkonduktorpinsel die
Scheiben nicht berühren. Die Verunreinigung entsteht also vermutlich durch die
Korona-Funkenentladungen auf den Scheiben. Die Funken in Verbindung mit dem
Ozon scheinen das Scheibenmaterial zu oxidieren. Wenn man die Scheiben nun auf
der Vorder- sowie Rückseite gesäubert hat, wird im Allgemeinen die Funktion
für einige Zeit wieder hergestellt sein. Ist dies nicht der Fall, so muss mit
Spiritus oder besser Petroleum gereinigt werden. Das Petroleum muss sehr
sorgfältig wieder weggerieben werden .Ein allerletztes Mittel nach sehr
langen Betriebs- und Experimentierzeiten ist das Reinigen mit
Acrylpolierpaste (Conrad Electronic).
8.2 Leidener Flaschen
Die äußeren Glasflächen der Leidener Flaschen überziehen sich nach längerem
Gebrauch mit einem grauen Belag. Dieser sollte mit einem hellen,
trockenen, weichen Lappen abgerieben werden. Es hat sich in der Praxis
bewährt, quer zur Zylinderachse zu putzen, also nicht von unten nach oben. Man
darf dabei die Glasflächen nicht mit den Händen berühren. Auf den Innenflächen
der Flaschen konnte ich keine Schmutzablagerungen beobachten. Trotzdem habe
ich auch diese von Zeit zu Zeit gereinigt. Wenn man die Glasoberfläche mit
Spiritus gereinigt hat, sollte man die Gläser in einem Heißluftofen trocknen
(ca. 80 °C).
8.3 Glassäulen
Die lackierten Glassäulen
müssen natürlich auch gelegentlich mit einem trockenen Tuch abgerieben werden.
PVC- oder Acrylglassäulen können mit Petroleum gereinigt werden.
8.4 Entladekugeln,
Verbindungsstäbe
Von den geladenen Kugeln und
Verbindungsstäben werden Staubteilchen und kleine Fasern angezogen. Hier kann
dann durch Korona-Entladung die Leistung der Maschine reduziert werden. Man
sollte daher die Kugeln vor jeder Inbetriebnahme kurz mit einem fuselfreien
Tuch abwischen.
8.5 Batterie
Von Zeit zu Zeit muss der
Ladungs- und Säurestand des Akkus überprüft und gegebenenfalls nachgeladen
werden.
8.6 Motoren
Die Motoren sind für einen
Dauerbetrieb nicht geeignet. Nach Demonstration von ein paar
Funkenentladungen oder nach Durchführung einiger Experimente sollte man die
Maschine für kurze Zeit abschalten und mit der Hand die Motortemperatur
prüfen. Die Motoren werden warm, sollten aber nicht so heiß werden, dass man
sie kaum mehr anfassen kann.
9 Berührungssicherheit,
Personengefährdung, Ozon, Entladestab, Röntgenstrahlung
Die Funkenüberschläge
sehen zwar bedrohlich lang und kräftig aus, trotzdem geht von den
Influenzmaschinen keine ernsthafte Gefahr aus. Ich bin selbst öfter vom „Blitz
getroffen" worden, erfreue mich aber immer noch bester Gesundheit.
Wenn man versehentlich einen Pol berührt oder in seine Nähe kommt, bekommt man
im Allgemeinen nur die halbe Spannung gegen Masse ab. Parkett- und Linoleumboden
und die Schuhsohlen bilden eine gewisse Isolation im Verhältnis zu einem
direkten Massekontakt, den man hätte, wenn man mit einer Hand an die
Dampfheizung oder Wasserleitung langen würde. Auf alle Fälle sollte man es
vermeiden, mit beiden Händen an die Entladekonduktorgriffe zu langen, während
die Maschine läuft oder kurz bevor die Leidener Flaschen ganz aufgeladen sind.
Der Schlag, den man dann erhält, ist ziemlich unangenehm. Die Energiemenge, die
in einer auf 160 kV aufgeladenen Leidener Flasche von 750 pF steckt, beträgt 8,4
Ws (siehe auch Abschnitt 7.3). Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel das
ist, nehme man ein Gewicht von 1 kg und lasse es aus 85 cm Höhe herunterfallen.
Wer einmal eine Leidener Flasche unfreiwillig entladen hat, wird im Allgemeinen
sehr darauf achten, dass dieses nicht noch einmal passiert.
Bevor man an der Maschine arbeitet, sollte man die beiden Leidener Flaschen
entladen. Dazu eignet sich der in Abb. 9.1 dargestellte Entladestab.
Selbst wenn man die geladenen Flaschen einige Sekunden kurzschließt, baut sich
nach kurzer Zeit wieder eine Spannung
von mehreren Tausend Volt auf. Erst nach mehrmaligem Entladen verschwindet die
Ladung
schließlich. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man die Flaschen in der Hand
hält und die Innenflächen reinigen will.
Während des Betriebs der Influenzmaschinen entsteht Ozon, ein dreiatomiges
Sauerstoffmolekül. Ozon reizt die oberen Atmungswege und Augen, verursacht
Kopfschmerzen und kann in hoher Konzentration für Pflanzen und Tiere giftig
sein. Es ist hochreaktiv und kann die Maschine selbst angreifen, indem es das
Scheibenmaterial oxidiert und zersetzt. Der charakteristische Geruch kann auch
oft bei Gewittern wahrgenommen werden. Nach dem Einschalten der Maschine riecht
es ziemlich stark; wenn man länger im Raum ist, merkt man selbst nichts mehr
davon. Meine Frau allerdings war immer relativ entsetzt, wenn sie den Hobby-Raum
betrat. Man sollte immer auf ausreichende und gute Lüftung achten und sich
nicht allzu lange direkt neben der laufenden Maschine aufhalten. Wenn man
bedenkt, dass man mit Ozon ganze Hallenbäder mit Tausenden von Litern Wasser
entkeimt, kann man sich gut vorstellen, dass von einem solchen „Spielzeug" keine
ernsthafte Gefahr ausgehen kann.
Bei Verwendung von Hochspannungsvakuumröhren können gefährliche Röntgenstrahlen
entstehen. Noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts war man sich dieser
Gefahr nicht bewusst. Die Firma Wehrsen verkaufte Influenzmaschinen mit allem
Zubehör, wie in den Abb. 9.3 und 9.4 dargestellt.
Man sollte sich also davor hüten, elektronische Vakuumröhren an die große
Maschine anzuschließen, es sei denn, man weiß genau, was man tut. Alte
Glühlampen und einige moderne Lampen, die ein Vakuum besitzen, können
beträchtliche Röntgenstrahlung produzieren. Die meisten modernen Glühlampen
sind mit einem speziellen Gas gefüllt und produzieren keine Strahlung.
Auch Leuchtstofflampen und Neonlampen sind sicher. Die Erzeugung von
Röntgenstrahlung ist verbunden mit der Erzeugung von Kathodenstrahlen in den
Vakuumröhren. Wenn diese Kathodenstrahlen (hochenergetische Elektronen) die
Wände der Röhre oder Metallteile in der Röhre mit hoher Geschwindigkeit treffen,
werden Röntgenstrahlen unterschiedlicher Intensität bzw. Wellenlänge erzeugt.
Ein Anzeichen dafür ist das im Dunkeln sichtbare Fluoreszieren der Glaswände.


Abb. 9.2: Entladen einer Leidener Flasche
Apparate für
Röntgen-Versuche.

Abb. 9.3: Influenzmaschine „Wehrsen" mit Röntgenkollektion (1910)

10.1 Abstoßungs- und
Anziehungskräfte
Elektrisch geladene Körper
ziehen sich an oder stoßen sich ab. Gleichartige Ladungen stoßen sich ab,
ungleichartige ziehen sich an. Die nachfolgenden Experimente beruhen auf
diesem Prinzip.
10.1.1 Elektrostatische
Motoren
Allgemeines
Konventionelle elektrische
Motoren benützen elektromagnetische Energie, um Elektrizität in Bewegung
umzuwandeln.
Jedoch gibt es eine weniger
genau untersuchte Art von Motoren, bei denen elektrostatische Energie in
Drehbewegung verwandelt wird - entweder durch direkten elektrischen Kontakt,
Korona-Entladungen oder Influenz. Nachdem es relativ schwierig ist, größere
elektrostatische Ladungen zu speichern, ohne dass Verluste entstehen, konnten
sich elektrostatische Motoren am besten dort bewähren, wo geringe Abmessungen
und hohe Drehzahlen benötigt werden. Elektrostatische Motoren können mit
Strömen von weniger als 109 A auskommen und wurden sogar schon
direkt durch atmosphärische Elektrizität betrieben, wenn eine entsprechende
Antenne benutzt wird.
Im einfachsten Fall kann eine
Influenzmaschine als elektrostatischer Motor betrieben werden. Verbindet man
nämlich die Elektroden einer tätigen Influenzmaschine mit den Saugkämmen einer
zweiten, deren Scheiben sich ohne größeren Widerstand drehen lassen, und
erteilt den Scheiben dieser zweiten Maschine einen kleinen Anstoß, so gerät
diese in rasche Drehung.
Selbst gebaute einfache
elektrostatische Motoren
Vier Kugeln
wurden an die Enden eines Plastikkreuzes geklebt. Die Teile wurden in einem
größeren Haushaltswarengeschäft gekauft. Das Plastikkreuz wurde in der Mitte zur
Hälfte durchbohrt (2 mm Durchmesser) und drehbar auf einer Spitze gelagert
(Abb. 10.1). Links und rechts sind in geringem Abstand zu den vier drehbaren
Kugeln zwei weitere etwas größere Kugeln auf Flaschen aufgelegt. Die Flaschen
werden mit Spiritus außen gereinigt und trockengerieben. Verbindet man die
beiden größeren Kugeln mit den Polen der tätigen Influenzmaschine, werden die
Metallkugeln des Sterns angezogen und, wenn sie gleichnamig elektrisch sind,
wieder abgestoßen. Der Stern pendelt zuerst ein paar Mal hin und her; diese
Bewegung wird bald größer und geht dann in äußerst schnelle Rotation über. Der
Motor konnte sogar durch fortwährendes Aufladen mit dem Elek-trophor (Abschnitt
2) in Rotation gehalten werden. Anstelle der Messingkugeln könnte man auch mit
Grafitspray leitend gemachte Tischtennisbälle verwenden.

Abb. 10.1: Elektrostatischer
Motor
b) Aus einer Kunststoffplatte (z. B. PVC oder Acrylglas), 3 oder 4 mm dick,
wird mit der Stichsäge eine Scheibe von ca. 100-120 mm Durchmesser
ausgeschnitten. In die Mittenbohrung von z. B. 3 mm Durchmesser wird eine
Niete (ca. 10 mm lang) eingedrückt. Die Scheibe wird, wie in Abb. 10.2a
gezeigt, mit Aluminiumsegmenten beklebt und auf eine Nadel leicht drehbar
aufgesetzt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Kugel, in die eine Spitze
eingeschraubt ist. Man
könnte hier auch mit Aluminiumfolie beklebte Holzkugeln verwenden. Als Spitze
dient ein zugeschliffener Gewindestab oder eine abgeschnittene Schraube. Der
Anschluss der beiden Elektroden an die Influenzmaschine erfolgt über
Metallkugelketten, die man in Installationsgeschäften kaufen kann. Der rechte
Pol mit der Spitze wird an den Pluspol, der linke an den Minuspol der
Influenzmaschine angeschlossen.
Man entfernt die Leidener Haschen-Kugel, hängt die Ösen der Kettchen ein und
schraubt dann die Kugel wieder auf. Die Leidener Flaschen können in einem
größeren Abstand von den (Acryl-)Glassäu-lenkugeln aufgestellt werden.
Wenn ein ruhiger Lauf mit hoher Drehzahl erreicht ist, kann man den Abstand
der beiden Elektroden zu den Segmenten des Rotors auf ein noch vertretbares
Maß verringern (z. B. 2 mm). Der versierte Bastler kann versuchen, die
Drehzahl der Scheibe zu messen. Wenn man die
linke Kugel erdet und die rechte mit dem Elektrophor einige Male auflädt,
erreicht man ebenfalls schon recht hohe Drehzahlen.
c) Anstelle der Segmente kann man auch eine halbleitende Schicht auf dem
äußeren Rand der Scheibe auftragen. Man überzieht diesen etwa 2 cm breit mit
einem Hochspannungsisolierlack. Wenn der Lack nach einiger Zeit klebrig wird,
rollt man die Scheibe durch Aluminiumoxid-Kömchen (Abrieb von einem
Sandstrahlgebläse). Durch die Körnchen wird der Rand halbleitend und erzeugt
eine große Oberfläche für die Ladungsspeicherung.
d) In Abb. 10.3 wurde ein Schleifstein von 75 mm Durchmesser und 10 mm Breite
als Rotor verwendet.
Vielleicht ist ein Schleifstein mit etwa 30 % geringerer Abmessung günstiger.
Eine Kompassnadel ist mittig aufgeklebt, wodurch sich der Stein sehr leicht
auf einer Stahlnadel dreht. Die Elektrodenanordnung ist dieselbe wie in
Abschnitt 10.2b. Anfängliche Unwuchterscheinungen verschwinden mit höher
werdender Drehzahl. Man kann dann durch vorsichtiges Verschieben der äußeren
Flaschen den Elektrodenabstand zum Schleifstein verringern.
Die Drehzahl wurde so hoch, dass ich die Influenzmaschine vorsichtshalber
ausschalten musste.
Mit einem Schleifstein aus Aluminiumoxid, 50 mm Durchmesser und 6 mm Breite,
werden angeblich 10.000 Umdrehungen in weniger als
einer Minute erzielt, wenn man eine große Influenzmaschine anschließt.
Ein halbleitender Rotor kann mit dem selbst gebauten Elektroskop (Abb. 10.10)
überprüft werden. Man hält eine Seite des Rotors mit den Fingern (Erdung) und
berührt mit der gegenüberliegenden Seite das mit der Influenzmaschine oder dem
Elektrophor aufgeladene Elektroskop. Der Ausschlag soll in
40-Sekunden-Intervallen um jeweils zehn Winkelgrade zurückgehen. Dieser sehr
hohe Widerstand soll sicherstellen, dass die vorhandene Rotorladung sich nur
sehr langsam über die Oberfläche verteilt. Dieses Ungleichgewicht der Ladung
verursacht die Drehung.
Wer sich mit den elektrostatischen Motoren genauer beschäftigen will, sollte
folgende Dinge untersuchen: optimale Anordnung, Form, Größe und Anzahl der
Elektroden, halbleitende Lacküberzüge, Wachs- und Schwefelbeschichtungen.
Viele interessante Einzelheiten kann man dem Buch von Oleg Jefi-menko (siehe
Literaturhinweise) entnehmen.
Wegen ihrer Leistungsfähigkeit und Kompaktheit wurden diese einfachen und
zuverlässigen Motoren in zunehmendem Maße in Raumfahrtprogrammen verwendet.
Warum lassen sich eigentlich derart gute Ergebnisse mit Schleifsteinen
erzielen? Ich nehme an, dass der Ohmsche Widerstand, über den Umfang gemessen,
so hoch ist, dass sich eine relativ große Zeit für die Ladungsverteilung auf
der Scheibe ergibt. Diese Ladungsverschiebung auf der Scheibe ist
verantwortlich für die Drehung, verursacht durch Coulomb'sche Anziehungs- und
Abstoßungskräfte zwischen Rotor und Elektroden. Korona-Entladungen an der
zugespitzten Elektrode oder der so genannte elektrische Wind spielen
vermutlich nur eine geringe Rolle beim Antrieb.
Warnhinweis: Wegen der sehr hohen Geschwindigkeiten, die bei richtiger
Anordnung und Materialwahl erreicht werden können, sollte man die Rotoren mit
einem dickwandigen Plastikzylinder umgeben. Es besteht Explosionsgefahr,
besonders wenn die sehr hohen Spannungen verwendet werden, die mit der großen
Wimshurst-Maschine erzielt werden!
Abb. 10.2a: Elektrostatischer
Scheibenmotor

Abb. 10.2b zeigt die Anordnung in der Draufsicht:

Abb. 10.2b: Günstige
Elektrodenanordnung für elektrostatische Motoren

Abb. 10.3: Elektrostatischer
Motor aus einem Schleifstein

e) Motor für atmosphärische
Elektrizität
Die nachfolgende
Erfindung ist eine amüsante Spielerei für den interessierten Bastler.
Das Gerät besteht aus einem kleinen Stück Kupferdraht A (3 mm Durchmesser),
ausbalanciert auf einem spitzen Drehpunkt B. Zwei Drähte C und D sind so
befestigt, dass ihre Enden den Drahtenden vom beweglichen Draht A sehr nahe
stehen. Ein Antennenanschluss wird mit dem Drahtende von C verbunden, der andere
Draht D wird geerdet. Wenn alles sauber aufgebaut ist und genügend statische
Ladung auf der gut isolierten Antenne entsteht, wird der bewegliche Draht A in
Rotation geraten. Für beste Ergebnisse sollte Draht A etwa 4 cm lang sein und
der Abstand A von den Drähten C und D kleiner als 1 mm.
10.1.2 Kugeltanz
Das Experiment ist in Abb. 10.5 gezeigt.
Eine Styroporkugel von 30 cm Durchmesser, mit Aluminiumfolie beklebt, wir auf
eine Leidener Flasche isoliert aufgesetzt. Der Innenan-schluss ist
herausgenommen. Auf der Kugel sitzt ein Acrylglasrohr mit 50 mm Durchmesser, 80
mm lang. In das Rohr werden 20-30 Hirsekörner geschüttet. Ein Hirsekörnchen hat
etwa 1,5-2,0 mm Durchmesser. Auf das Acrylglasrohr wird eine Kugel von z. B. 60
mm Durchmesser aufgelegt. Man lädt die große Kugel durch mehrmaliges Berühren
mit dem Elektrophor auf und erdet die kleine Kugel durch Berühren mit
einem Metallstab. Die Hirsekörner tanzen jetzt in heftiger Bewegung auf und ab
und transportieren die Ladung hin und her.
Bei weiterer Aufladung mit dem Elektrophor kann es passieren, dass ein
sichtbarer, hörbarer und spürbarer 8-cm-Funkenüberschlag an der Innenwand des
Acrylglasröhrchens stattfindet.
Der Kugeltanz funktioniert natürlich auch sehr gut, wenn die große Kugel an die
Influenzmaschine angeschlossen wird. Es genügen ein paar Umdrehungen. Die kleine
Kugel sollte dann besser mit dem geerdeten Entladestab berührt werden.
Man könnte das Acrylglasröhrchen mit den Hirsekörnern auch direkt auf die
negative Elektrodenkugel der Influenzmaschine aufsetzen.
10.1.3 Das elektrostatische Pendel
Eine Aluminiumhohlkugel wird, wie in Abb. 10.6 gezeigt, an einem dünnen
Perlonfaden zwischen die Entladekugeln der Influenzmaschine gehängt. Die
Maschine wird langsam gedreht, bis die Kugel hin- und herpendelt und
abwechselnd die positive und dann die negative Kugel
berührt. Ist die Kugel negativ aufgeladen, wird sie vom negativen Pol abgestoßen
und vom positiven angezogen. Nach Berühren des positiven Pols wird sie
umgeladen, also positiv, und damit wieder abgestoßen und vom negativen Pol
wieder angezogen usw. Der beste Abstand der Entladekugeln kann durch
Experimentieren herausgefunden werden. Nach Abschalten der Maschine pendelt die
Kugel so lange weiter, bis durch das Hin- und Hertransportieren der Ladung die
Leidener Flaschen entladen sind. Man kann diesen Versuch auch mit einer
verspiegelten Christbaumkugel durchführen. Diese ist so leicht, dass sie der
gekrümmten Bahn der elektrischen Feldlinien folgen will.
1-10.1 Abstoßungs-und
Anziehungskräfte 87

Abb. 10.5:
Kugeltanz mit Hirsekörnern

Abb. 10.6:Elektrostatisches Pendel
In Ermangelung einer
geeigneten Haarpracht habe ich Haare aus Seidenpapier auf einen Hut
aufgeklebt. Ein Plastikgartenstuhl, auf dem ich mit angezogenen Beinen sitze,
dient als Isolator. Selbstverständlich müssen die Beine des Stuhls vorher mit
Spiritus gereinigt werden. Da die Maschine eine Mittenerdung besitzt, kann für
diesen Versuch nur die halbe Spannung entweder des Plus- oder des Minuspols
verwendet werden. Die Spannung dürfte etwa 150.000-200.000 V betragen.
Vorsichtshalber wurde die Leidener Flasche entfernt. Der Anschluss erfolgt
über eine provisorische Anordnung, wie in Abb. 10.8 dargestellt.
Der Innenanschluss der
Flasche wird herausgenommen und eine Metallkugel auf die Flasche gelegt (u.
U. ist es erforderlich, die Kugel mit einem Streifen Isolierband am
Glaszylinder zu befestigen). In die Kugel ist ein Aluminiumstab geschraubt, an
dessen anderem Ende ein Absaugpinsel aus Entlötlitze angeklebt wird. Die Kugel
wird dann mit einem Metallstab berührt und die Maschine eingeschaltet.
Im aufgeladenen Zustand
sollte man natürlich nichts berühren, auch nicht den Einschaltknopf der
Maschine.
Wenn man seine eigenen Haare
hochstehen lässt, fühlt man ein leichtes Kribbeln der Kopfhaut. Angeblich soll
ab etwa 500.000 V ein unangenehm stechender Schmerz entstehen.

Abb. 10.8: Versuchsanordnung
zum Aufladen einer Person
10.1.5
Teelicht-Experiment
Ein
Aluminium-Teelichtbecher (ohne Inhalt) wird auf die negative Elektrode der
Influenzmaschine gelegt. Kurz nach Inbetriebnahme der Maschine fliegt er in
hohem Bogen davon.
Das Experiment gelingt auch mit dem Elektrophor. Eine große, mit Alufolie
beklebte Styroporkugel (z. B. 30 cm Durchmesser) wird auf die Leidener Flasche
(ohne Innenanschluss) aufgelegt. Auf die Kugel legt man das Teelicht. Wenn man
den geladenen Elektrophor an die Kugel hält, bleibt das Teelicht zunächst gerade
noch auf der Kugel liegen. Beim zweiten Aufladen ist die Spannung jetzt hoch
genug und der Becher segelt in hohem Bogen davon.
10.1.6 Das Elektroskop
Das Elektroskop ist ein Gerät zur Registrierung elektrischer Ladungen. Es
erfasst das Vorhandensein von Ladungen auf benachbarten Gegenständen mit
entweder positiver oder negativer Polarität. Die Grundform des Elektroskops
zeigt nicht absolute numerische Werte an. Man könnte jedoch eine einfache Skala
anbringen, die in Winkelgraden geeicht ist. Ein geeichtes Elektroskop nennt man
Elektrometer. Ein typisches, relativ empfindliches Gerät besteht aus einem
Metallstab, an dem oben eine Kugel montiert ist. Am anderen Ende des Stabs
befinden sich ein oder zwei Goldplättchen. Der Stab und die Goldplättchen müssen
sehr gut isoliert gegenüber Erde sein. Um äußere Einflüsse durch elektrische
Felder oder Luftströmungen zu verhindern, empfiehlt es sich, ein metallisches,
geerdetes Gehäuse um das Gerät zu bauen als eine Art Faraday-Käfig. R. A.
Ford beschreibt den Selbstbau eines derartigen Elektroskops. Ein Elektroskop bis
1,5 kV, wie es für Demonstrationsversuche im Physikunterricht verwendet wird,
zeigt Abb. 10.9.
Ich habe eine einfache Version aufgebaut, mit der sich auch relativ niedrige
Spannungen (einige kV) nachweisen lassen (Abb. 10.10).
Ein Messingrohr von 8 mm Durchmesser und 200 mm Länge wird in der dargestellten
Weise gebogen und in der Mitte so durchbohrt, dass ein Trinkhalm auf einer Nadel
balancieren kann. Der Hahn wird mit Grafit
spray elektrisch leitend gemacht. Das Messingrohr wird unten an einen
Plastikwinkel geschraubt und oben mit einer Kugel abgeschlossen. Die
Empfindlichkeit des Geräts hängt entscheidend davon ab, wie gut die Achse in der
Mitte sitzt. Der untere Teil des Halms soll etwas länger sein als der obere,
damit der Halm in Ruhestellung senkrecht steht. Die Isolationseigenschaften des
Geräts können noch erhöht werden, wenn man zwischen dem unteren Ende des
Messingstabs und dem PVC-Winkel ein Acrylglas- oder Teflonstück mit den
Abmessungen 30 x 10x4 mm anbringt.
Mit diesem Elektroskop lässt sich das Prinzip der Influenz sehr anschaulich wie
folgt nachweisen:
Im ungeladenen Zustand enthält das Elektroskop gleiche Mengen an positiver und
negativer Elektrizität, wie dargestellt in Abb. 10.11A. Wenn ein Körper mit z.
B. positiver Ladung (geriebener PVC-Stab) in die Nähe der
Kugel gebracht wird, erfolgt die Trennung der Ladungen, sodass negative
Elektrizität in die Kugel strömt, die positive bleibt unten in Messingstab und
Trinkhalm. Da gleichnamig geladen, wird der Halm vom Stab jetzt abgestoßen (Abb.
I0.I1B). Wenn der geladene PVC-Stab entfernt wird, fällt der Halm zurück in die
Ruhestellung A, da sich die beiden Ladungen wieder vereinen und das System
wieder elektrisch neutral wird.
Wenn man aber, wie dargestellt in C, die Kugel mit dem Finger berührt, während
der PVC-Stab noch in der Nähe bleibt und die negative Ladung der Kugel bindet,
kann die positive Ladung des Halms und des unteren Messingstabs entweichen und
der Halm fällt in die Senkrechte bzw. Ruhestellung.
Man entfernt nun zuerst den Finger und dann den PVC-Stab. Die negative
Elektrizität wird jetzt frei und verteilt sich gleichmäßig über die Metallteile
des Elektroskops. Es erfolgt wieder ein Ausschlag, d. h., der Halm wird
abgestoßen (D). Nähert man der Kugel jetzt wieder den positiv geladenen
PVC-Stab, geht der Ausschlag zurück, da die negative Elektrizität sich in der
Kugel konzentriert. Ein Elektroskop, das mit irgendeiner Ladung aufgeladen ist,
kann also nicht nur aussagen, ob ein Körper geladen ist oder nicht, sondern
auch, mit welcher Ladung er geladen ist, ob positiv oder negativ.
Abb. 10.9: Elektroskop der
Firma Phywe Abb. 10.10: Einfaches
Elektroskop



Weitere Versuche mit dem
Elektroskop
1. Eine frisch geschmirgelte
Zinkplatte wird mit dem Elektroskop verbunden (oder anstelle der Kugel
aufgelegt) und mit der Influenzmaschine negativ aufgeladen. Wird die
Zinkplatte mit einer UV-Lampe belichtet, so wird das Elektrometer entladen.
Dagegen behält eine positiv geladene Zinkplatte ihre Ladung auch bei
Belichtung bei (Abb. 10.12).
Der Versuch beweist, dass
sich bei Belichtung die Leitfähigkeit der Luft nicht ändert, sonst müsste auch
die positiv geladene Platte ihre
Ladung verlieren; dagegen
gehen negative Ladungen von der Metall platte weg. In der Zinkplatte sind also
freie negative Ladungen (Elektronen) vorhanden.
2. Wenn man mit einem
hochisolierten Elektroskop die Aufladung und den Widerstand von Isolatoren und
Halbleitern untersucht, wird man sehr bald merken, dass das Instrument
empfindlich auf Wetteränderungen reagiert. Größte Ausschläge und langsames
Entladen erfolgen bei klarem, sonnigem Wetter und geringer Feuchtigkeit.
Kleinere Ausschläge und rasche Entladung beobachtet man an feuchten Tagen bei
starker Bewölkung, Nebel oder nach starkem Regen.
Viele weitere Fragen ergeben
sich in diesem Zusammenhang: Wie verhält sich das Gerät vor und nach
Gewittern? Ich konnte z. B. eine rasche Entladung des aufgeladenen
Elektroskops beobachten, wenn in demselben Raum die Influenzmaschine
eingeschaltet wurde. Wie ist der Zusammenhang zwischen
Entladungsgeschwindigkeit und relativer Feuchtigkeit? Wie ändert sich die
Entladezeit im Verhältnis zu Luftdruck und Temperatur? Wenn man einen sehr
gut isolierten blanken Draht horizontal über dem Erdboden spannt (ca. 5-10 m
hoch) und mit dem Elektroskop verbindet, stellt man eine Aufladung fest,
speziell an klaren, sonnigen Tagen. Wie ändert sich diese Spannung mit der
Höhe des Drahts über dem Erdboden? Spielt die Art des verwendeten Metalls eine
Rolle? Wird die Ladung durch Teilchen erzeugt, die durch die Sonnenstrahlung
entstehen?
Welche Aufladung wird bei
einem herannahenden oder abziehenden Gewitter gemessen? Es gibt Berichte,
denen zufolge bei besonders heftigen Schneestürmen oder Hagelschauern
beträchtliche Aufladungen in blanken, isoliert gespannten Drähten gemessen
wurden. Es traten sogar Ströme im mA-Bereich bei ca. 10 m langen Drähten auf.

Kondensatorelektroskop:
Man kann ein Elektroskop
durch Verbindung mit einem Kondensator so empfindlich machen, dass es auch
geringe Spannungen (1-10 Volt) anzeigt. Man ersetzt zu diesem Zweck den
Elektroskopknopf durch eine gefirniste Platte und setzt auf diese eine zweite
gefirniste Platte mit Isoliergriff
(Abb. 10.13).

Abb. 10.13:
Kondensatorelektroskop
Verbindet man die
Elektroskopplatte (Kollektorplatte) mit dem zu untersuchenden Ladungsträger,
während die aufgesetzte Kondensatorplatte gleichzeitig geerdet wird, so strömt
so lange Elektrizität in das Elektro-skop, bis die Kondensatorplatte die gleiche
Spannung besitzt wie der Ladungsträger. Hängt man dann den Ladungsträger ab und
hebt man die Kondensatorplatte auf, so wird die gesamte auf der
Elektroskopplatte durch Kondensatorwirkung angesammelte und gebundene
Elektrizitätsmenge frei. Sie verteilt sich gleichmäßig über das Elektroskop,
das nun einen messbaren Ausschlag zeigt (siehe auch Abschnitt 1.6). Dieses
Kondensatorelektroskop kann durch Eichung nach Volt zum
Kondensatorelektrometer gemacht werden.
10.1.7 Die schwebende Rakete
Bei einem sehr ungewöhnlichen
Experiment werden superleichte Gegenstände mithilfe von elektrostatischen
Kräften in der Schwebe gehalten. Eine ganze Reihe von Patenten bezieht sich
auf wissenschaftliches Spielzeug, das nach diesem Prinzip funktioniert.
In Abb. 10.14 wird
eine Rakete schwebend im Raum zwischen einer positiv geladenen Metallkugel
und einer geerdeten Metallspitze gehalten. Um die Rakete zu starten, geht man
folgendermaßen vor: Ein PVC-Rohr mit etwa 1 cm Durchmesser wird aufgeladen,
indem man kurz die mit einer Influenzmaschine geladene Kugel berührt. Die
Rakete in Abb. 10.14 wird aus sehr dünner Aluminiumfolie ausgeschnitten und
quer in der Nähe des PVC-Stabendes angebracht. Hält man nun die Rakete in die
Mitte zwischen Kugel und Metallspitze und dreht den Stab langsam, löst sich
die Rakete ab und schwebt im Raum, gehalten von scheinbar unsichtbaren Händen.

Abb. 10.14: Elektrische Rakete, schwebend im Raum

Abb. 10.15:
Aluminiumfolien-Rakete
Die „modifizierte Rakete"
In einem weiteren Versuch
kann man die Rakete in der Mitte um etwa 90° verdrehen. Wenn sie jetzt
schwebend aufgehängt wird, gerät sie in Rotation. Als Nächstes entfernt man
jetzt die Metallspitze ganz langsam. Die Rakete bewegt sich als Satellit der
geladenen Kugel. Gewöhnlich können zwei Satelliten derselben Form, aber etwas
kleiner, um die Kugel kreisen.
In Abb. 10.16 sind
noch zwei andere Formen solcher Raketen dargestellt. Neben Alufolie sollte man
auch Goldplättchen, Federn oder Styropor ausprobieren.

Abb. 10.16: Modifizierte
Raketen
Das spitzige Ende der Raketen
sollte immer zum positiven Pol hinzeigen, das breitere oder runde Ende zum
negativen Pol. Bei erhöhter Generatorgeschwindigkeit entfernt sich der
Satellit weiter weg von der Kugel, bei Verringern der Geschwindigkeit nähert
er sich der Kugel.
Man kann den Versuch noch
einfacher durchfuhren: Der rechte positive Pol der Influenzmaschine wird nach
unten gedreht, etwa 15-20 cm über der Aluminiumverbindungsfolie zwischen den
Leidener Flaschen. Wird die Rakete mit einem Plastiklineal zwischen Kugel und
Alufolie gehalten, so schwebt sie oder dreht sich noch zusätzlich um ihre
eigene Achse, auch noch nach Abschalten der Influenzmaschine. Sie bleibt dann
noch einige Zeit in der Nähe der positiven Elektrode und fällt dann irgendwann
herunter.
Eine schlüssige Erklärung für
das Phänomen der „schwebenden Rakete" habe ich nirgends gefunden. Wer liefert
eine Erklärung?
10.2 Durchschlag von Glas
Bei der Herstellung von
Leidener Flaschen verwendete ich anfangs Biergläser, Vasen, Einmachgläser
usw. Mit größer werdenden Scheibendurchmessern der Influenzmaschinen wurden
sie allesamt durchschlagen. Mit einem einfachen Versuch kann dieses
nachvollzogen werden.
Ein 0,5-Liter-Bierglas wird
mit Spiritus innen und außen gesäubert und getrocknet. Man beklebt es
provisorisch mit Aluminiumklebefolie innen und außen, ca. 5 cm hoch. In das
Glas stellt man einen Metallstab, ca. 20-25 cm hoch, an dessen Ende eine Kugel
befestigt ist. Der Außenbelag die-
10.3 Funkenüberschläge,
Korona-Effekte, Blitztafel 99
ser Leidener Flasche wird mit
dem Massepol der Influenzmaschine verbunden. Wenn man die Maschine jetzt in
Betrieb nimmt und mit dem Entladestab eine der aufgeladenen Leidener Flaschen
mit der Kugel auf dem Bierglas verbindet, findet eine Entladung zwischen
Innenbelag und Außenbelag am Glas entlang statt. Verhindert man dieses, indem
man ein breites Isolierband um den äußeren oberen Rand der Aluminiumfolie
klebt, so wird das Glas durchschlagen.
Bei der Betrachtung der
Korona-Entladungen an den 3,5 mm dicken Duran-Gläsern (Abb. 10.20) kam ich auf
die Idee, durch Überlackieren der Aluminiumränder die Korona-Entladungen zu
unterdrücken. Sofort nach Inbetriebnahme der so lackierten Leidener Flaschen
wurden diese durchschlagen. Die Durchschlagstelle befindet sich genau am
Aluminiumfolienrand. Warum die Spannung jetzt an dieser Stelle so hoch wird,
ist nicht einfach erklärbar. Sicher ist, dass aufgrund von Influenzeffekten
die Spannung zwischen den Belägen der Leidener Flaschen nicht überall gleich
groß ist.
10.3 Funkenüberschläge,
Korona-Effekte, Blitztafel
Abb. 10.17 zeigt eine 47 cm lange Entladung (Minuspol
Durchmesser = 180 mm). Ein kleiner Seitenast des Hauptblitzes zweigt nach
unten ab.
Bei den Funkenentladungen
kommt es immer wieder zu recht eigenartigen Erscheinungen, wie sie in den
Abb. 10.18 und 10.19 zu sehen sind.
In Abb. 10.17 zweigt sich ein
Blitz in der Mitte auf. Der dünnere Entladungsast mündet in die Kugel, der
dickere in den Stab der negativen Elektrode. In Abb. 10.18 verästelt sich der
Blitz kurz vor Erreichen der negativen Elektrode nochmals.
Fotos lassen sich in einem
völlig dunklen Raum mit einer auf einem Stativ montierten Kamera mit
Drahtauslöser machen. Man wählt Blende 8 oder 11 und stellt die Optik auf den
richtigen Abstand und Bildausschnitt ein. Im Dunkeln öffnet man die
Langzeitbelichtung, bis eine Entladung stattfindet, schaltet für ein bis zwei
Sekunden die Beleuchtung im Raum ein und schließt dann die Blende wieder.
Abb. 10.17:47-cm-Entladung
aus 730-pF-Leidener-Flaschen

Abb. 10.18: Verzweigter
Blitz (im Hintergrund Spiegelung auf der Scheibe)
70.3 Funkenüberschläge,
Korona-Effekte, Blitztafel 101

Abb. 10.19: Verzweigter Blitz
Korona-Effekte:
Die Büschel-Entladungen sieht
man am besten, wenn sich das Auge einige Minuten an die Dunkelheit gewöhnt
hat. An den Glaswänden der Leidener Flaschen entlang züngeln bläuliche
Entladungen nach oben, besonders im Augenblick der Hauptentladung. Man kann
nicht erkennen, ob sie vom Rand des Innen- oder Außenbelags weggehen (Abb.
10.20). Wie ist dieser Effekt zu erklären? An den Scheiben kann man sehr gut
beobachten, an welchen Stellen die Spannung am höchsten ist. Man darf der
Maschine dabei natürlich nicht zu nahe kommen. Mit einer Taschenlampe in der
Hand kann man rasch die Stellen ermitteln, wo unter Umständen ungewollte
Büschel-Entladungen an irgendwelchen Spitzen oder Kanten auftreten.
Blitztafel:
Abb. 10.21 zeigt eine Blitztafel. Aluminiumstreifen sind mit
kleinen Unterbrechungen auf einer Acrylglasplatte aufgeklebt. An den
Unterbrechungsstellen springen kleine Funken über, wenn man die Enden an die
Maschine anschließt. Auch mit dem Elektrophor kann die Blitztafel aktiviert
werden.

Abb. 10.20:
Korona-Entladungen an der Leidener Flasche

Abb. 10.21: Blitztafel
10.4 Elektrischer Wind,
Kerzenflammen-Experiment, Flügelrad 103
Da die Influenzmaschinen sehr
hohe Spannungen liefern, können natürlich auch wesentlich größere Blitztafeln
mit mehr Segmenten oder interessanten geometrischen Figuren aufgebaut werden.
Selbst bei unveränderter
Stellung der Entladekonduktorstäbe der Influenzmaschine kann es passieren,
dass ein Blitz in die große Kugel (negative Elektrode), ein nächster in den
Entladestab (Abb. 10.22) oder in die Leidener Flaschen-Kugel (Abb.
10.23) schlägt. Daher kann man sich leicht vorstellen, wie unberechenbar
bzw. unvorhersehbar die Blitzbahn bei einem Gewitter verläuft.
10.4 Elektrischer Wind,
Kerzenflammen-Experiment, Flügelrad
Stellt man eine Kerze, wie in Abb. 10.24 gezeigt, zwischen die Elektroden der Influenzmaschine, so
ist bei laufender Maschine eine Luftströ-
Abb. 10.22: Entladung in den
negativen Konduktorstab

Abb. 10.23: Entladung in die
negative Leidener Flaschen-Kugel
mung vom Pluspol (rechts) zum
Minuspol festzustellen. Die positive Elektrizität scheint die Flamme
wegzublasen, von der negativen wird sie angezogen.
Die Strömung wird schließlich
so stark, dass die Kerze ausgeblasen wird. Dies ist eine Erscheinung wie in
eine Geißler-Röhre, die den falschen Schluss zulässt, dass der Strom von Plus
nach Minus fließt, woraus die so genannte technische Stromrichtung entstanden
ist. Es liegt aber einfach daran, dass die positiven Ladungsträger, also
ionisierte Luftmoleküle, eine viel größere Masse haben als die Elektronen
selbst.
Nach dem Rückstoßprinzip
ausströmender Elektrizität aus Spitzen arbeitet das im Folgenden beschriebene
Flügelrad. Ein einfaches, selbst gebautes Flügelrad zeigt Abb. 10.25.
Ein Messingröhrchen, 4 mm
Durchmesser, ca. 150 mm lang, wird genau in der Mitte mit einem 2-mm-Bohrer
halb durchbohrt. Mit einem spitzen Nagel wird durch diese Bohrung eine
Vertiefung in die der Bohrung gegenüberliegenden Stelle des Röhrchens
geklopft. An den Rohrenden werden 10 mm in die jeweils entgegengesetzte
Richtung rechtwinklig abgebogen. An die
abgebogenen Enden werden kleine Dreiecke aus Aluminiumfolie geklebt. Das
Röhrchen wird auf einer Nadel leicht drehbar angeordnet. Die Nadel sitzt auf
einer Buchse, die in einen Plastikwinkel eingeschraubt ist.
"fWM'^Seß^fiefW"mäTI<S'rzenilammen-Experiment,
Flügelrad 105

Abb. 10.24: Kerzenflamme
im Hochspannungsfeld

Abb. 10.25: Flügelrad
Beim Anschluss an einen der
beiden Pole der Influenzmaschine dreht sich das Flügelrad aufgrund der
Rückstoßwirkung der aus den Spitzen austretenden Elektrizität sofort sehr
rasch. Auch nach Abschalten der Maschine dreht es sich noch so lange, bis die
Leidener Flaschen leer sind. Im Dunkeln sieht man an den Spitzen einen schwach
leuchtenden Kreis.
Auch mit dem Elektrophor kann
das Rad in Drehung versetzt werden.
10.5 Darstellung des
elektrischen Felds
Die entsprechende
Elektrodenanordnung, deren Feldlinienverlauf dargestellt werden soll, wird
aus Aluminiumklebefolie ausgeschnitten und auf eine PVC- oder Acrylglasplatte
aufgeklebt. Die beiden Pole werden dann mit den Anschlüssen der
Influenzmaschine verbunden und diese langsam gedreht. Die Querkonduktoren
werden so eingestellt, dass eine kleine Spannung und größere Ströme erzielt
werden (Abb. 5.2). Es gibt jetzt verschiedene Möglichkeiten der
Feldliniendarstellung:
1.
Man streut z. B. absolut
trockene Tannennadeln eines vertrockneten
Weihnachtsbaums auf die Anordnung.
Man kann es auch mit
entfetteten klein geschnittenen Haaren, Glaswolle oder Gipskristallen
versuchen.
2.
In einem flachen Plastikgefäß
befindet sich etwas Rizinusöl. In dieses
werden Grieskörner gestreut. Das Gefäß
mit den Grieskörnern und dem Öl
wird auf die Elektrodenanordnung gestellt. Die sich ergebenden
Feldlinienverläufe sind in den Abb. 10.26 bis 10.31 gezeigt. Alle
elektrischen Kraftlinien gehen senkrecht von der Oberfläche der
Kondensatorteile weg.
Die in Abb 10.26
dargestellte Anordnung kann als Querschnitt durch einen ebenen
Plattenkondensator aufgefasst werden. Die elektrischen Feldlinien verlaufen
zwischen den Kondensatorplatten unter sich parallel. Im Zwischenraum zwischen
den parallelen Platten ist daher das Feld an allen Orten gleich stark und
gleichgerichtet (homogenes Feld).
.70.5 Darstellung des
elektrischen Felds 107
Abb. 10.27 zeigt das elektrische Feld zwischen einer Platte
und einer Kugel. Platte und Kugel sind mit Elektrizität verschiedenen
Vorzeichens aufgeladen, stellen also die beiden Teile eines Kondensators dar,
zwischen denen eine Spannung besteht. Der Feldlinienverlauf zeigt deutlich,
dass es sich hier um ein sehr ungleichmäßiges, also inhomogenes Feld handelt.
Dasselbe gilt für das
elektrische Feld zwischen zwei entgegengesetzt aufgeladenen Kugeln, das in
Abb. 10.28a dargestellt ist. Abb. 10.28a kann aber auch als
Darstellung des Kraftlinienverlaufs zwischen zwei entgegengesetzt geladenen
Drähten aufgefasst werden. Man versteht dann, warum spannungsführend frei im
Zimmer verlegte Leitungen so leicht Staub ansetzen: Die Staubteilchen bleiben
unter dem Einfluss des elektrischen Felds an den Drähten haften.
a)
bei ungleichnamiger
b) bei gleichnamiger
Aufladung
Abb. 10.26: Elektrisches
Feldlinienbild eines Plattenkondensators

Abb. 10.27: Elektrisches Feld zwischen Platte und Kugel


Abb. 10.28: Elektrisches
Feldlinienbild zweier geladener Kugeln oder Drähte
Abb. 10.28b zeigt das Feldlinienbild zweier gleichnamig
aufgeladener Kugeln oder Drähte. Hier verlaufen die Feldlinien nicht zwischen
den beiden geladenen Leitern, sondern von diesen weg zum Gehäuse bzw. zur
Zimmerwand. Die beiden Kugeln oder Drähte stellen hier also nur den einen Teil
eines Kondensators dar, auf dem Ladungen eines Vorzeichens sitzen, während die
Ladungen des anderen Vorzeichens auf dem Gehäuse bzw. den Zimmerwänden sitzen.
Derselbe Fall liegt bei Abb. 10.29 vor, die das Feldlinienbild einer
isoliert aufgestellt geladenen Kugel wiedergibt (Kugelkondensator).
Im Fall der Abb. 10.28b übt das elektrische Feld eine Kraftwirkung auf die geladenen Kugeln aus,
die sich als scheinbare Abstoßung zwischen den Kugeln bemerkbar macht, während
es sich in Wirklichkeit nur um eine Anziehung zwischen den Kugeln und der
Zimmerwand handelt.
Abb. 10.30 (S. 109) zeigt das elektrische Feld eines
geladenen Elektro-skops:
Abb. 10.29: Elektrisches
Feldlinienbild - einer geladenen Kugel (Kugelkonduktor)

Abb. 10.30:
Verlauf der elektrischen Feldlinien in einem geladenen Elektroskop

Abb. 10.31: Feldlinienbild eines geladenen Hohl-konduktors; der Innenraum ist feldfrei

Man sieht sehr schön, wie die
Feldlinien zwischen dem Gehäuse und dem Elektrometersystem (Blättchen)
verlaufen, dass also die Kraftwirkung beim Spreizen der Blättchen
nicht auf einer Abstoßung zwischen den Blättchen, sondern auf einer Anziehung
zwischen Blättchen und Gehäuse beruht. Zwischen den Blättchen ist kein Feld
vorhanden, da ja auf beiden Blättchen nur Ladungen eines Vorzeichens sitzen,
zwischen denen (vgl. Abb. 10.28b) keine Feldlinien verlaufen können. Aus
dem gleichen Grund bleibt auch der Innenraum eines geladenen Hohlkörpers immer
feldfrei. Abb. 10.31 zeigt das Feldlinienbild eines geladenen
Hohlkonduktors (Konservenbüchse). Die Faserteilchen bleiben im Innenraum völlig
ungeordnet und zeigen dadurch das Fehlen eines elektrischen Felds an. Die
gesamte Ladung sitzt auf der Außenfläche des Konduktors.
10.6 Seifenblasen-Experiment
Der Verlauf der elektrischen
Feldlinien in der Umgebung des Hochspannungsgenerators wird deutlich, wenn
man von einem isolierten Standplatz aus Seifenblasen macht. Die Blasen
fliegen an die Wände oder die Decke entlang spezieller Linien. Längere
isolierte Anschlussdrähte, wie in Abb. 10.32 dargestellt, überzieht man
am besten mit einem PVC-Schlauch. Es empfiehlt sich, ohne Leidener Flaschen,
wie in Abb. 10.8 dargestellt, zu arbeiten.

Abb. 10.32: Darstellen des
elektrischen Feldverlaufs mit aufgeladenen Seifenblasen
10.7
Rauchgaskondensations-Experiment
Ein
Acrylglasrohr wird, wie in Abb. 10.33 dargestellt, am unteren Ende mit
Aluminiumfolie innen beklebt.
In diesen unteren Teil des Rohrs wird isoliert von der Aluminiumfolie eine
Drahtbürste (z. B. Stahlwolle) montiert. Unter dieser befindet sich
eine verglimmende Räucherkerze, deren Rauch man in dem Acrylglasrohr aufsteigen
sieht. Schließt man nun die Drahtbürste an den Pluspol und die Aluminiumfolie an
die Masse der Influenzmaschine an, so werden die Rauchteilchen, soweit sie
nicht schon von vorneherein geladen sind, beim Vorbeistreichen an den geladenen
Metallbürstedrähten durch Influenz positiv aufgeladen und am negativ geladenen
Zylinder entladen. Im Acrylglaszylinder steigt kein Rauch mehr auf.
Dieses Verfahren wird im großen Maßstab zum Abscheiden von Flugstaub in der
Zementindustrie und zum Entstauben von Rauchgasen verwendet (Verfahren von
Cottrell 1906). In größeren Werken werden täglich mehrere Tonnen Staub
abgeschieden, der teilweise als wertvoller Rohstoff wieder verwendet werden kann
(Abb. 10.34).


Einen ähnlichen
Effekt beobachtet man überdies bei Fernsehbildröhren. Durch die Hochspannung
werden Staubteilchen angezogen und die Bildröhrenoberfläche verschmutzt in
kürzester Zeit. Die Hochspannung an der Außenseite der Fernsehbildröhre lässt
sich übrigens leicht mit dem Elektroskop (Abb. 10.10) nachweisen.
11 Weitere elektrostatische
(Influenz-)Generatoren
Das Prinzip der
Energieerzeugung durch Influenz und Ladungstrennung gilt auch für die im
Folgenden beschriebenen Hochspannungsgeneratoren.
11.1 Der Bandgenerator
11.1.1 Vorgeschichte
Der Van de Graaff-Generator
ist der wohl eindrucksvollste elektrostatische Generator, mit dem man in der
Lage ist, viele Millionen Volt zu erzeugen. Mit Scheibeninfluenzmaschinen
wurden immerhin Funkenschlagweiten bis zu einem Meter erreicht. Bei
Scheibendurchmessern von 1,5-2 m dürften aber die Grenzen für solche Geräte
absolut erreicht sein.
Mit kleineren
Demonstrationsbandgeneratoren, wie sie im Schulunterricht verwendet werden,
können normalerweise Spannungen von 100.000-500.000 V erzeugt werden. Abb.
12.10 zeigt ein solches Gerät.
Der Van de Graaff-Generator
hat seinen Namen nach Dr. Robert J. Van de Graaff, der am 12. Februar 1935 ein
Patent mit der U.S.-Nr. 1 991 236 anmeldete. Bis zu 10 Millionen Volt wurden
erzeugt nach seiner Entwicklungsmethode. Benötigt wurde eine derart hohe
Spannung in den Teilchenbeschleunigern der Atomforschungslaboratorien.
Streng genommen war Van de
Graaff nicht der eigentliche Erfinder des bandangetriebenen elektrostatischen
Generators. Schon 1893 präsentierte Von Busch eine Anordnung mit zwei Rollen
und einem horizontalen Band, Absaugkollektoren und einer isolierten Kugel.
Sogar noch früher,
1785, erfand Rouland einen
elektrostatischen Generator mit einem End-los-Seidenband, das zwischen zwei
horizontalen Rollen lief und eine Kollektorröhre in der Mitte besaß.
11.1.2 Vereinfachte Erklärung
der Funktionsweise
Ein Neopren-Endlosband läuft
unten über eine Walze aus Isoliermaterial, z. B. Teflon, und oben über eine
Metallwalze (Abb. 11.1 links). Die Teflonwalze wird von einem Motor
angetrieben. Durch Ladungstrennung und Influenz entsteht z.B. negative Ladung
auf dem nach unten laufenden Band. Diese wird durch den Saugkamm S, zur Erde
abgeleitet. Die verbleibende positive Ladung wird nach oben transportiert,
von dem oberen Absaugkamm S2 abgegriffen und auf der
Konduktoraußenseite gesammelt. Die verbleibende negative Ladung wird wieder
nach unten transportiert. Die Energieerzeugung erfolgt, wie in Abschnitt 1.6
beschrieben, durch das Trennen bzw. Auseinanderziehen der linken positiven und
der negative Ladung, die sowohl auf dem nach unten laufenden Band als auch auf
Masse sitzt. Es ist dies im Prinzip derselbe Vorgang wie bei der sektorlosen
Influenzmaschine und ihren gegenläufig rotierenden Scheiben. Oft wird
fälschlicherweise von Reibung zwischen dem Band und der Walze gesprochen. Die
Maschine funktioniert aber auch völlig ohne Schlupf, nur durch das Berühren der
Walzen mit dem Band. Auch beim Elektro-phor (Abschnitt 2) findet ja keine
Reibung statt, sondern nur Berührung und Ladungstrennung durch Hochheben.
Würde man die Metallwalze unten und die Kunststoffwalze oben anordnen (Abb.
11.1 rechts), so könnte man den Konduktor negativ aufladen. Zwischen den
Konduktoren zweier solchermaßen unterschiedlich gefertigter Bandgeneratoren
würde die doppelte Spannung (2 U) bzw. doppelte Schlagweite entstehen.

Der vom Bandgenerator
abgegebene Strom errechnet sich wie bei der Influenzmaschine nach Abschnitt
7.2:
'„«„ = D,ma ■ F
F ist die Fläche des Bands, die in einer Sekunde am
Saugkamm S2 vorbei
streicht, Dm„ beträgt 2,5 ■ 1(H
F-B-v
[m2]
B = Breite des Bands [m]
v = Geschwindigkeit des Bands
[m/sec]
Mit Walzen von 4 cm
Durchmesser und 8 cm Breite würde bei einer Generatordrehzahl von 3.600
Umdrehungen/Minute ein theoretischer Strom von 15 uA abgegeben. Man kann den
Bandgenerator grundsätzlich als Konstantstromquelle betrachten. Die erzeugte
maximale Spannung hängt von der Größe und Beschaffenheit des Konduktors ab.
Eine ideale Kugel von 40 cm Durchmesser (ohne Kanten oder sonstige kleine
Krümmungsradien) könnte (theoretisch) auf 600 kV aufgeladen werden. Die
Aufladung würde in ca. 1 Sekunde erfolgen, wobei dann jede Sekunde eine
Entladung stattfindet. Diese idealen Werte werden natürlich in der Praxis
nicht ganz erreicht.
Die Entladungen werden
allerdings nicht so spektakulär wie bei der hier beschriebenen großen
Influenzmaschine, da die Kapazität des Kondensators nur ca. 25 pF beträgt.
Die in Serie geschalteten Leidener Flaschen entsprechend Abschnitt 4.5.4
bringen es auf 360 pF!
11.2 Der Kelvinsche
Wassertropfengenerator
Prinzipielle Wirkungsweise
Man kann einen sehr einfachen
Hochspannungsgenerator bauen, ganz ohne bewegliche Teile, der seine Energie
nur aus herunterfallenden Wassertropfen bezieht. In Abb. 11.2 wird
gezeigt, wie Wassertropfen durch Influenz aufgeladen werden und dann durch
Ladungstrennung elektrische Energie erzeugt wird. Diese wird in einem
Auffangbehälter gespeichert.
Aus einem Vorratsbehälter A
fließt Wasser durch eine feine Düse B nach unten. Nach kurzer Fallzeit bilden
sich aus dem zusammenhängenden Strahl Wassertropfen. Die Stelle, an der sich
aus dem Wasserstrahl Tropfen bilden, befindet sich in einem Metallzylinder,
der positiv aufgeladen wird. Durch Influenz (siehe Abschnitt 1.5) wird der
Wasserstrahl und somit auch die Tröpfchen negativ aufgeladen. Die positive
Ladung zieht sich nach oben in den Behälter A zurück. Die negative Ladung der
Trop-

Abb. 11.2: Wassertropfen
werden durch Influenz negativ aufgeladen
fen sammelt sich im isoliert
aufgestellten Auffangbehälter D. Dem Zylinder C wird keine Energie entzogen.
Die Energieerzeugung erfolgt wieder durch Ladungstrennung, wie in Abschnitt
1.6 beschrieben. Durch die Schwerkraft werden die negativ aufgeladenen Tropfen
vom positiv geladenen Zylinder weg nach unten gerissen. Die elektrische
Energie, die im Behälter D gespeichert wird, kommt aus der potenziellen
Energie des Wassers: Energie = Gewicht mal Höhe. Das Wasser hat also
ursprünglich seine Energie dadurch erhalten, dass es auf die Höhe H über dem
Erdboden entgegen der Schwerkraft gebracht wurde.
Würde das Wasser in einem
ununterbrochenen Strahl herunterfließen, wären die Behälter A und D durch das
Wasser kurzgeschlossen und es könnte sich keine Spannung zwischen ihnen
aufbauen.
Baut man nun eine zweite
identische Anordnung entsprechend Abb. 11.2 auf, aber mit negativ
geladenem Zylinder C, dann wird der Auffangbehälter D positiv aufgeladen.
Verbindet man jetzt beide Anordnungen über Kreuz leitend miteinander, wie in Abb. 11.3 gezeigt, so kann sich die Anordnung selbst erregen und immer
weiter aufladen, bis durch Isolation und Korona-Verluste eine Grenze erreicht
wird.
Entscheidend ist es, dass
sich die Tropfen innerhalb der Metallzylinder bilden, damit die durch Influenz
erzeugte gleichnamige Ladung zurück in den Vorratsbehälter fließen kann. Da
immer irgendwelche Restladungen vorhanden sind, erregt sich die Anordnung
immer wieder von selbst.
Hinweise zum praktischen
Aufbau eines Kelvin-Generators
Bei allen Metallteilen,
Zylindern, Auffangbechern und Leitungsverbindungen müssen scharfe Kanten und
kleine Krümmungsradien vermieden werden. Hochspannungszündkerzenkabel eignen
sich als Verbindungsleitungen. Als Isolationsmaterial kommt hauptsächlich
Acrylglas infrage, da es eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit besitzt. Die
Anordnung ist feuchtigkeitsempfindlich. Herumspritzende Wassertropfen können
die Isolationsfähigkeit von Kunststoffteilen beeinträchtigen. Man benötigt
einen sehr trockenen Raum, am besten mit Klimaanlage. Mit einem Föhn sollte
man alle Isolierteile trocknen.
Die Wasserzuflussregelung
kann man auf zweierlei Weise einstellen: Entweder man erzeugt große Tropfen
durch wenig Wasserzutluss mit einer

Abb. 11.3: Kelvin-Generator
größeren Düse. Dadurch
ergeben sich wenig Spritzer auf umliegende Teile. Die großen Tropfen werden
auch nicht so stark elektrostatisch abgelenkt von den Auffangbehältern. Die
Spannung wird höher, aber der Ladungstransport geringer, d. h. es dauert
lange, bis die Auffangbehälter aufgeladen sind.
Erzeugt man viele kleine
Tropfen durch einen dünnen Wasserstrahl, so entsteht ein größerer
Ladungstransport. Es werden höhere Ströme erzeugt; die Tropfen können aber so
stark abgelenkt werden, dass sie nicht mehr in die Auffangbehälter treffen.
Dadurch entstehen unter Umständen Isolationsverluste durch Spritzwasser.
Man könnte auch viele Tropfen
gleichzeitig erzeugen, indem man z. B. einen Brausekopf nimmt, bei dem die
mittleren Löcher zugeklebt sind. Der Influenzring würde ja nur die äußeren
Tropfen aufladen.
Nachweis der erzeugten
Spannung
Verwendet man eine Anordnung,
bei der die Austrittsdüse etwa 50 cm über den Auffangbehältern liegt, so
können mit einer Kugelfunkenstrecke Entladungen von 5-10 mm Länge zwischen den
Auffangbehältern beobachtet werden. Man kann auch durch das Aufblitzen einer
Energiesparlampe die Spannung nachweisen. Bei kleineren Versuchsanordnungen
könnte man den Spannungsnachweis mit dem Elektroskop (Abschnitt 10.1.6)
führen.
Beschleunigung der
Wiederaufladung
Wenn eine Funkenentladung
stattgefunden hat, werden auch die Influenzringe entladen. Dadurch dauert es
ziemlich lange, bis sich wieder die volle Spannung aufgebaut hat (bis zu 15
Sekunden).
Verbindet man die
Auffangbehälter über einige in Serie geschaltete Hochspannungsdioden (Abb.
11.4), z. B. BY 711, dann werden immer nur die Kollektoren, nicht aber die
Influenzringe entladen. Da diese ihre Ladung praktisch behalten haben, lädt
sich jetzt der Generator schnell wieder auf.

Abb. 11.4:
Kelvin-Generator mit Dioden BY 711
Weitere elektrostatische (Influenz-)Generatoren
11.3 Der „Schüttel-Generator"
Der Versuchsaufbau ist
in Abb. 11.5 dargestellt.
Abb. 11.5: „Schüttel-Generator"
An den Enden einer Acrylglasröhre werden zwei Metallkugeln befestigt. In der
Mitte des Rohrs wird eine Metallbarriere angebracht. Zwei Metallkugeln können
sich zwischen der jeweiligen Abschlusskugel und der Metallbarriere bewegen. Zwei
Metallinfluenzringe werden mit der jeweils gegenüberliegenden Kugel leitend
verbunden. Das Ganze wird an einen isolierten Griff (PVC oder Acrylglas)
gehalten. Wenn sich durch Schütteln die Kugeln hin- und herbewegen, baut sich an
den äußeren Kugeln eine hohe Spannung auf. Die äußeren Elektroden könnten z. B.
mit Aluminiumfolie beklebte Holz
oder Styroporkugeln sein. Im Rohr könnten mit Aluminium beklebte Squash-Bälle
laufen.
12 Historisches
Man kann die
elektrostatischen Generatoren grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilen: Die
erste Gruppe bilden die Maschinen, bei denen Ladung durch Reibung erzeugt
wird. Entscheidend ist hier der direkte körperliche Kontakt zwischen zwei
verschiedenen Materialoberflächen.
Otto von Guerickes sich
drehende Schwefelkugel (1663), welche mit der Hand gerieben wird, war die
frühe Form. Zur Zeit der Erfindung der Leidener Flasche durch Ewald Jürgen
von Kleist, etwa um 1745, wurden auch Glaskugeln gedreht und mit der Hand
gerieben (siehe Abb. 12.1),
In Abb. 12.2 wird eine
Dame auf einem Isolierstuhl stehend aufgeladen. Der elektrische Kuss mit dem
geerdeten Partner ist sicherlich nicht sehr angenehm.
Später, 1768, entwickelten
Jesse Ramsden und Jan Ingenhousz Generatoren mit Glasscheiben, die gegen
Lederpolster rieben. Die Lederpolster waren mit Metallstaub überzogen und
ersetzten so die Berührung mit der Hand. Abb. 12.3 zeigt die größte
Elektrisiermaschine mit Glasscheiben des 18. Jahrhunderts.
Die Reibungsgeneratoren, die
Glasscheiben benutzten, erreichten 1856 einen hohen Entwicklungsstand mit Karl
Winters Gerät.
Die zweite Gruppe sind die so
genannten Influenzmaschinen. Influenz bedeutet vereinfacht ausgedrückt: Man
erzeugt einen elektrischen Zustand in einem Gegenstand allein durch die
Annäherung an einen anderen elektrisch geladenen Gegenstand ohne einen
direkten Kontakt zwischen beiden. Die ursprüngliche Influenzmaschine hat ihre
Wurzeln in John Canton's „Theorie der Elektrifizierung ohne Berührung", 1753.
Er stellt sich vor. dass es eine elektrische Atmosphäre gibt, ein Medium, das
elektrische Körper umgibt und durch den Raum wirkt.
Abb. 12.1: Die Erfindung der
Leidener Flasche

Später, 1787, beschreibt
Abraham Bennet einen „Verdopplungs-Generator", der mittels Influenz sehr
kleine Ladungen so verstärkt, dass größere Werte erzielt werden. Um 1800
erschienen neue Entwicklungen. Ihre Anzahl nahm um 1860 rasch zu.
Es ist unmöglich, alle diese
Entwicklungen zu beschreiben, aber die populärsten waren Varley's Maschine
(1860), Töplers Maschine (1865), Holtzens Maschine (1865), Leysers Maschine
(1873) und Vossens Maschine (1880). Der Holtz-Generator wurde viele lahre lang
für elek-trotherapeutische Zwecke benutzt und übertraf die Wimshurst-Maschine
bei gutem Wetter.
Abb. 12.4 und 12.5 zeigen Maschinen alter Bauart nach
Holtz und Töpler.
All diese frühen
Entwicklungen litten entweder daran, dass sie bei schlechtem Wetter nicht
ansprangen oder ihre Polarität wechselten. Der Polwechsel zwischen zwei
Anschlüssen erfolgte plötzlich, womit eine zuverlässige Funktion nur
eingeschränkt möglich war. 1878 gelang es James Wimshurst, dieses Problem in
den Griff zu bekommen. Er verbesserte die Holtz-Maschine. 1883 erschien die
Wimshurst-Maschine in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Erst 1882
wurden zwei Leidener
Flaschen als
Speicherkondensatoren hinzugefügt. Dadurch verbesserte sich der Wirkungsgrad
und die Funkenlänge zwischen den Entladekon-duktoren konnte vergrößert werden.
Der Wimshurst-Generator erwies sich als sehr zuverlässig und startete auch bei
dem feuchten englischen Klima, insbesondere wegen der Metallsektoren auf den
beiden Scheiben.
Darüber hinaus erfolgte bei
der Wimshurst-Entwicklung kein Polwechsel wie bei den anderen Maschinen.
Dadurch erlangte die Wimshurst-Maschine große Beliebtheit in Europa. Viele
Entwicklungen erschienen als Variation ihres Grundkonzepts.
Die größte Wimshurst-Maschine
wurde 1885 gebaut. Sie hatte 10 mm dicke Glasscheiben mit 2,1 m Durchmesser.
Jede Scheibe wog 70 kg. Im Betrieb erzeugte diese Maschine einen Strom
kräftiger Funken mit einer Länge von 56 cm.
Um besonders große Mengen von
Elektrizität zu erhalten, kann man nach Töpler mehrere Influenzmaschinen
parallel schalten, d. h. ihre gleichna-
migen Konduktoren miteinander
verbinden, wobei zweckmäßig, wie Abb. 12.6 zeigt, alle rotierenden
Scheiben auf derselben Achse angebracht werden.
Noch mehr wird die Wirkung
gesteigert, wenn man eine solche vielplat-tige Maschine in einem Kessel
anbringt, in dem die Luft auf 3^1 Atmosphären verdichtet werden kann, da die
Kompression der Luft die Spitzenausströmung der Elektrizität erschwert. Unter
den besten Bedingungen erreichte Funkenlänge von etwa der Hälfte des
Scheibendurchmessers. Das jedoch war selten für die meisten selbst gebauten
Geräte.
Der Strom oder die Menge der
Ladung war genauso wichtig wie die Funkenlänge. Die gewöhnliche Methode, um
zwei Entwicklungen derselben Größe und Geschwindigkeit zu vergleichen, war die
Messung der Zeit, in der eine Leidener Flasche auf eine bestimmte Spannung
aufgeladen werden kann. Die Messergebnisse waren jedoch nicht sehr genau. Es
erscheint logisch, dass die Spannung von Influenzmaschinen grundsätzlich vom
Scheibendurchmesser abhängt. Eine Verdopplung des Durchmessers ergibt
ungefähr eine Verdopplung der Spannung. Der Ausgangsstrom nimmt zu mit der
Rotationsgeschwindigkeit der Scheiben und mit zusätzlichen Scheiben auf
derselben Achse.
1890 und später erschienen
modifizierte Wimshurst-Maschinen. Eine der wichtigsten Änderungen war das
Entfernen aller Metallsektoren auf den
Scheiben. Bemerkenswert waren
die Entwicklungen von Picolet (1892) und Bonetti (1893). Die Sektoren
erzeugten große Verluste und ihr einziger Vorteil war, dass die Maschinen
sich selbst erregten. Zusätzlich können die Scheiben ohne Sektoren leichter
sauber gehalten werden.
Beim Generator von Picolet
(Abb. 12.7) sind die Ausgleichskonduktoren lang und besitzen viele Pinsel,
die aber die Scheiben nicht berühren müssen.
Maschine von 1894
R. A. Ford beschreibt in
seinem Buch den Selbstbau einer solchen sektor losen Influenzmaschine. Eine
andere Lösung, um die Korona-Verluste der Metallsektoren zu verhindern, sind
beschrieben in zwei Patenten von Wommelsdorf (1908-1913). Beim Typ Mercedes
sind die Metallsegmente in das vulkanisierte Scheibenmaterial eingegossen.
Die Segmente sind besser
isoliert voneinander, Korona-Verluste werden dadurch verhindert. Die Maschinen
reagieren nicht auf Feuchtigkeit. Es erfolgt praktisch kein Polwechsel mehr.
Es wird ein größerer Ausgangsstrom erreicht, die Funkenlänge beträgt etwa
zwei Drittel des Scheibendurchmessers.
11 3 Der „SchMel-GenemtoF 125


Abb. 12.6:
Vielplattige Influenzmaschine

Abb. 12.8 zeigt, wie mit der Influenzmaschine Typ Mercedes
noch vor ca. 100 Jahren Röntgenröhren betrieben wurden. Zu dieser Zeit wurden
die Maschinen aber bereits von rotierenden Umformern, die mit Wechselstrom
betrieben wurden, abgelöst. Die Influenzmaschinen verloren ihre Bedeutung.
Sehr hohe Spannungen bis zu
mehreren Millionen Volt wurden später mit dem Bandgenerator von Van de Graaff
(1931) erzeugt. Die vom Antriebsmotor gelieferte mechanische Leistung wird
hier mit einem Wirkungsgrad von ca. 5 % in elektrische Leistung umgesetzt.
Im Physikunterricht an den
Schulen werden gelegentlich noch Influenzmaschinen (Abb. 12.9), meist
aber kleine Bandgeneratoren zu Demonstrationsversuchen verwendet (Abb. 12.10).

Abb. 12.9: Influenzmaschine
von Fa. Phywe (2002)


Abb. 12.10: Bandgenerator
von Fa. Phywe (2002)